tiefem Vorschlag mußten Walter und ich uns w, frt8ben geben. Es wurde dann festgesetzt, daß Edith in acht kommen "solltt b6m i§reS OnfeIS iU ihrer Großmutter
eigenem Gutdünken ent-
mich zu der am Fenster Großmutter gehen oder
bei Dir bleiben, meine
auf, daß Fräulein Butt ganz nach scheidet."
„Edith," sagte ich und wandte Stehenden, „willst Du zu Deiner lieber bei mir bleiben?"
die m Garten Blumen pflückte, kam in's Haus gelaufen, um mir diese Neuigkeit mitzutheile». 9 T ' “
^?°n Augenblick fühlte ich, daß ich vor Erregung rlÄ «ach einer Stütze greifen mußte. Aber schnell
meine Fassung wieder und ging der vornehmen Dame entgegen, bte schon aus dem Wagen stieg.
orMor Thürs entgegentretend, fragte ich mit ehr- erbietigem Gruß: „Lady Ponsonby?" y
Sie bejahte mit einer leichten Bewegung des Kopfes und dann klang der eigenthümlich kalte Ton ihrer Stimme um angenehm an mein Ohr: „Habe ich das Vergnügen, Fräulein Butt vor mir zu sehen?" Damit streckte sie mir die Fingerspitzen entgegen. ö
^ch führte sie in das Haus, während der Wagen draußen wartete.
I N einsam kam mir mein kleines Haus vor, als es feiner | anmuthigsten Blume beraubt war!
!atte s^t zwei Jahren auch nichts gehört, I außer daß er lebte, wußte ich nichts von ihm. Daß aerade | der letzte Brief, den ich von ihm besaß, von Liebe überfloß I ^as ich nicht zu ergründen vermochte'
| "7er alter Rector war gestorben und Walter an seine Stelle ! y £«f langen, einförmigen Wochen kehrte Edith I 5,rJPe: re2ie$ sah sie in ihrem eleganten Anzug au?- als sie sich mir in die Arme stürzte! Ich erdrückte sie I sfst mit Küssen und Zärtlichkeiten. Sie sagte mir, daß sie I eine ganze Woche lang bei mir bleiben wolle, und als ich st° dieses kurzen Besuches halber ausschalt, streichelte sie mir I Örtlich die Wangen und meinte, sie have jetzt eine Erzieherin I l'iese sei so streng und gebe ihr keinen Tag länger Urlaub. I ™ $$ erwiderte, ich hätte gehofft, sie werde nach den fünf | fachen wieder ganz zu mir zurückkehren. Darauf gab sie I filvur Antwort, ihre Großmama sei so gütig und nach- I 8 sie, überschütte sie so mit Geschenken, daß sie I deren Wünsche nicht ganz unberücksichtigt lassen könne. Dabei versprach sie mir, mich recht, recht oft zu besuchen.
... Aber rede Freude hat ihr Ende - so auch Ediths Be« I s«A,. Wieder stand der Wagen vor der Gartenthüre, wieder I an'mich —böS ^bbe, thränenfeuchte Gesicht zum Abschied
Jede Woche erhielt ich einen, ja auch zwei Briefe aus London und schließlich brachte mir ein solcher eine Nachricht Watts?eilte^ r^tö' daß ich mit dem Brief in der Hand zu Der Brief war von Lady Ponsonby und sie theilte mir mit, daß sie noch an demselben Tage nach Paris überzusiedeln ! gedenke. Es treffe, schrieb sie, Fräulein Ponsonby kein Tadel, daß sie mir nichts davon geschrieben habe, da ihre Pläne Fräulein Ponsonby bis ,etzt, am Tage ihrer Abreise, um bekannt gewesen wären. "
Unsere liebe Edith war also für uns jetzt das vornehme unnahbare Fräulein Ponsonby geworden.
Voll Entrüstung las ich Walter diesen herzlosen Brief vor und fragte um Rath, was ich thun solle. Einen Moment war er stumm vor Verwunderung.
„Diese Handlungsweise ist einer edlen Frau unwürdig" sprach er endlich. „Lady Ponsonby hat kein Recht, das Kind ohne unsere Einwilligung mit in's Ausland zu nehmen. Jedenfalls war sie überzeugt, daß wir nicht damit einverstanden gewesen wären, darum handelte sie auf eigene Hand."
