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GenreririrÄtziges
früher als gewöhnlich an mein Bett und weckte mich mit den Worten: Wachen Sie auf, Fräulein, und eilen Sie sich, binnen wenigen Stunden reisen wir nach dem schönen Frankreich! — Anfangs erklärte ich, ich ginge nicht mit; aber Großmama sagte mir, sie habe Dir geschrieben; so bin ich denn hier — wenn ich auch den Grund und Zweck der Reise nicht recht einsehen kann." (Fortsetzung folgt.)
gebracht! Zwei junge Lehrerinnen, Fräulein Agnes und Fräulein Piel, stellten sich freiwillig in den Dienst dieser „Anstalt". Der Jahrmarkt ist jetzt getheilt; die eine Hälfte arbeitet aus dem Boulevard Richard- Lenoir, die andere auf dein Place du Trvne. Dort unterrichten Fräulein Bonnefois und Fräulein Agnes, hier Fräulein Piet die Kinder. Die ganze Schule zählt bereits 70 Schüler und Schülerinnen, lauter Artisten-. kinder, und wenn sie sich küssen und halsen, wenn sie spielen und singen, wenn sie sich streiten und prügeln, dann geschieht es wenigstens unter und von ihresgleichen; das Schicksal deS kleinen Pierre bleibt ihnen erspart.
Da sitzen sie nun, diese kleinen Geschöpfe, deren Einzelne schon viele „Kunststückchen leisten und ihren Eltern — Geld verdienen", an der rührend ärmlichen Schulbank und schreiben. Es sind Kinder jeden Alters, zwölfjährige Mädchen und zehnjährige Knaben, Mägdleins von fünf Jahren und kleine Männchen, die kaum das vierte Lebensjahr erreicht haben. Für diese 586568 ist die Schule vorläufig nur „Kindergarten"; sie lernen sitzen und die Händchen schön artig auf dem Tisch halten, manche können sogar schon ein Abendgebet auswendig sagen. Ein fünfjähriger Zwerg sagt sein Gebetchen auf; es klingt fast wörtlich wie das liebe deutsche „Müde bin ich, geh' zur Ruh', schließe meine Aeuglein zu". Er ist zum Küssen, der herzige Junge, wie er seine Verslein in seinem unmöglichen Kinderfranzösisch herunterlallt. Die Lehrerin läßt die kleine Jeanne auf den Tisch steigen; die zählt schon drei Jahre! Sie weiß schon eine Menge Dinge und fürchtet sich auch gar nicht vor den Affen und Schlangen, die ihr Vater in seiner Bude zeigt. Geheimnißvoll weiß sie zu erzählen, daß einer der Affen, der „Moumi", schwer krank ist — er hustet! Ihr Kollege, der kleine Charles, ist nicht viel älter; allein das Kerlchen weiß schon jetzt, was er werden will: — der Nachfolger seines Vaters!. „Und was ist denn Dein Papa?" — „O, Papa besitzt den Affen, der ein Waldmensch ist", zirpt der Kleine, „und der „Waldmensch" ist so bös, so bös". Jetzt geht die Thüre auf und herein huscht ein Mägdelein, an das sich ein kleines Hündchen schmiegt. Ein halbunterdrücktes „£>!" ertönt von der Schulbank her. „Ja, die Lisette hat sich heute verspätet, während die Änderen schon ein halbes Schulheft vollgeschrieben haben. Aengstlich schleicht sich die Lisette auf ihren Platz, doch die Lehrerin beruhigt sie mit einem unsagbar freundlichen Blick. Hier gibt es keine Strafe und wahrscheinlich ist die Lisette länger bei der „Uebung" zu -Hause zurückgehalten worden. Ihr Hündchen kauert sich am warmen Ofen nieder und bald ist Lisette in ihre Aufgabe vertieft; sie wird das Versäumte schon nachholen. Dem „Ture" aber, dem kleinen Hund, den Alle lieben, fliegen heimlich Brodstückchen zu. Welch ein allerliebstes Schauspiel.
