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Flucht Begebeti, um zum dritten Male in die Irre zu gerathen. Eine Woche nach ihrer Flucht traf sie in Dauernheim ein, einem Dörflein, das etwa eine Stunde weit von Bingenheim entfernt liegt. Das beklagenswerthe Weib hatte also fast einen vollständigen Kreis durchwandert, um nach den mühseligsten Märschen ihren Peinigern selbst wieder in die Hände zu laufen. Peter Dörrbusch erkannte sie und veranlaßte einige Dauernheimer Leute, die Entflohene nach Bingenheim transportiren zu helfen. Er lud in ihrer Gegenwart die Muskete und schritt stolz hinter dem Zuge her, indem er sagte: „Wenn Du einen Fluchtversuch machst, alte Wetterhexe, schieße ich Dich nieder."
Zum Tode erschöpft langte die Wittwe in Bingenheim an und wurde sogleich vor den Schultheißen geführt. Er ließ ihr kärgliche Nahrung reichen und sie in's Gefängniß sperren. Diesmal wurden zwei Wächter in's Rathhaus gelegt, welche regelmäßig mit anderen abwechseln mußten, damit kein Fluchtversuch mehr vorkäme.
„Einen Reichsthaler Fanggeld habe ich zu bekommen," erklärte Forsthüter Dörrbusch dem Schultheißen, nachdem die alte Frau eingethürmt war.
„Kannst Du nicht warten, bis es Dir später überwiesen wird, nimmersatter Ällmein I" schnauzte ihn der Schultheiß an.
„Hab' ich, ist besier, als hätt' ich, Herr Schultheiß; die Späß kenn' ich schon lange."
„Halte Deinen unverschämten Schnabel, Forsthüter, sonst werde ich ihn Dir stopfen. Zuerst muß nachgewiesen werden, daß Du die Delinquentin auch wirklich gefangen hast. Mir scheint, das ist nicht wahr, denn die Beilstein hat sich den Dauernheimer Nachbarn selbst gestellt."
„Damit laffe ich mich nicht abspeisen, Herr Schultheiß, ich sehe schon, wohinaus das Ding zielen soll. Aber ich muß den Thaler Fanggeld haben und wenn der Teufel auf Stelzen geht-"
„Am Morgen, als die Beilstein ausgerisien war, sagte ich Dir: Du solltest eine Streife durch die Wälder unternehmen, hast es aber nicht gethan, warum?"
„Ich habe ein offenes Bein und fühlte damals große Schmerzen," antwortete Dörrbusch kleinlaut-
„So, mein Männchen, nun lügst Du Dich auf Dein Bein hinaus; ich kenne das besser. Du bist ein feiger Bursche, hast zu Deinem Weibe gesagt: die mögen sich ihre Hexe selber fangen, ich will mich nicht dadurch in Ungelegenheiten rennen und mir von der Haupthexe vielleicht auch das andere Bein verhexen lassen. Dein Weib ist schwatz- und klatschhaft, noch an demselben Tage erfuhr ich, was Ihr Beide ausgeheckt habt. Ist das richtig, he?"
„Das Weib ist eine Schlechtschwätzerin, da habt Ihr recht, Herr Schultheiß. Aber den Thaler muß ich haben. Ich habe die Hexe wieder gebracht und erhebe Anspruch auf das Fanggeld."
„Wenn ich Dich so in Deiner Geldgier vor mir sehe, bedauere ich, daß der Postschreiber Quassel und Dein College Stoffe! Langerhans nicht mehr da sind, Ihr Drei gehört zusammen in eine besondere Anstalt und Vorrichtung."
„Jetzt seid Ihr wieder guter Laune, Herr Schultheiß, hoffe darum, den Thaler zu erlangen. Könntet mir inzwischen noch sagen, wohin wir drei Genossen absonderlich hinpassen."
Bei diesen Worten griff Schöffer nach seinem Rohrstocke. Dörrbusch verschwand eiligst durch die Thüre. Wochenlang schimpfte er darüber, daß ihm das Fanggeld nicht ausgezahlt würde; den Thaler hat er niemals erhalten. Nicht lange darnach kam Dörrbusch in einem Brunnen um's Leben.
Nachdem sich die alte Beilstein zwei Tage lang etwas erholt hatte, begann das Verhör mit ihr. Das Häuschen in der Beundegafle war unter Siegel gelegt und eine Schildwache davor gestellt worden.
„Ich frage Dich, Anna, Johannes Beilsteins Wittib zu Bingenheim," begann Caspari, „ob Du eine Hexe bist?"
