AntevhaLtrrngsblatt jum Gi-tzenev Anzeigen (Gensval-ZLnZesgev).
1894,
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Samstsg, den 27« October.
Lola.
Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friesen.
(Fortsetzung.)
Es erscheint Lord Rawdon, als werfe sie hinter ihrem edelsteinbesetzten Fächer einen spöttischen Blick zu ihm herüber, als spreche sie zu ihrer Nachbarin von ihm. Sein Herz steht fast still. Es ist, als ob alles Leben aus ihm wiche. Seine Züge werden geisterblaß, seine Lippen kalt, seine Augen umflort. O, wie hat er sie geliebt. . . . Und jetzt?
„Räche Dich! Räche Dich!"
Der Herzogin entgeht der starre Ausdruck in seinem. Ant- litz nicht, trotzdem er im Schatten sitzt. Sie will den Bann brechen und geht direct auf ihr Ziel los.
„Die Baronin Medfort ist heute besonders elegant," sagt ste in leichtem Conversationston. „Perlen und weiße Hyr- cinthen sind äußerst poetische Attribute. Wer ist diesmal ihr Kavalier? Ich sehe Baron Gerald nicht. Ach so, ich entsinne mich setzt — er ist ja wohl nach seinem Gut gereist."
Arno antwortet nicht. Er hört kaum, was die Herzogin spricht. Seine Augen blicken noch immer starr auf das lächelnde Antlitz mit dem goldig schimmernden Haar und den bestrickenden Grübchen in den runden Wangen. Ist dieses liebliche, holdselige Antlitz dasselbe, das sich vor wenigen Tagen in kaltem Hochmuth, ja, in offenem Widerwillen von ihm gewandt?
Jetzt begegnen sich ihre Blicke. Lola neigt mit hoch- müthtgem Lächeln kaum merklich das Haupt, während Arno sich mit kühler Reserve verbeugt.
„Wer ist in ihrer Loge?" wiederholt die Herzogin. „Ah, der französische Botschafter, dann Lord Goff und dort hinten Fürst Laritzky Ich glaube, ein Paar blaue Augen können den bis an's Ende der Welt locken und die Baronin besitzt wirklich hübsche Veilchenaugen."
Zu ihrer großen Erleichterung geht der Vorhang wieder auf und Arno wird durch die packende Tragik des Stückes aus seiner Starrheit gerissen.
Im Laufe des Abends findet eine eigenthümliche Veränderung mit ihm statt- Die Herzogin, die ihn fortgesetzt ängstlich beobachiet, bemerkt, daß seine Augen wieder Glanz bekommen, daß der ganze Ausdruck seines Gesichtes freier, lebhafter wird.
Als sie eine Unterhaltung über das Stück beginnt, geht er mit auffallendem Interests darauf ein.
„Was halten Sie von der Tragödie?" fragt sie lebhaft.
„Die Heldin ist zwar hochmüthig, eitel, vielleicht sogarWrz- los. Aber verdient sie eine solche Strafe?" M
Arno wendet ihr sein ernstes, augenblicklich fast strenge« Antlitz zti.
„Ja," entgegnet er kalt. „Sie spielte mit bett Gefühlen des Mannes, der sie liebte. Sie verdient kein besssres Loos."
Beider Augen begegnen sich in einem langen, ernsten, forschenden Blick.
„Die Strafe ist dem Vergehen angsmesten," fährt er nach einer kleinen Pause langsam fort. „Sie war hochmüthig; er demüthigt ste. ... Ha! Räche Dich! Räche Dich!"
Die Herzogin zuckt zusammen.
„Warum wiederholen Sie stets diese schrecklichen Worte? Sie erschrecken mich. Wenn ich nur wüßte, worüber Sie grübeln. In Ihren Augen lese ich eine ganze Tragödie."
Er lächelt ein wenig und lehnt sich schweigend in seinen Stuhl zurück.
Die Herzogin vermag es fast nicht mehr, die Blicke von ihm abzuwenden. Es ist, als ob ganz bestimmte, eigenthümliche Gedanken sich in sein Hirn Eingang erzwängen, als ob er sie das eine Mal abschütteln, das andere Mal in sich aufnehmen wolle.
Plötzlich hört die Herzogin seine tiefe Stimme dicht an ihrem Ohr.
„Ich glaube, auf der ganzen Welt hat mich Niemand lieb, außer Ihnen. . . . Fürchten Sie nicht, daß ich Ihnen eine Liebeserklärung mache," fährt er mit einem schwachen Lächeln fort, als er ihr schönes Antlitz jählings erbleichen steht „Antworten Sie mir offen und ehrlich! Habe ich
Recht?"
Fest und ohne jede Ziererei blickt sie ihm in die Augen.
„Ja."
Leise berührt er mit seiner Hand ihre heräbhängende
Linke und drückt ste sanft.
„Ich danke Ihnen. Ich weiß, ich darf Ihnen vertrauen."
Schweigend nickt ste mit dem Kopfe. Ihr Herz ist zu voll; sie kann nicht sprechen.
Das Stück ist aus. Lord Rawdon befestigt den goldfarbenen Abendmantel um die Schultern der Herzogin. Sie zuckt zusammen; seine Hände brennen wie Feuer.
Beim Betreten des Foyers begegnen sie Lola, die, ganz eingehüllt in weiße Spitzen, am Arme des französischen Botschafters daherschwebt. Sie lächelt über ihre Hyaeinthen hinweg auf die sie umgebende Gruppe von Bewunderern. Das Lächeln verstärkt sich, als sie die Herzogin und ihren Begleiter erblickt. Sie meint, es bedürfe nur eines freundlichen