Fast jeder der niedlichen Zöglinge des Fräuleins Bonnefois hat schon einen „Beruf". Die blonde Georgette — selbst ein Engelskopf — macht den „Engel" in der „Passions-Aufführung" ihres kleinen Theaters. Die siebenjährige Blanche — „Nein, bitte, siebeneinhalb Jahre!" rief sie der Lehrerin zu — spielt schon in drei Theaterstücken auf dem Jahrmarkt; sie gibt „die kleine Braut" in der gleichnamigen Pantomime, dann einen Knaben in „Suzettens Reise" und eine Hauptrolle in der „Mignon", die sie sich draußen in ihrem „Wurstelprater" zurechtgelegt haben. Und wie selbstbewußt die kleine Komödiantin von ihren Rollen spricht! Wie viele harte Worte und Schläge mag es beim Studieren der Rollen abgesetzt haben!? Doch davon verräth die kleine Blanche nichts; das sind Familiengeheimnisse. Viel stolzer ist das Auftreten der neunjährigen Antoinette; o, die ist Tänzerin und kann schon seit drei Jahren auf den Fußspitzen gehen. Sie ist die „Löwin" der Schulklasse und Alle huldigen ihr, der Antoinette. Ganz an der Ecke sitzt ein kleiner, schwarzer Lockenkopf, aus dem zwei große, dunkle Augen leuchten. Das ist die Rssida Raynaud, das Zigeunerkind, ein fünfjähriges Bsbö, in Lumpen gehüllt. Sie blickt so traurig drein und ihre Augen schimmern feucht. „Was hat man Dir, Du armes Kind, gethan? . . ." Hat es Prügel statt des Frühstücks gegeben oder thun da die nackten Füßchen von der Kälte so weh? „Was willst Du werden, Rssida?" Das zerlumpte Zigeunerkind schweigt — es hungert vielleicht. . . . Doch die Artistenschule hat auch ihre heiteren Brüderlein. Chöcolat und Faraud sind zwei Komiker, die alle Morgen mit einem neuen Spaß in die Schule kommen. Und noch ehe dec Unterricht beginnt, hat sich die Klasse bereits gründlich über Chocolat's Drolerien ausgelacht. Der „Nigl", der kaum neun Jahre zählt, sieht Einem aber auch wirklich so urdrollig an, daß man lachen muß. Dazu kommt noch Eines: er ist ein Negerlein, und schon sein kohlschwarzes Gesicht reizt die Kinder zum Lachen.
Also sieht es in der Schule der Komödiantenkinder aus, die mit ihren Eltern ein stetes Nomadenleben in der schönen Weltstadt Paris führen. Die hochherzige wackere Lehrerin aber, Fräulein Bonnefois, sorgt redlich dafür, daß ihre Schützlinge auch etwas Rechtes in ihrer Schule lernen. Und sie versäumt es auch nicht, den Kleinen vom lieben Gott und seinen Engeln zu erzählen und ihnen die schönsten Lehren der Tugend und frommer Sitte zu Gemüthe zu führen. Man muß die Geduld, die Hingebung bewundern, mit der sich diese Frau für ihr gutes Werk einsetzt. Die Artistenkinder, in deren freudlose Jugend die edle Lehrerin, einen Funken von Licht und Liebe zu streuen sich bemüht, werden ihrer Wohlthäterin gewiß ein dankbares Andenken bewahren. Oben aber, bei den Engeln, betet gewiß der kleine Pierre, daß der liebe Gott dem herzensguten Fräulein Bonnefois ein recht langes Leben zum Lohne für ihre Mühen schenken möge.
