451 —
„Depeschire Deiner Mutter, bester Ernst, daß wir kam« men," rief vor Glück strahlend Professor Galen. „Ich hole mir nunmehr Carola als meine Frau!" —
Der neue Kut.
Vor ein paar Wochen wollte ich mir einen neuen Sommerreisehut kaufen.
„Hier ist das Allermodernste, gestern von Paris hier eingetroffen, Modell Casimir-Perier!" Mit diesen Worten überreichte mir mein Hutmacher eine wirklich fashionable hellgraue Kopsbekleidung von fast weißem, weichem Filz. Ob der neue Präsident in der That einen solchen Hut trägt oder nicht, vielmehr, wie ich annehme, sich im Glanze eines spiegelblanken schwarzen Cylinders der Menge zeigt, darüber konnte er mir freilich keine bestimmte Auskunft ertheilen. Im Grunde ließ mich die Ungewißheit auch ziemlich gleichgiltig; der Hut gefiel mir und der geforderte Preis von 8 Mark erschien als durchaus angemessen. Leider erwiesen sich aber die allerdings hervorragenden äußeren Dimensionen meines Schädels als zu weitgehend für Modell „Casimir" und wir mußten uns an die Auswahl einer anderen „Nouvauto" begeben.
Inzwischen trat ein frischer Kunde in den Laden, ein Herr, mit dem ich einmal irgendwo und irgendwie bekannt geworden war und demzufolge auf dem „ödesten Grüßfüße stehe. Wir haben keine Gelegenheit gehabt, nähere Bekanntschaft zu machen. Ich weiß nur, daß der Mann eine einträgliche Stelle bekleidet, sehr jovialer Natur ist und mit seiner Familie in guten Verhältnissen lebt.
„Morgen, Herr Filzhuber, möchte meine alte Rechnung bezahlen."
„Bitte sehr, Herr Pumpmayer, das hätte ja gar nicht geeilt; ich werde aber gleich mal nachsehen. So, da haben wir's ja schon: am 17. October vorigen Jahres ein neuer, brauner Filzhut, macht 12 Mark 50 Pfg. Am 30. December für die Neujahrsbesuche Cylinder gebügelt, neues Futter und Band, 2 Mark 50 Pfg. Am 5. Mai Filzhut gereinigt und reparirt, 2 Mark 80 Pfg. Das wäre alles im Ganzen 17 Mark 80 Pfg. Soll ich Ihnen eine Rechnung ausstellen oder haben Sie vielleicht die alte bei sich?"
„Nein, nein, danke, wir kennen uns ja schon so lange."
Und damit warf Herr Pumpmayer ein Zwanzigmarkstück auf den Ladentisch. Nachdem das Geschäft beglichen war, fragte Herr Pumpmayer gerade wie ich nach einem leichten und bequemen Sommer-Reisehut.
„Hier ist das Allermodernste, gestern von Paris eingetroffen, Modell Casimir-Psrier."
Auch dem neuen Kunden gefiel der hellgraue Hut ausnehmend gut und dabei war er glücklicher wie ich, denn sein Schädel zählte 19 Millimeter weniger Umfang wie meiner.
„So, den nehme ich; Kostenpunkt?"
„Zehn Mark."
„Bon, wissen Sie was, Herr Filzhuber, ich fetze ihn gleich auf. Sie können den alten Deckel hier behalten. Lassen Sie ihn aufbügeln und in Stand setzen und schicken ihn mir bis morgen zu, übermorgen reisen wir; Schweiz oder Tyrol, Schwarzwald oder Vogesen, weiß noch nicht genau; 'n guten Morgen."
Ich konnte mich nun doch nicht enthalten, Herrn Filzhuber zu fragen, ob er sich nicht geirrt habe, als er für ganz den nämlichen Hut, den er mir für 8 Mark ablassen wollte, von dem anderen Kunden 10 Mark forderte.