Ediths erster Brief aus Paris bestand aus vier Seiten voll Selbstvorwürfen.
e. . "Du wirst mir nie vergeben können," schrieb das liebe > »,' s? «erließ, ohne auch nur einen Abschieds-
kuß! Aber ich hatte ja von unserer Ueberstedslung nach hier keine Ahnung bis zum Morgen der Abreise! Ltsette kam
„Viel, viel tausend Mal lieber liebe Madeleine," erwiderte Edith.
sagte da Lady Ponsonby in gereiztem Tone „d^ese Worte allein beweisen mir, wie nothwendig es ist, Dich unter geeignete Aufsicht zu stellen. Wie ich sehe? fehlt' es Dir an der allergewöhnlichsten Höflichkeit. Ich wünsche, daß Du & 3B^!en mir kommst; wenn Du darnach noch Äff 9t8 vorziehst, werde ich nichts gegen Deine verlangen einroenben- ®ie8 darf ich als Großmutter
T$e.^««n wohl kaum zu sagen," Hub sie im nehmend an, „wie mich Herr Walter über- Eö;ichhabeschon ange jedes Band, das sich an meinen Sohn knüpft, für zerriffen gehalten. Welcher Segen, daß seine Tochter, das Kind meines armen Lionel, mir wiederge- ßbdenwird! Sie lebt, wenn ich recht verstanden habe, jetzt bet Ihnen?"
V'3a' gnädige Frau," versetzte ich, „und es hieße meinem Hause den Sonnenschein nehmen, wenn man uns jetzt trennen ^aben Sie Herrn Walters Vorschlag, sie unter meiner Obhut zu kaffen, bis ihre Erziehung vollendet ist, in Betracht gezogen?
„Ein solcher Vorschlag bedarf überhaupt keiner Erwägung meinerseits. Meine Enkelin und einstige Erbin muß für die Stellung, die ihr zukommt, erzogen werden," versetzte Lady Ponsonby. — Ihr kaltes, stolzes Gesicht ward bei diesen Worten noch strenger und kälter.
Da wußte ich, daß es mit aller Hoffnung, meine Pflege- fchwester noch bei mir zu behalten, aus war. — * a
«kut®06 ™ sch den Wagen hatte kommen sehen, hatte ich Edith zu Walter geschickt. Eben traten Beide ein. 9 ’
, Lady Ponsonby ging Edith entgegen, küßte sie, zog sie v"8 Knster, nahm Ediths Gesicht zwischen die Hände und I betrachtete sie aufmerksam.
Enttäuscht den Kopf schüttelnd, ließ sie nach wenigen das Mädchen los. „Nicht die entfernteste Aehm lichkeit mit meinem Sohne," sagte sie; „kein einziger Zug von unserer Familie. Sie muß Ihrer Schwester sehr ähneln, Herr Walter?' setzte sie, zu diesem gewendet, hinzu. I
„Sie ist das genaue Ebenbild meiner Schwester," ent- I segnete dieser; „auch ich kann keinen Zug von ihrem Vater | an ihr entdecken."
„Run, gleichviel; sie ist sein Kind und meine Enkelin," I suyr jene fort. „Kann sie in acht Tagen bereit sein, zu I mir zu kommen?" |
„Verzeihung, gnädigste Lady," ergriff Walter das Wort, „wollen Sie Edith nicht wenigstens noch für einige Zeit in I dem Hause lassen, wo sie glücklich war?"
„Daran ist nicht zu denken," lautete die Antwort, „da- | mit würde ich das Andenken meines verstorbenen Sohnes j wenig ehren. Ich beabsichtige, an seiner Tochter ebenso zu | handeln, wie ich an jedem anderen Enkelkinde gehandelt haben I wurde, das er mir vielleicht hinterlassen hätte, wenn er eine I Heirath nach meinem Wunsche eingegangen wäre"
Dieser Stich traf Herrn Walter tief, gleichviel ob er I beabsichtigt war oder nicht. Für einen Augenblick stieg eine I seltsame Röthe in seine bleichen Wangen.
„Ich bezweifle nicht," entgegnete er in mildem Tone, I „daß Sie, schon um meines Schwagers willen, das Beste be- I absichtigen. Aber Sie dürfen bei alledem nicht vergessen, daß I Fräulein Butt für Edith Mutter, Schwester und Beschützerin I war, so lange dieselbe keine anderen Freunde hatte! Für diese I große, selbstlose Güte gebührt derselben wohl ewiger Dank. I Ich selbst mache in Bezug auf Ediths Zukunft keine An- I . sprüche, obwohl meine nahe Verwandtschaft mich dazu berech- J ! «gt; das heißt aber, ich gebe sie nur unter der Bedingung ‘ i
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