„Ja!" antwortete die alte Frau fest und ruhig. (Elftes Bekenntniß.)
Der Commissarius fuhr ob dieser runden, kurzen Antwort in die Höhe; mehr als fünfzig Verhöre in Hexereisachen hatte er bis jetzt abgehalten, alle sogenannten Hexen hatten in der hartnäckigsten Weise geleugnet und nun stieß er auf einen solch sonderbaren Fall.
„Seit vielen Jahren und Jahrzehnten bist Du eine Hexe!"
„Ja!" war die Antwort. (Zweites Bekenntniß.)
„Du bist von der alten Kessel Margareth in's Teufels Nahmen getauft worden?"
„Ja!" (Drittes Bekenntniß.)
„Diese Kessel Margreth führte Dich auf einen Mist und ließ Dich beten:
Ich stehe hier auf diesem Mist
Und verleugene den Herrn Jesum Christ!"
Die Delinquentin zögerte mit der Antwort. Caspari herrschte sie an: „Willst Du leugnen oder soll ich zur peinlichen Frage schreiten?"
„Das ist nicht nöthig, Herr Richter. Legt mir lieber tausend andere Fragen vor. Verlanget, ich solle aussagen: ich hätte meine Eltern, meinen Mann, meine Tochter ermordet. Das genügt gewiß, damit ich hingethan werde. Nur ersparet mir dieses Bekenntniß; es ist so schauerlich, daß ich es nicht aussprechen kann."
„Wir werden später darauf zurückkommen; Deine weiteren Bekenntnisse müssen wir hören. Nachdem Du den Heiland abgeschworen, kam der Teufel, nahm Dich bei der Hand und ließ Dich noch einmal durch einen Hexenmeister taufen."
Die alte Frau lachte laut auf. Caspari wurde wüthend.
„Verruchte Wetterhexe, was lachst Du, ich will es wissen!" schrie der Richter.
«Ihr sprecht hier so entsetzliches Zeug, daß kein vernünftiger Mensch daran glauben kann- Da Ihr aber wünscht, daß ich Ja sage, so sage ich es hiermit." (Viertes Bekenntniß.)
„Du bist nach der zweiten teuflischen Taufe mit dem teuflischen Nahmen „Straupfert" belegt worden."
Die Alte lachte von Neuem. „Herr Richter," rief sie, „spielet keine weitere Comödie mit mir. Das ist ja ganz verrücktes Zeng, was Ihr da sprechet. Ich habe das Wort niemals in meinem Leben vernommen, da Ihr es aber wünschet, so sage ich Ja." (Fünftes Bekenntniß.)
Caspari stutzte von Neuem. „Willst Du leugnen," schrie er, „daß der Teufel, welcher Dich taufte, die Worte sprach: Ich taufe Dich mit dem Teufel und seinem ganzen Anhang?"
„Nein, Herr Richter, das leugne ich nicht, weil Ihr es so haben wollt- (Sechstes Bekenntniß.) Ich sage aber auch: Ihr seid ein Narr, daß Ihr Euch so hirnverbranntes Zeug aufbinden lasset."
Bei diesen Worten verließ den Richter die Ruhe; er schrie: „Peitscht das Weib bis auf's Blut, es hat das Gericht beleidigt."
Der Henker band die Unglückliche und hieb mit einer ledernen Peitsche so unbarmherzig darauf los, daß das Blut floß- (Fortsetzung folgt.)
Der Bienen-Vetter.
Eine Heide-Novelle von C. Crome-Schwiening.
(Schluß.)
In ein paar Sprüngen stand sie, die ihr nachrufende Trude nicht einmal hörend, neben dem Knechte und riß ihm die Zügel aus der Hand. „Zu ihm!" Dieser eine Gedanke beherrschte sie, leitete sie. Mit einem weiteren Sprunge stand sie auf dem Wagen, sausend fiel die Peitsche auf den wohl- genährten Wallach, der aufwiehernd zu raschem Trabe ansetzte. „Zu ihm!" Nichts sah, nichts hörte sie. Fort sauste der Wagen, wieder und wieder traf die Peitsche das Pferd, es zu immer rasenderem Laufe anspornend. Gleich hinter dem Herrenhause führte ein schmaler Fahrweg in die Haide hinein. Auf ihm, der geübte Lenker erforderte, erreichte man Horst- felden um eine Viertelstunde früher. Ohne sich zu besinnen, lenkte Marie hinein, da« Pferd raste, der Wagen schleuderte


