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etbittSn eilte sie schnell aus der Halle und auf die Straße. Draußen athmete sie auf, ihr Herz wurde wieder leicht- Sie überlegte, ob sie weitergehen oder heimkehren sollte. Die Lust I war lind und balsamisch, die Sonne Mn köstlich und die Vögel sangen lauter Lust und Freude. So entschloß sie sich kurz, noch einen Spaziergang in den Wald zu machen. Sie ging über die Sprudelbrücke zum Marktplatz, von dem sich ein I schattiger Schlangenweg zu den Bergen emporwand. Diesen | Wxa schlug sie ein und gelangte bald in herrlichen Buchen» I wald. Eine ganz neue Landschaft rollte sich hier vor ihren Blicken auf, rechts und links die waldreichen Höhenzüge der Karlsbader Berge, nördlich davon die schroffen Kuppen der Erzgebirges und dazwischen das wunderbar schone Egerthal- I Den sonnenbeglänzten Fluß belebten zahllose Kähne und Sege.» I boote. Noch weiter hin ragte die im blauen Dunst verschwim- mende Bergkette des Fichtelgebirges in die Luft und gegenüber in greifbarer Deutlichkeit der Kreuzberg, das Wahrzeichen ver Gegend, mit seinen hohen, aus starkem Tannenholz gesengten I drei Kreuzen. Es war ein Bild von malerischer Schönheit. I
Annie schritt rüstig vorwärts. Es war so schön hier im Frühlingsprangen. Da tönte ihr aus der Tiefe ein Glöckchen entgegen, sanft und melodisch wie Sphärenmusik und magnetisch zogen die zarten Klänge sie an. Ein schmaler Psad lies von der Höhe in's Thal. Dort, wo er eine Biegung machte, stand einsam und weltverlaflen ein steinernes Kapellchen- Allerlei Schlingkraut hatte sich in die grauen Mauern eingenistet und eine riesige Buche breitete wie schützend ihr grünes Gezwecge über das kleine Gotteshaus.
Es war die Marienkapelle und heute am Sonntag hatte man die Madonna mit dem Jesusknaben im Arm reich mit Blumen und Kränzen geschmückt. Blumen bedeckten auch den Altar, auf dem eine Menge von Wachskerzen brannten. Eine kleine Schaar Andächtiger lag davor auf den Knieen tm brun»
9 Annie verweilte eins kurze Zeit vor der Kapelle und schritt dann langsam weiter, um in's Thal zu gelangen. Ais sie aus dem Waldschatten trat, erblickte sie Bernthal. Er war in Gesellschaft mehrerer Offiziere und kam ihr gerade entgegen. Kaum daß er sie bemerkt hatte, so trennte er sich auch schon von seinen Begleitern, ging auf sie zu und grüßte Ire nut großer Freude. Dann zog er hastig rhre Hand an seine
Sie nicht Lust, noch ein wenig durch den Wald zu gehen, das Wetter ist köstlich?" fragte er mit zärtlichem Blick in Annies Augen.
Sie senkte ganz verwirrt ihre Wimpern und antwortete nicht gleich. Plötzlich aber zog es wie Sonnenschein über ihr Gesicht und sie willigte ein. Der innige, säst leidenschaftliche Ton, in dem er mit ihr gesprochen, machte Eindruck auf sie.
^"^„Annie!" stammelte er. »Du bestürmst mein Herz mit Deinem Zauber, bis es schwach und gefesselt wurde. Aber großer und barmherziger Gott, werden wir ie uns auch an 9 h Annie war völlig verwirrt, sie konnte sich seine Worte nicht deuten, denn sie hatte ja kein Verständniß für die Lage seiner Verhältniffe, und daß dieselben sie trennen sollten.
„Ich habe Dir viel Bitteres von mir zu berichten, agte er nach kurzem Nachdenken mit klangloser, halb erstickter Stimme. „Höre mich ruhig an und dann verzeihe mir! Ich bin ein armer Teufel, den mancherlei Ungemach, vor Allem aber ein leichtsinniges Leben in Sorgen und Schulden hinein» getrieben hat- Ich habe sogar Ehrenschulden, welche in nächster Zeit bezahlt werden müflen. Trotzdem bin ich nie ein Glücks jäger gewesen und habe früher nie daran gedacht, eine Heirath nur des Geldes willen zu machen, aber von der Roth ge zwungen, plante ich vor wenigen Tagen eine reiche He r y, die mich von quälenden Sorgen erlösen sollte. Ich h>^t es
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chen an der Hand wie ein Kind und sein Blick hing träume» risch an ihren holden Zügen mit zärtlichster Empfindung. In diesem Moment wurde er sich erst recht bewußt, wie sehr er liebte«
Sie waren ganz allein, denn kein Mensch ging jetzt noch auf dem Wege und er war todtenstill rings umher-
I Sie kamen zu einer kleinen Lichtung- Hier war der Waldboden ganz und gar mit Erdbeerkraut und weißen und rothen Blumen bedeckt. Inmitten dieser blühenden und ^duftenden kleinen Welt stand eine Bank- Er zeigte mit der Hand darauf. In größter Befangenheit, doch wie gebannt unter Bernthals Blick, ließ Annie sich nieder. Aber er blieb auf« recht vor ihr stehen, die Allgewalt der Liebe durchbebte ihn und drängte ihn ungestüm dazu, ihr ein Geständniß zuf machen.
