Ausgabe 
25.8.1894
 
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Gemeinnütziges.

Der» Gurkenbeeten wende man in diesem Monat > besondere Aufmerksamkeit zu. Man lege die Ranken in ge­rader Richtung über das Beet, so daß sie nicht durcheinaader wachsen. Auch suche man dieselben durch Reiser zu heben, oder lege sie über kleine Reisigbündel, welche man zu beiden Seiten der Gurkenreihe mit kleinen Pfählen auf der Erde be- festigt hat. Eine sehr praktische Vorrichtung ist mit Weiden und Haselruthen zu treffen. Man steckt die Ruthen an beiden Seiten des Beetes so in die Erde, daß sich Bogen von 1,22 cm. bilden, die einige Male mit Querruthen durchbunden werden; über diese Bogen leitet man die Ranken.

Das Abschneiden der Rosen. Es herrscht viel- fach die Ansicht, man schone seine Rosenstöcke, wenn man die Blumen verblühen laffe. Das ist jedoch irrig, denn gerade in der Zeit des Blühens entzieht die Blume ihrem Stocke die meiste Nahrung. Es ist daher zu rathen, die Rose zu schneiden, sobald sie ihre schönste Form zeigt. Eine abgeschnittene Rosen- blume hält sich, wenn sie ordentlich gepflegt wird, stets länger, als wenn sie am Stocke belassen wäre; letzterer aber entwickelt, wenn die Blumen abgeschnitten werden, wieder neue Knospen.

Um die Fliegen, Mücken re. von den Ohren der Pferde abzuhalten, bestreicht man die Spitzen mit etwas Leber- thran. Das Ungeziefer kehrt sofort um.

Schöner stahlgrauer Anstrich auf Metall. Einen solchen erzielt man, durch Anwendung einer Mischung, die man folgendermaßen bereitet. Man verreibt 25 Centi- gramm Lampenschwarz mit 3 bis 4 Tropfen Goldgrundöl in einer flachen Schale zu einer gleichartigen zusammenhängenden Masse und verdünnt diese wiederum recht sorgfältig mit 24 Tropfen Terpentinöl Diese Mischung, welche besonders für optische Instrumente vorzüglich sein soll, trägt man mit einem feinen Pinsel recht gleichmäßig und dünn auf die betreffenden Gegenstände auf und läßt dieselben ordentlich trocknen.

Mattfirnitz für unechte Goldleisten. Vi kg blonder Schellack wird in 2V< 1 absolutem Alkohol aufgelöst und */< kg Kreide zugesetzt, was durch sorgfältiges Abretben in einer Reibeschale geschehen muß. Die zu mattierende Leiste muß zuvor zwei- bis dreimal mit Goldfirniß überzogen sein.

Vermischtes.

Ein Kompliment.Fräulein, Sie scheinen mich für einen Dummkopf zu halten?"Ach nein, ich beurtheile Niemand nach seinem Aeußern!"--

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Sehr richtig. Lehrer:Die Schlacht bei Sedan war also am 2. September. Kannst Du mir noch sagen, was un­mittelbar voranging?" Schüler:Der 1. September!"

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Treffend. A.:Da drüben bei Kommercienraths wird fortwährend gesungen." B.:Ja, die reine Privatheul­anstalt!" --

Die Flotten. Sohn (Gigerl):Trotz deiner Vor­würfe setze ich eine Ehre darein, von der Welt zu den Flotten gezählt zu werden." Vater:Du meinst wohl, das Schiff der Wüste." » *

Im Aerger. Gast (zum Kellner):Einen Schweins­kopf hab' ich verlangt und jetzt bringt mir der Schafskopf einen Kalbskopf!"

Cahnthalfagen.

Von Ludwig Eichler.

Der Untergang von Niederftaffel.

