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1894
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Donnerstag, dm 26. Juli.
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Das Geheimniß der Droschke.
Von F. Hum e.
(Fortsetzung.)
XVII.
Im Verhandlungssaale angekommen, wählte Doctor Mark für Margarethe einen Platz, von welchem aus sie Alles übersehen konnte, ohne selbst jener zudringlichen Beobachtung ausgesetzt zu sein, welche gewöhnlich die Angehörigen jener traurigen Helden, die vor dem Richter stehen, unablässig verfolgt. Der Znhörerraum war trotz der verhältnißmäßig frühen Stunde dicht gefüllt — zumeist von Damen und Herren aus dem Bekanntenkreise des Millionärs.
Endlich wurde der Angeklagte, von zwei Justizwachmännern gefolgt, in den Saal geführt, wo eine Bewegung entstand, der alsbald die tiefste Ruhe folgte. Was mochte in diesem Moment in der Seele Jvanyis vorgehen? Er fühlte Hunderte von Augen auf sich gerichtet, die ihn mehr neugierig, wie ein seltenes Thier, als mit Theilnahme anblickten — ihn, einen Desider Jvany!, den Sproß eines vornehmen Hauses, der sich jetzt auf dem ihm zugewiesenen Platz niederließ. Er war bleich und sah abgespannt aus.
Nun begann die Verhandlung. Der Vorsitzende ließ die Anklageschrift verlesen; sie gab ein klares Bild der Ereignisse, welche die Verhaftung Jvanyis herbeigeführt hatte, enthielt aber keinen wesentlichen Punkt, der nicht schon von den Zeitungen mitgetheilt worden wäre. Trotzdem lauschte man derselben mit athemloser Spannung, die nicht geringer wurde, alsJvanyi sich erhob, um unter lautloser Stille dieMklärung abzugeben, daß er unschuldig sei. Auf die weiteren Fragen verweigerte er jede Antwort.
Wieder ging eine Bewegung durch den Saal, die sich erst legte, als der erste Zeuge, der Fiaker 6301, vorgerufen wurde.
Er machte dieselben Angaben, wie bei seinem ersten Verhör vor dem Poltzeicommissär, und als Doctor Mark die Frage stellte, ob er beschwören könne, daß der Mann, welcher seinen Wagen für Wolski gemiethet und jener, der denselben in der Liechtensteinstraße verlassen, dieselbe Person sei, antwortete er: „Ja."
Vertheidiger: „Erkennen Sie in dem Angeklagten diese Person?"
Zeuge (zögernd): „Das kann ich nicht beschwören. Ich habe damals das Gesicht nicht deutlich gesehen. — Die Größe 'st dieselbe."
Vertheidiger: „Also nur darum, weil der Mann, welcher
später einstieg, ebenso groß und ebenso gekleidet war wie der, welcher Sie gerufen hat — glauben Sie, daß es dieselbe Person war?"
Zeuge: „Ich habe nicht daran gedacht, daß es auch ein Anderer gewesen sein könne; er hat ja auch so gesprochen. Ich habe gesagt: „Ah, Sie sind zurückgekommen?" — „Ja," hat er gemeint, „ich will ihn nach Hause führen," — und ist eingestiegen."
Vertheidiger: „Haben Sie nicht bemerkt, daß bas eine andere Stimme war?"
Zeuge: „Nein. Nur hat er das erste Mal sehr laut, das zweite Mal sehr leise gesprochen."
Vertheidiger: „Haben Sie nicht bei der „Flasche", wo Ihr Standplatz ist, ein Viertel oder zwei getrunken?"
Zeuge: „Kann schon sein."
Vertheidiger: „Vielleicht mehr?"
Zeuge: „Kann schon sein — ich war halt durstig."
Vertheidiger: „So — und Sie waren etwas — da oben" (auf seinen Kopf zeigend).
Zeuge: „Ja. Auf dem Kutschbock." (Heiterkeit.)
Vertheidiger: „Also haben Sie den Mann, der den Wagen nahm, nicht so genau beobachtet?"
Zeuge: „Warum hätt' ich ihn genau beobachten sollen Ich hab' ja nicht vorausgewußt, daß so was geschehen wird."
Vertheidiger: „Es ist Ihnen gar nicht eingefallen, daß der Zweite ein Anderer als der Erste sein könnte?"
Zeuge: „Nein." ■
Damit endete die Vernehmung. Mark war sehr unzufrieden. Eines schien ihm festgestellt, daß Jemand absichtlich Jvanyis Art nachgemacht und mit leiser Stimme gesprochen habe, um nicht erkannt zu werden. Der zweite Fiaker, als nächster Zeuge vorgerufen, sagte gleichfalls seinem ersten Verhör entsprechend aus, doch gelang es dem Vertheidiger, einen für den Angeklagten günstigen Umstand von ihm zu erfragen.
Vertheidiger: „Ist der Angeklagte derselbe, den Sie in die Heugasse führten?"
Zeuge (mit Ueberzeugungl: „Ja."
Vertheidiger: „Woher wissen Sie das? Haben Sie sein Gesicht gesehen?"
Zeuge: „Nein, der Hut ist ihm bis über die Augen gegangen und ich habe nur den Schnurrbart und das Kinn gesehen, aber er hat im Ganzen so ausgesehen wie der Angeklagte und der Schnurrbart war gerade so."
Vertheidiger: „Wo — in der Liechtensteinstraße ist er eingestiegen und was hat er gethan?"
Zeuge: „Gleich beim Versorgungshaus; er ist schnell gegen die Stadt zugegangen und hat eine Cigarette geraucht."