„Annie, Du bist mir das Höchsts auf Erden, tch liebe . Dich'. Schon beim ersten Sehen hattest Du es mir angethan | und nun kann ich nicht mehr leben ohne Dich! sagte er ttef | bewegt. Dann kniete er vor ihr nieder, schlang seine Arme um ihren Leib und küßte ihren süßen Mund.
Sie erröthete heiß und zitterte- Aber freudetrunken leuch» tete es aus ihren blauen Augen. Es war Alles so plötzlich gekommen, es kam ihr noch ganz wie im Traum vor und doch war sie unbeschreiblich glücklich. In ihrem langen Herzen glühte, noch halb unbewußt, die erste Liebe und Bsrnthals Worte, seine Zärtlichkeiten hatten sie zu vollem Verständniß er» weckt- Aber sprechen konnte sie nicht, nur leise weinen.
Ec küßte ihr die Thränen von den blauen Augen. „Weine nicht, mein liebes Kind," sagte er. „Aber wenn Du durchaus weinen willst, dann weine über einen Mann, der, hingerissen von einer starken Leidenschaft, sich nicht zu beherrschen wußte. Noch gestern rang ich redlich mit mir — ich wolltedenFrie» den Deiner Seele nicht stören und unnahbar solltest Du mir sein und bleiben sür jetzt und später. Aber ch g ng wie em Schlafwandler umher, der jeben Augenblick in den Abgrund stürzen kann. Als ich Dich heute wiedersah, so hold, so unbeschreiblich lieblich, so voller Anmuth, da schloß ich vor der Zukunft die Augen und that das, was ich nicht thun sollte, was vielleicht sehr unrecht ist vor Gott, vor Dir, vor mir was ich aber nicht lassen konnte, denn eine echte, gewaltige Liebe reißt selbst den Stärksten hin!"
Sein Athem ging schwer, er erschauerte in grenzenloser Ergriffenheit und bedeckte mit beiden Händen seine Augen.
Aber Annie schlang schüchtern ihren Arm um seinen. Hals und lehnte ihr Köpfchen an seine Schulter. „
„Warum soll unsere Liebe ein Unrecht sein? flüsterte sie mit lieblichem Erröthen- „Warum? Ich liebe Dich ia auch-
Sie faßte seine Hände, zog sie ihm sanft von den Augen fort und blickte ihn an mit dem unsäglich holden Reiz, der I ihrem Wesen eigen war- t.
I Und überwältigt davon, schloß er sie von Neuem an seine
K 6& S ®ie *n fo t* Wch» » i,r «d kannte daß sie deshalb geseiert und angebetet wurde und des» halb sich eine Schaar von Verehrern an ihre Fersen heftete- Was wußte Annie auch mit ihren siebzehn Jahren von dem Werth und der Macht des Reichthums. Nie hatte sie getestet oder gespart, weil die Mutter ihr so viel gab, wie sie brauchte, und ausgewachsen in guten, geregelten Verhältnissen, hatte weder Mangel noch Noth, weder unbesnedigte Eitelke t noch Ehrgeiz kennen gelernt. Und »Geld macht nicht glück ich, Armuth »schändet nicht!" das war der Mama Lieblingsspruch. — So in ihrer kindischen Nichtachtung des Geldes hattt Armie auch kein Verständniß sür dar Hasten und Jagen der Menschen nach dem trügerischen Dämon Goft>. ,
’ Sie konnte den Anblick nicht mehr ertragen, er berühr e sie zu peinlich. Sie war entrüstet über diese Frau, diese Kokette, und empört über diese erbärmlichen Geldiäger, welche ihr nachliefen. Aber dann begriff sie ihre Aufregung selbst nicht- Was gingen die fremden Leute sie an? Was hatte sie mit ihnen zu schaffen? Wie thöricht war es, sich über sie zu