Dort, wo der Elb-Bach aus des Berges Enge Behaglich seine Wellen treibt ins Blachgefild Und reichen Segen spendend grüne Fluren tränkt; Wo er uns lispelt von des Winters Strenge Des Westerwaldes und von seinen Triften mild Und sanft gemächlich feinen Weg zur Lahn hinlenkt:

Dem Wandrer westwärts nah' die bunten Dächer

Von Staffel hell entgegenblinken voll Anmuth, Und in den Straßen ihn manch gastlich Haus einläd; Freundlich kredenzet des Gambrinus Becher Der Wirth nach kurzem Willkommgruß, und wohlgemuth Erzählt er dann von Lust und Leid aus Früh und Spät.

Vor jenem dreißigjähr'gen, blut'gen Kriege, Der tiefe Wunden schlug dem thenren Vaterland Und über Schutt und Leichen durch die Gaue drang, Dorf Staffel schwesterlich dieselbe Wiege Mit einem Orte (Niederstaffel) eng verband In holder Eintracht nachbarlich viel' Jahre lang.

Als so der Feind einst dieses Thal durchtobte, Kam aus dem Kampfgewühl in heißer Mittagsgluth Zum nahen Dorfe Elz ein feindlicher Soldat;

Sein Rößlein an der Hand, das hungrig schnobte, Hinkte ermattet er, ganz überströmt vom Blut, Sich fieberdurstig einen kühlen Trunk ausbat.

Doch kalten Herzens, ohn' jeglich Erbarmen, Man rauh und hart dem Lechzenden die Thüre wies Und spottete noch seiner, der im Schmerz sich wandt; Bis vor das Dorf verfolgte man den Armen, Wo fast erschöpft am Pfade er sich niederließ Und zitternd Wegebreit um seine Wunde band.

Sein treues Rößlein leckt' ihm Hand und Wange, Als es ein wenig sich am saft'gen Grün gelabt, Das ihm der harte Rain des Weges freundlich bot; Ermunternd nun es wieherte zum Weitergange, Zu suchen frischen Quell, der Roß und Reiter labt, Denn beiden sonst ein nahes Ende droht.

Bevor sie aber diesen Ort verließen, Der einem Schmachtenden den Labetrunk versagt,' Ein Schwur sich eisigkalt des Kriegers Brust entrang: Dein hMlos Thun sollst du mir schrecklich büßen; Wenn diese Wunde hier nicht mehr am Leben nagt Und ich dann wiederkehre, ist's dein Untergang!"

Zehn rauhe Kriegesjahre seitdem lagen In trauriger Vergangenheiten dunklem Schoß. Den heiß ersehnten Frieden kündete kein Stern; Da gab es eines Tags ein wildes Jagen, Dorf Niederstaffel drohete ein hartes Loos, Ein Haufe wüth'ger Feinde nahete von fern.

Jetzt keine Schonung! Kein Pardon mehr geben Dem Ort, wo Mitleid und Erbarmen man nicht kennt!" So ruft vorauf der Kommandeur in grimmem Ton;

Im Sturme nun die Krieger vorwärts streben, Wo fast verzweifelnd, händeringend alles rennt Mit Weib und Kindern, aller Habe bar, davon.

Nach allen Seiten Feuergarben schlugen, Die zündeten im Nu bald hier und dort, Und tückisch durch die Gassen wälzte sich der Brand; Ein Wehgeschrei die Lüfte thalwärts trugen Ob der Verwüstung, ob des Mordes an dem Ort, Wo sich zuletzt kein Stein mehr auf dem andern fand.

So dacht' der Kommandeur sein Rachgelüsten Befriedigt nun, das viele Jahre seine Brust erfüllt Und seinen Thatendurst gehoben und genährt;

Doch als er eben will zum Abzug rüsten Und seinem Blicke sich die Gegend klar enthüllt, Da bricht der trotz'ge Muth, er steht in sich gekehrt.

Denn Elz, das einst im Schmerze er verfluchte, Es stand noch unversehrt im Thale, so wie heut, Und schimmernd drüber hing der Abendsonne Gluth: Dorf Niederstaffel, das so heimgesuchte, Nie wieder ist's erstanden aus dem Staub erneut, Am Orte, der getränket mit unschuld'gem Blut.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.