„Ja, sehen Sie, der Herr Pumpmayer kauft wohl schon fünf oder sechs Jahre bei mir, er bezahlt aber nie baar, obgleich er es sehr gut könnte. Heute hat er erst den Hut bezahlt, den ich ihm vor neun Monaten geliefert habe, und den heutigen bezahlt er sicher erst im Frühjahre. Das wäre nun weiter nicht schlimm, wenn ich nur einen solchen Kunden hätte; es machen das aber viele so und gerade die wohlhaben
den Leute. Ich habe derart immer ein für meine Verhältnisse großes Capital draußen stehen, mit dem ich nicht arbeiten kann. Wer soll mich denn nun für den Zmrverlust entschädigen? Außerdem hat man mit den nicht baar bezahlenden Kunden so sehr viel Umstände und verliert Zeit und Arbeit mit ihnen. Denken Sie nur allein an das wiederholte Ausschreiben und Versenden der Rechnungen. Schickt man, selbst einmal in Verlegenheit, einmal einem solchen Kunden die quittirte Rechnung in's Haus, dann bekommt man noch Grobheiten obenein, aber zumeist kein Geld, und verliert die Kundschaft. Und dann ist es eine alte Geschichte, daß bei fast allen auf langen Credit Maaren entnehmenden Kunden schließlich mal eine Rechnung gar nicht mehr bezahlt wird. Der Eine stirbt, der Andere verzieht, noch Einer will sich nach Jahr und Tag gar nicht mehr erinnern oder behauptet, vielleicht in bester Ueberzeugung, er habe bezahlt und so weiter. In solchen Fällen verliert man lieber sein Geld, als daß man wegen des in jedem einzelnen Falle meist geringen Betrages zu klagen anfängt. Um mich nun für die aus dem gebräuchlichen Borg- system erwachsenden Verluste an Capital und Zinsen, für die ganz unnöthige große Arbeit und Schererei und den Aerger schadlos zu halten, habe ich mir zum Grundsatz gemacht, von jedem Kunden, der gewohnheitsmäßig schuldig bleibt, 25 Procent mehr zu fordern. Wenn die Leute nur wüßten, in welche üble Lage sie durch das Schuldigbleiben so sehr häufig den kleinen Geschäftsmann und Handwerker bringen und wie mancher Bankerott ganz unmittelbar darauf zurückzuf-hren ist, sie würden doch vielleicht prompter zahlen."
Mittlerweile hatte ich meine Auswahl getroffen. Das Allerneueste von Berlin,- Modell Graf Caprivi, 5 Mark 50 Pfennig. (Straßb- Post.)
Gsineinnütziges.
Zwei Anweisungen zu Schlehenliqueirr. I. Man sammelt die jetzt reif gewordenen Schlehen, legt sie in ein Gefäß mit Wasser und läßt sie so lange darin liegen, bis sich das Fleisch von den Steinen ablöst. Die Steine säubert man gut, trocknet und zermalmt sie zu grobem Pulver. Auf 500 Gramm zerstoßene Kerne kommen 1500 Gramm Wasser, 1500 Gramm 90procentiger rectifizirter Weingeist, je nach Geschmack 600 bis 800 Gramm gepulverter weißer Zucker, welcher, nachdem das Ganze acht bis vierzehn Tage bei mäßiger Wärme aufeinander eingewirkt hat, zugesetzt wird. Wenn der Zucker sich aufgelöst hat, wird das Ganze filtrirt und auf Flaschen abgezogen. Der Liqueur wird mit dem Alter immer besser. — II. Die reifen Schlehen legt man etwa zehn bis vierzehn Tage in's Wasser, bis das Fleisch mürbe ist. Es ist äußerst mühsam, dasselbe abzulösen; es wird nur durch wiederholtes Waschen und stetes Reiben mit den Händen bewerkstelligt. Die Steine müssen vollständig rein sein. Nun kommt auf ein Stengelglas voll Steine, wozu eine ziemliche Menge von Schlehen gehört, */2 Liter fuselfreier Weingeist. Beides läßt man sechs bis acht Wochen stehen, wodurch das Aroma der Steine vollständig gelöst wird; einer Zerkleinerung der Steine bedarf es in diesem Falle nicht. Ein halbes Pfund geläuterter Zucker wird mit einem halben Liter Wasser der Flüssigkeit beigemengt. Hat sich der Liqueur geklärt, so kann er in Flaschen abgefüllt werden.
* •
Das Nachreifen der Aepfel. Es ist eine allbekannte Thatsache — schreibt das „Oesterr. Landw. Wochenbl." — daß gerade die edelsten Apfelsorten vor ihrer Vollreife gepflückt, also vollkommen nicht ausreifen können. Wenn das Obst vom Baum gepflückt wird, ist es eben in dem sogenannten „baumreifen Zustande" und es erhält erst durch die Nachreife in Kellern oder anderen kühlen Räumen die vollkommene Reife, wo es bekanntermaßen am süßesten, wohlschmeckendsten ist. Bei vielen Apselsorten, besonders bet den spätreifenden, befindet sich in ihrem baumreifen Zustande eine bald größere,


