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Etwas Anderes jetzt. . . .
Einem weitgereisten steinreichen Fürsten steht man nicht alle Tage gegenüber. Wenn er nur nicht zu alt und häßlich ist! . . - - Gleichviel — sie will sich so schön wie möglich machen. Das kann ihr nicht schwer fallen — die Herzogin hat Recht.
XIII.
Die großen Empfangsräume des herzoglich Esenfield'fchen Palais erstrahlen in hellstem Glanze. Es ist noch Niemand anwesend. Nur die Herzogin bewegt sich langsam von Zimmer zu Zimmer — wahrscheinlich, um zu inspiciren, ob nichts fehlt, dem illustren Gast zu Ehren.
Sie sieht herrlich aus, die hohe Gestalt, in dem granat- rothen Schleppgewande. Das nachtschwarze Haar und den Ausschnitt der Taille ziert je eine vollerblühte Marechal Niel- Rose. Sie scheint ein wenig erregt. Ihre Finger spielen nervös mit dem an goldener Kette niederhängenden Straußen- seder-Fächer. Ihr Blick fliegt wiederholt zur großen Ein- gangsthür.
Plötzlich huscht ein zufriedenes Lächeln über das ernste, stolze Antlitz. Auf der Schwelle erscheint soeben Lola Medfort.
Die Herzogin geht ihr entgegen.
„Ich fürchtete schon, Sie würden nicht kommen, liebe Baronin," sagt sie freundlich. „Ich hätte es aufrichtig bedauert. Uebrigens sind Sie thatfächlich unwiderstehlich," fährt sie, lächelnd und mit dem Finger drohend, fort. „Heute noch mehr als je. Der Fürst muß besiegt werden, wenn er Sie sieht."
„Warum follte der russische Bär nicht ebenso besiegt werden können, wie der englische Löwe?"
Lola fragt es mit einem selbstbewußten Aufwerfen des schönen Kopfes.
Wieder lächelt die Herzogin.
„Gewiß, warum nicht! Nur wird Ihnen der russische Bär etwas mehr Mühe machen. Uebrigens freue ich mich, daß Sie früh gekommen sind, Baronin. So können wir noch ein wenig plaudern."
Damit nimmt sie Lolas Arm und geht mit ihr in den Wintergarten.
„Sie kennen den Fürsten Orlowsky noch nicht?" fragt sie lebhaft, als Beide sich unter einer dickstämmigen Palme niedergelassen haben.
Lola schüttelt den Kopf.
„Nein; ich weiß überhaupt so gut wie nichts über ihn." Ein verwunderter Blick aus den Augen der Herzogin. / „Wie? Haben Sie nicht die vielen Zeitungsnotizen gelesen ?"
„Ich lese fast nie Zeitungen."
„Ah — so hören Sie! Der Fürst soll reicher sein, als irgend einer unserer englischen Millionäre. Man sagt, er besäße die größten Diamanten der Welt und hielte es nicht einmal der Mühe werth, sich zu bücken, wenn er einmal einen Edelstein verliert. Wenigstens schreiben dies die Zeitungen. Es mag übertrieben sein; aber sicher ist, daß der Fürst ungezählte Millionen von seinem Vater geerbt hat."
„Ohl" ruft Lola interessirt und die Herzogin fährt fort: „Seine Mutter war eine Griechin, daher sein unbedingt grie- chischer Typus, daher auch seine Vorliebe sür den sonnigen Süden, während er seine russische Heimath nicht liebt. Ec kennt fast die ganze Welt. Doch hat er nirgends eine Frau gefunden, die ihm gefiel. Auch England hat ihn bis jetzt enttäuscht-"
„Kein großes Compliment für uns Engländerinnen," wirft Lola lächelnd ein. L £ .
Er wird heute Abend anders denken," fährt die Herzogin zuversichtlich fort. „Die schönsten Frauen Londons wer- den bei mir vereint fein. Eine davon wird sicher seinem Ge- schmack entsprechen. Wissen Sie, liebe Baronin, wir Frauen müssen zusammenhalten gegen diesen barbarischen Russen, der unserem Geschlecht den Fehdehandschuh hingeworfen hat, und —"
„Ich hebe ihn auf!" ruft Lola schnell.
,'@o ist es recht. Ich habe das von der Schönsten unter uns Schönen erwartet," lächelt die Herzogin.