Der Rübengefchmack bei Butter. Längst bekannt ist das Verfahren, die Milch oder den Rahm auf 80° C. zu erwärmen, indem unter flüchtigm Umrührsn jene Stoffe, die der Butter den Rübengeschmack verleihen, entweichen. Das einzig sichere Mittel ist, aber das sogenannte Pasteurisiren des Rahmes oder der Milch, welches genügend lange und mit darauffolgender starker Abkühlung gehandhabt werden muß. Heute sind schon in den meisten größeren Meiereien solche Apparate vorhanden. * ,
Kitt zum Ausfüllen von Astlöchern, Fugen r;nd Spatien in Fensterrahmen. Man nimmt mög lichst feingeschlämmten Ocker (Thon und Eisenoxyd) und glühe denselben kräftig in einem eisernen Tiegel. Rach dem Erkalten wird der Ocker, wenn sich Stücke gebildet haben sollten, Ali einem gleichförmigen Pulver zerrieben. Darauf werden 600 Gramm Kolophonium in einem hinreichend großen erlernen Tiegel geschmolzen, darunter, sobald das Kolophonium flüssig- geworden ist, 500 Gramm dicker Terpentin gerührt. In dre aus beiden Stoffen entstandene klare Flüssigkeit bringt man 1 Kilogramm des geglühten und geriebenen Ockers. Das Gemenge wird im Tiegel warm gehalten und dre schadhaften Stellen werden damit ausgegoffen.
Bei den Komödianienkindern.
(Schluß.)
Um so seltsamer berührte es mich, als ich heute auf meinem Spaziergang durch den Jahrmarkt auf dem Boulevard Richard Lenoir binter der Segelwand einer großen Bude, in welcher man em Panorama vermuthen konnte, lernende Kinderstimmen vernahm. Ja, lernende Kinderstimmen, die unter dem Wink einer Lehrerin irgend em Gedicht oemeinsam recitirten. Eine merkwürdige Schule! Sie ist weit und oroß und bietet Raum für drei Klassenzimmer. Ihre Einrichtung besteht jedoch nur aus einem einzigen langen, an die Erde befestigten Tgch (zwei Bretter auf vier Pfählen!) und zwei langen Bänken. Auf der einen Bank die Knaben, auf der andern die Mädchen. Lauter Artisten- ki'der ganz unter sich und ihresgleichen. Die Pariser Saltimbangues haben'sich längst zu einem Syndikat vereinigt, aber zur Gründung einer eigenen Schule hat es ihre Syndikatskasse noch nicht gebracht. Sollen aV'O diese Kinder gleich Wilden, ohne jede Kenntniß von Lesen und Schreiben, aufwachsen? Oder sollten sie etwa hier und da das Schicksal des kleinen Pierre theilen? Nein, das darf nicht sein, dachte sich eine hochherzige Frau aus dem Volke, eine arme Lehrerin und — sie gründete eine Schule für Artistenkinder. Mademoiselle Bonnefois heißt di-ser Schutzengel der kleinen Saltimbangues; sie hat sich die Kosten für ihre Schule „zusammengebettelt" aus bescheidenen Spenden. Selbstlos und hingebungsvoll für ihr gutes Werk wandert sie mit ihrer „Schule" den Saltimbangues überallhin nach, wo sie ihre Zelte aufschlagen. Sie selbst wohnt in einem — rollenden Waggon, das ist ihre Prwatwohnung. Sie machte heute ein besonders glückliches Gesicht. Die Gemahlin des Präsidenten der Republik, Madame Casimir Perier, hat auf ihr Gesuch um eine Unterstützung für die Schule der Artistenkinder 200 Francs geschickt und ein anderer Wohlthäter hat der Schule — einen eisernen Ofen gespendet , ,
Es ist hier feucht und kalt und meine armen Kleinen litten sehr unter dem bösen Wetter", sagte Fräulein Bonnefois, „und Sie tonnen sich denken, wie sehr uns der Ofen jetzt willkommen ist". Es war rührend anzusehen, mit welcher Zärtlichkeit die Kleinen auf das prächtige Feuer das hell im Ofen loderte, blickten. Die Saltimbangues selbst si-id natürlich über das Werk der guten Dame glücklich und dankerfüllt. Noch nie war eine Lehrerin so verehrt, ja angebetet, wie unter diesen Nomaden der „Kunst". Sie hat es sogar schon zu einer Parallelklasse
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gi-ßen.


