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das Veihältniß bei den Briefen beider. Nachlaß im wesentlichen nur Briefe von bot und Conccp.'e von Briefen Schillers enthielt, braucht man für die letzten

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Gelegentlich hört man den Vorwurf, daß die Literar­historiker Schiller über Goethe vernachlässigren. Doch ist dieser Vorwurf nur halb begründet. Es mag Kurzsichtige geben, die in einseitiger Ueberschätzuug Goethes das Verdienst Schillers nicht völlig erkennen. Doch zeigt ein Blick auf unsere wissen­schaftlichen Zeitschriften und auf die zu Schul- und Gelehrten- zwccken veranstalteten Klassikerausgaben, daß Schiller durch­aus die gebührende Ehre erhält. Nur darf nian nicht ver­gessen, daß bei ihm das Material fast erschöpft ist, so daß es sich im wesentlichen um eine Bearbeitung handeln kann, bei Goethe dagegen das Neue massenhaft zuströmt. Schillers schrift­liche Hinterlassenschaft ist infolge seines kurzen Lebens und seiner oft gestörten Gesundheit eine verhältnißmäßig kleine, diejenige Goethes hingegen, gemäß seinem langen Leben, seiner fast ungestörten Gesundheit und den großen Hilfskräften, über die er gebot, eine enorme. Zudem stand Schillers Nach­laß lange vor seiner Ueberantwortung an das Goethe-Schiller- Archiv in Weimar schon seit 1867, seit dem Beginn der durch die Cotta'sche Buchhandlung veranstalteten großen histo­risch-kritischen Ausgabe seiner Werke jedem Forscher offen, Goethes Nachlaß dagegen ist erst seit der hochherzigen Schen­kung des letzten Goethe an die Großherzogin von Sachsen, der Forschung erschlossen. Während jene historisch - kritische Ausgabe außer dem eigentlich dramatischen Nachlaß, d. h. eben unvollendeten Fragmenten, nicht viel Ungedrucktes bot, ersteht aus Goethes Nachlaß auch außer dem wirklich Unge­druckten, theils dem nicht Fertiggewordenen, theils dem absicht­lich Ausgeschlossenen, für die längst bekannten Werke Goethes eine ungeahnte Fülle abweichender Lesarten, früherer Bear­beitungen, verworfener Fassungen. Ganz anders als bei Schiller

man in Goethes Arbeitsstätte blicken und ein poetisches wissenschaftliches Werk gleichsam emstehen sehen.

Aehnlich, ja vielleicht noch ungünstiger für Schiller ist

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hat vor acht Tagen zwei Schweine geschlachtet, er hat Nieman­dem eine Wurstsuppe ober Wursiprobe gesandt, ober irgend eine Person eingeladen. Es ist uns nicht um das Bischen Essen zu thun, aber das filzigte, schädigte Benehmen verdient gerügt zu werden."

Alle stimmten bei und die Gesellschaft wählte den Kamin- fegermeister Eckert, den Büchsenmacher Breitenbach und den Bauer Burkhard als Commission für die dem Postschreiber zu verabfolgende Rüge. In welcher Weise diese aurgeführt wer­den sollte, wußte man noch nicht.

Es mochten zehn Tage oder mehr vergangen sein. Die Schinken und Würste Quassels hingen im Rauchfange, der Post­schreiber hielt sich aber von beiden Gesellschaften imDarm­städter Hofe" und im Brauhause bei Oberländer um deswillen fern, weil ihm gesteckt worden war, die Männer wollten ihm wegen seines schäbigen Verhaltens einen Streich spielen. Nach­dem noch mehrere Tage verstrichen waren, ohne daß etwas erfolgte, hielt er es nicht länger zwischen seinen vier Wänden aus, wo es ihm entsetzlich langweilig dünkte. Er hatte das B.-dürfniß, wieder einmal unter Menschen zu kommen und irgend eine Aufschneiderei zu verüben, sonst wäre er krank ge­worden. Also ging er in's Brauhaus, allwo an diesem Abende die Gesellschaft zusammenkam.

Ei, Herr Postcommissarius I" sprach Hofkutscher Wetz, als Quafsel eidrat,ist das ein seltener Besuch, haben Euch seit drei Wochen nicht mehr bei uns verspüret. Wo hat's gefehlt?"

Gebt acht, jetzt lügt er uns etwas vor!" sprach Einer halblaut.

Seht doch einmal nach, Oberländerin!" rief Breitenbach, ob der Gickel gelegt hat; ein so seltenes Ereigniß, wie der Besuch des Herrn Postmeisters, muß durch etwas ganz Sel­tenes geehrt werden."

Lasset doch den Herrn Postcommissarius zu Worte kom­men!" befahl eine andere Stimme. (Fortsetzung folgt.)

