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auchsnichts zu vergebens erklärte Homberg mit einem seit- ! samen Lächeln. „Der Schmerz saß zwar lange und tief in meinem Herzen, aber ich habe ibn schließlich doch überwunden. | Hilda von Hausen wäre mir wohl auch nicht untreu geworden, sondern sie wurde einfach von anderen Umständen, welche zur Zeit, als wir uns kennen lernten, noch gar nicht vorhanden waren, zu einem Schritte veranlaßt, den sie für ihr Glück hielt. Mag dieser Schritt ihr Glück gewesen sein!"
„Er war es nicht, lieber Onkel," entgegnete Matthey lebhaft, „denn die Baronin ist, wie sie selbst sagt, mit ihrem verstorbenen Gatten Baron Sassen nicht glücklich gewesen, denn derselbe wußte seine Passionen nicht im Geringsten zu beherrschen." |
„Ich kann es mir denken," bemerkte der Commerzienrath. | „Du kannst die Baronin auf alle Fälle von mir grüßen und ihr sagen, daß ich ihr nicht zürne, falls Du sie wieder sehen solltest."
Herzlich verabschiedete sich der junge Maler von dem Onkel, und schritt in gehobener Stimmung seiner Wohnung zu. Noch einmal schien ihm eine schöne Hoffnung zu winken, und seine Rettung vom schändlichen Untergange möglich zu sein. Die Gunst des edeln Homberg hatte sich noch nicht von ihm abgewanvt und Matthey konnte auch den letzten der gefälschten Wechsel decken und unschädlich machen. Zudem - hatte er die Freundschaft einer edlen Dame gewonnen, die ij sein Herz mit hohen Idealen erfüllen und ihn aus dem Banne finsterer Leidenschaften befreien helfen sollte.
Freudig wie roch nie betrat Matthey sein Atelier, und nach Einnahme eines kleinen Frühstückes begann er sogleich seine Arbeit, die Vollendung des Portraits der kleinen Ba- roneß Erna von Sassen.
Noch keine Stunde hatte Matthey bei dieser Arbeit ver« weilt, da kam auch die Baronin von Sassen und deren Töchterchen selbst zu dem verabredeten Besuche.
Nach freundlicher Begrüßung sagte die Baronin mit leuchtenden Augen: „Ich bin wirklich ganz erstaunt, Herr Matthey, Sie schon bet der Arbeit und heute so fröhlich zu sehen!"
„Ich habe auch allen Grund dazu, fröhlich und arbeitslustig zu sein," erwiderte der Maler und schob der Baronin einen Stuhl zu, ..denn heute Morgen ist eine Centnerlast von Sorge und Oual von meinem Herzen genommen. Commerzienrath Homberg, mein, guter Onkel, ist nach schwerer Nacht fieberfrei und auf dem Wege der Besserung, und der edle Mann, dessen Güte ich mißbrauchte, hat sich wieder mit mir ausgesöhnt. Dazu Ihre hochherzige Freundschaft gerechnet, g> ädrge Frau! Soll ich mich da nicht freuen und ein neues Leben anfangen!"
„Sehr brav, Herr Matthey, sehr brav," entgegnete die Dame, „ich freue mich außerordentlich über die große Veränderung in Ihrer Gemüthsstlmmung, und ebenso sehr bin ich auch darüber erfreut, daß Ihr Herr Onkel auf dem Wege der Besserung ist und von den schrecklichsten Folgen des mörderischen Ueberfalle« verschont bleibt."
„Ja, Gott ser Dank, scheint mein Onkel gerettet zu sein!" rief Matthey und in seinem Herzen stritten sich die Gefühle der Freude und der Schuld. „Ich betrachte überhaupt das ganze Unglück als eine wunderbare Fügung des allmächtigen und aüweifen Gottes, um die geprüften Meirichen zu einem höheren und reineren Glück zu geleiten. Mich hat das Unglück wenigstens oufgerüttelt aus einem Leben der Thor- heit und des Leichtsinnes, und ich habe auch an meinem Orkel, der unschuldig so viel leiden muß und doch kein Wort der Klage über sein Geschick über feine Lippen kommen ließ, sondern geneigt ist, ebenfalls in dem Unglück eine Führung zum Bessern zu erbl cken, die wahren Güter des Lebens schätzen gelernt. Sie heißen Pflichtgefühl, Gottvertrauen und ein die Erbärmlichkeit dieser Welt verachtender Idealismus. Ich bitte Gott um weiter nichts, als um die Kraft, die Wege hinfort zu gehen, welche ich für gut erkannt habe."