Lolas Antlitz strahlt. Schmeicheleien sind ihr stets angenehm — doppelt angenehm aus dem Munde einer Rivalin, wie die Herzogin von Edenfield.
Nach einer kleinen Pause fährt diese in leichtem Tone fort: „Ich traf den Fürsten gestern Abend bei dem italienischen Botschafter. Ich erzählte ihm von Ihnen und er äußerte den Wunsch, Sie kennen zu lernen. Lord Rawdon höite es und — ich mag mich geirrt haben, — aber mir schien es, als ob es ihm unangenehm war."
Bei den letzten Worten fliegt eine tiefe Röthe über das Antlitz der Herzogin. Lola blickt sie verwundert an. Ist die Herzogin noch immer eifersüchtig? Fast scheint es so. Und auch Lord Rawdon ist eifersüchtig. Das ist ja herrlich. — Welch' reizende Gelegenheit zu einer kleinen, amüsanten Comödie. . . .
„Ich denke," beginnt die Herzogin wieder, „jene kleinen Winke über den Fürsten werden Ihnen willkommen sein. Man fährt entfchieden sicherer mit einem genauen Plan der Route "
„Ganz gewiß. Ich danke Ihnen."
Die edlen Züge der Herzogin erhalten einen Augenblick einen ihr fremden, gezwungenen Ausdruck, als ob sie sich nicht wohl fühle.
Lola merkt nichts davon; sie ist keine scharfe Beobachterin. Außerdem entwickelt sich in ihrem Köpfchen bereit« ein kleiner Feldzugsplan gegen die bis jetzt uneinnehmbare russische Festung.
Einige Minuten später betreten beide Damen den Salon, in welchem die Gäste bereits harren. Die Herzogin begrüßt jeden Einzelnen mit der ihr eigenen vornehmen Ruhe.
„Willkommen, mein Fürst," sagt sie plötzlich in liebenswürdigem Tone. „Erlauben Sie, daß ich Sie sogleich hier der Frau Baronin Medsort vorstelle — Seine Durchlaucht der Fürst Orlowsky."
Lola bückt auf-
Vor ihr steht ein hochgewachsener Mann von geradezu classtscher Schönheit. Eine niedrige, wie aus Marmor ge- meiselte Stirn, auf welche genial einige tiesschwarze Locken fallen, graue, etwas kaltblickende Augen mit feingezeichneten Brauen, eine gerade Nase, ein vollendet schöner Mund und ein sanft hervortretendes Kinn — nichts fehlt an dem wahrhaft griechischen Profil. Kein Bart beeinträchtigt die edle Regelmäßigkeit der Züge. Seine Gestalt ist trotz ihrer auf- fallenden Höhe geschmeidig und ebenmäßig; die Bewegungen sind sehr elegant und von einer gewissen vornehmen Nonchalance. , ,
Da« also ist der vielbesprochene russische Bär! Lola hat ihn sich anders vorgestellt — ein bischen plump, ein bischen abgelebt, vor Allem weniger „königlich".
Sie blickt voller Interesse in das schöne Antlitz, welches auch bei ihrem Anblick seinen gleichgiltigen Ausdruck nicht verliert. Zwar ist es ihr, als ob ein flüchtiger Blitz in seinen Augen aufzuckt; aber sie kann sich täuschen. Schon verschleiern wieder die langen Wimpern den Blick.
Nach einigen couventionellen Worten reicht der Fürst ihr den Arm, um sie zu Tisch zu sühren. Sie betrachtet es als eine besondere Auszeichnung, da ältere und vornehmere Damen anwesend sind. , , . „ , , £ ,
Die Conversation ist lebhaft und anrmirt. Lola hat ein eigenes Geschick, oberflächliche Sachen interessant vorzutragen. Sie geht weder jemals genauer auf einen Gegenstand ein, noch gibt sie sich überhaupt mit ernsteren G sprächen ab. Wenn sie dagegen eine kleine Anecdote erzählt oder irgend ein Bonmot leicht hinwirft, so geschieht dies mit einer Grazie, einem Chic, der den unbedeutendsten Satz aus ihrem Munde anziehend macht. „ ~
Bereits mehrere Male hat Fürst Orlowsky voller Interesse auf die schöne Frau an feiner Seite gebückt. Und wahrlich — selten sah Lola so lieblich au« wie heute. Mit richtigem Jnstinct hatte sie sich gesagt, daß dem Fürsten durch