Goethes Leben kaum die Originale seiner Briese zu kennen, um doch ziemlich vollständig die ganze Briefmasse zusammen zu haben. Denn bei der förmlichen Kanzlei, die Goethe unter­hielt, bei der peinlichen Ordnung, die er sein ganzes Leben hindurch verfolgte, fauden sich außer den zahlreichen, nach Jahrgängen geordneten Bänden der eingegangenen Briefe auch die Coneepte der Briefe vor, die er aus Weimar ergehen ließ. Der Herausgeber von Goeihes Briefen in der großen Wei­marer Ausgabe, E. von der Hellen, war daher in der glück­lichen Lage, aus dem Weimarer Archiv, an dessen Wahrung und Ordnung er theilnimmt, eine sehr erhebliche Zahl von ungedruckten Briefen, theils aus den Concepten, theils aus deu Originalen mitzutheilen, eine Zahl, die in Dem neuen Bande dieser Briefe etwa ein Fünftel aller Briefe ausmacht. Viel ungünstiger gestaltete sich die Sache für den Herausgeber der Briefe Schillers. Der Gelehrte, der das Werk einer kritischen Gesammtausgabe unternahm und vortrefflich löste, Fritz Jonas*), konnte nicht ein einzelnes Archiv als vornehmste Quelle beuützen, sondern mußte, um die Originale vergleichen zu können, zahlreiche Sammlungen durchmustern, bei Anti­quaren die zufällig vorhandenen Briefe durchsehen und hatte sein Augenmerk weit mehr darauf zu richten, die bekannten Briefe in kritisch gereinigtem Text wiederzugeben, stimmt!iche, an vielen Orten zerstreute Briefe zusaminenzubringen, als daraus, die Zahl der Briefe zu vermehren.

Daher waren unter den 476 Numm.'rn der ersten Bände nur vier ungedruckte Brief?. Im dritten Bande, der bis Ende August 1794 führt und mit Nummer -732 abschließt, hat sich die Zahl der ungedriickten auf 31 erhöht. Gerade von diesen ungedruckten Briefen soll hier in Kürze gehandelt werden. Die größte Zahl dieser Briefe ist an den Leipziger Buchhänd­ler Göschen gerichtet. Er, der in der Geschichte unserer klassischen Literatur eine rühmliche Rolle spielt, der die Pracht­ausgabe Wielands, die erste rechtmäßige Edition von Goethes Schriften und viele einzelne Arbeiten Schillers verlegte, ver­öffentlichte damals anßer SchillersThalia" besonders den historischenDamenkalender", für den Schiller arbeitete. Es war die für Schillers spätere dichterische Thätigkeit so ein­flußreicheGeschichte des dreißigjährigen Kriegs", mit der er beschäftigt war. In einem sehr merkwürdigen Briefe verther- digte er die Ausführlichkeit seiner Arbeit nicht etwa für die Gelehrten, sondern gerade für das weibliche Geschlecht-denn was würden sich untere Damen bei den WortenDeutsche Freiheit, Religionsfriede, Restitutivusedikt" denken, wenn mau sie nicht vorher in die Verfassung des deutschen Reichs hinein- geführt hätte." Dieser Ausführlichkeit rühmte er sich und der großen Lwbc, die er auf die Arbeit verwendet.Jeder schöne Geist, dem Sie diese Arbeit des dreißigjährigen Kriegs aufgetragen hätten, wäre diesem statistischen Theil der Ge­schichte aus dem Wege gegangen und hätte die frühere Reichs­geschichte von Karl V. bis Ferdinand ganz obenhin behandelt. Ein Jurist hätte ihn hiugegeu als ein Skelet dargestellt. Wenn ich ein Verdienst um diese Geschichte habe, so ist es dieses, daß ich mich bei dieser Einleitung aufgehalten und das Allertrockenste wenigstens menschlich auSeinandergesetzt habe." Sehr bemerkenswerth war aber bei dieser Schiller'schen Arbeit noch etwas anderes. Das Buch wurde natürlich unter Aufsicht der Zensur gedruckt. Schiller hätte gewünscht, eine solche und ganz besonders die sächsische zu umgehen, weilder

*) Schillers Briefe. Kritische Gesammtausgabe. Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Fritz Jonas. Deutsche Verlags- Anstalt. Stuttgart, Leipzig, Berlin, Wien. 189293. Bisher sind drei Bände erschienen (Preis pro Band geheftet M. 3, ; gebunden in Halbfranz M. 4,80).

Während Schillers anderen an Schiller eigentlich gar nicht dreißig Jahre von

Ungedruckte Briefe Schillers

Von Ludwig Geiger.