Mit wachsendem Staunen blickte |bie Baionin-.'auf den jungen Maler, der ihr heute so ganz anders svorkam. Matthey | beachtete diese Verwundung der Dame indessen weiter gar nicht, sondern wandte seine Aufmerksamkeit dem Antlitz der jugendlichen Baroneß zu, deren Portrait er zu vollenden hatte. Mit scharfen Blicken verglich er das noch unfertige Bild mit den lieblichen Zügen des Kindes, und dann fuhr er ernst und schweigend mit seiner Arbeit fort. Erst als die Geduld der auf einem Stuhl vor dem Maler sitzenden Erna erschöpft zu sein schien, machte er eine Pause.
„Ich bin heute ein gutes Stück mit meiner Arbeit vorwärts gekommen," sagte er dann lächelnd, und ich glaube, gnädige Frau, daß das Bild schon morgen serttg werden wird."
„Schon morgen?" frug die Baronin ungläubig.
„Sagen Sie lieber „erst morgen" und nicht „schon morgen", entgegnete Matthey, „denn das Bild hätte ja schon längst fertig sein müssen, wenn ich früher so fleißig daran gearbeitet hätte als heute. Uni) morgen werde ich so zeitig mit der Arbeit beginnen, daß ich Ihnen, wenn Sie gegen elf Uhr kommen, wahrlich schon das fertige Bild überreichen kann."
„Morgen werde ich zu meinem Bedauern aber wahrscheinlich nicht das Vergnügen haben können, Sie zu besuchen," bemerkte die Baronin. „Ich bin heute zu einer Soiree bei Frau Geheimrath Springer geladen, und ich fürchte, daß ich wider meinen Willen länger dort verweilen muß, als e« sonst meine Gewohnheit ist."
»Ja, ja, ich verstehe vollkommen, gnädige Frau. An die Soiree wird sich vermuthlrch ein Ball anschließen, und der kann bis tief in die Nacht hinein dauern."
„Der Ball hat keinen Reiz für mich," entgegnete die Baronin und aus ihren schönen Augen blitzte es fast unwillig nach dem Maler hinüber. „Ich werde heute Abend nicht tanzen, aber einer lieben Freundin, die weder Vater noch Mutter hat, und von Fieiern umschwärmt wird, will ich beistehen, daß sie nicht den Unrechten wählt."
„Wie edel von Ihnen, gnädige Frau!" rief Matthey in einiger Verlegenheit. „Wie konnte ich nur auf den trivialen Gedanken kommen, daß ein Ball noch großen Reiz für Sie haben könnte. Verzeihen Sie mir gütigst."
„Sehr gern," erwiderte sie lächelnd und ernster fuhr sie fort: „Aber dreierlei müssen Sie mir verspreche», Herr Matth y, wenn ich Ihnen ganz verzeihen soll?"
„Gewiß, gewiß, gnädige Frau,"
„Nun erstens müssen Sie sich geloben, von einer Dame nie kleinlich zu denken, Denn dies ist ein großer Fehler vieler, vieler Herren, zweitens müssen Sie mir versprechen, den guten Vorsatz, das Bild Ernas bis morgen Mittag zu vollenden, auch wirklich auszuführen, und drittens bitte ich darum, daß Sie mir morgen durch eine kurze briefliche Mittheilung wissen lassen, wie es Ihrem Herr Onkel geht."
Fast unwillkürlich war der schönen Wittwe bei den letzten Worten eine Blutwelle ins Antlitz gestiegen, und sie stand einige Augenblicke verlegen da, denn sie fühlte, daß sie ein Geheimniß ihres Herzens wahrscheinlich verrathen hatte.
„Ich gebe Ihnen mein Wort, alle drei Wünsche zu erfüllen," antwortete aber Matthey, dem die Sklenbewegung der Baronin fast ganz entgangen war, mit einer tiefen Verbeugung. „Gern weide ich Ihnen auch über das Befinoen meines Onkels berichten, der Sie übrigens, gnädige Frau, grüßen und durch mich wissen läßt, daß er Ihnen nichts zu verzeihen hat, da er Ihnen niemals gezürnt hat."
„Für diese Mittheilung bin ich Ihnen außerordentlich dankbar," entgegnete die Baronin erröiyend, „denn ich habe es immer als eine Schuld empfunden, einst den Herrn Commerzienrath schwer beleidigt zu haben. Ich brauche Ihnen wohl kein Geständniß zu machen, Ihr Onkel wird Ihnen wohl einige aufklärende Worte gesagt haben." (Schluß folgt) J
Rcdactwn: A. Sch«,da. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


