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sich. Die Königin muß dies Jvanyi mitgetheilt haben das wurde mir aus einer zufälligen Aeußerung meines Clienten klar."

Es ist in der Thal sehr räthselhaft," sagte der Detectiv nach einer Weile des Nachdenkens,aber wir hätten mit einem Schlage die Lösung dieses Räthsels, wenn Herr von Jvanyi sich entschließen wollte, zu sprechen."

Gewiß, aber er ist nicht dazu! zu bewegen und so beruht unsere ganze Hoffnung darauf, daß wir die rothe Sali aus» findig machen."

Wenn sie sich in Oesterreich aufhält," tröstete Kilian, indem er aufstand, um sich von Doctor Mark zu verabschieden, dann werden wir sie finden."

Sali Pfeifer war in der That verschwunden, ohne daß es möglich gewesen wäre, eine Spur von ihr zu entdecken. Wie es sich später herausstellte, hatte man sie zuletzt in Buda» pest gesehen und zwar in Begleitung eines jungen Menschen, der gerade nicht sehr vertrauenswürdig aussah. Die Recherchen der Polizei, der Aufruf in den Zeitungen Alles war um­sonst. Der Detectiv Kilian hielt das Haus der Pfeiferin unter scharfer Bewachung. Er rechnete ganz sicher darauf, daß die rothe Sali, wenn sie überhaupt noch am Leben war, nach Wien zurückkommen und ihre Großmutter aufsuchen werde.

Unterdeß hatte Doctor Mark die Zeit nicht unthätig ver­streichen laffen. Wiederholt suchte er Jvanyi im Landesgericht auf und drang in ihn, sein gefährliches Schweigen aufzugeben aber alle Mühe scheiterte an dem starren Sinne des Ge­fangenen. Endlich, nach langem Zögern, brachte der Advoeat heraus, daß Jvanyi bei der Pfeiferin gewesen und daß es wirklich die rothe Sali gewesen, welche ihn vor der Botivkirche erwartet, um ihn zu der sterbenden Frau zu führen. Diese hätte ihm das Geheimniß anvertraut, das er nicht verrathen könne.

Daß Sie uns das nicht srüher mittheilten I" brauste der Advocat auf.Jetzt nützt es uns nichts, da wir es selbst herausgebracht haben. Damals aber wäre es uns ein Leichtes gewesen, die rothe Sali einzufangen."

Jvanyi schien die Worte seines Bertheidigers kaum zu hören. Es war ihm, al» handle es sich gar nicht um ihn, sondern um eine dritte, ihm ganz gleichgiltige Person. Plötz­lich fragte er:Wo befindet sich Margarethe?"

Das können Sie sich denken," meinte unwillig Doctor Mark.Sie ist infolge aller dieser Aufregung krank."

Armes Kind," seufzte Jvanyi.Und doch habe ich Aller nur ihretwegen gethan."

Der Advocat wollte die weiche Stimmung seines Clienten benützen. Mit einer Miene, in der die herzlichste Theilnahme zum Ausdruck kam, legte er ihm die Hand auf die Schulter.

Mein lieber Freund," sagte er in tiefem Ernst,denken Sie sich, ich sei ein Priester und Sie müßten mir Ihr Ge­heimniß beichten. Glauben Sie mir, daß ich es zu wahren weiß. Sie müssen mir Alles sagen."

Nein," rief Jvanyi schroff.Nimmermehr I Ich werde das Geheimniß niemals verrathen!"

Gut, Sie Starrkopf," brummte Mark ärgerlich,ich werde Sie nicht mehr darnach fragen."

Einige Tage darauf wurde der Tag der Verhandlung an­beraumt dann aber wiederum auf einen etwas späteren Zeitpunkt verschoben, weil man, wie die Zeitungen sagten, das Erscheinen eines wichtigen Zeugen abwarten müsse-

XVI.

Die Vertagung der Schlußverhandlung gegen Desider Jvanyi erwies sich als unnütz, da Rosalia Pfeifer trotz der großen Belohnung, welche Anton Weber für ihre Auffindung ausgesetzt, verschollen blieb. Doctor Philipp Mark begann schon die Hoffnung aufzugeben, seinen Freund retten zu können - aber sein Pessimismus, seine Zweifel waren nicht im Stande, die arme Margarethe zu überzeugen. Sie hoffte mit der In­brunst eines liebenden Mädchens, mit dem ganzen Vertrauen eines edlen, reinen Wesens auf jene Macht, vor der wir uns

in demüthiger Ehrfurcht beugen, die wir anrufen als den Hort der Unschuldigen, zu der wir die Hände flehend emporheben in der Stunde der Noth.

Gott wird solches Unrecht nicht zulassen," erklärte sie mit Ueberzeugung, wenn der Advocat sie auf die Möglichkeit einer Verurtheilung vorbereiten wollte, damit der Schicksals­schlag sie nicht allzuhart treffe.

So konnte sie bis zum Entscheidungstage ihren Schmerz mit Würde tragen, und erst am Abende vor demselben über­fiel sie die Furcht. Eine quälende Angst kam in ihr Herz, die Zweifel erwachten und peinigten sie, es ergriff sie mit einem Male die ganze Trostlosigkeit ihrer Lage. Wie, wenn er doch möglich wäre, daß ein ungünstiges Schicksal ihr den Geliebten rauben könnte, den Mann, dem sie mit allen Fibern des Her­zens angehörte? Wenn harte, rauhe Menschen in ihrer Blind­heit nicht sehen würden, daß ein Desider Jvanyi eines solchen Verbrechens gar nicht fähig sei? Schlaflos wälzte sie sich auf ihrem Lager und sah den Morgen heraufdämmern, einen trüben Morgen ohne Sonnenstrahl. Es war ihr selbst, als wäre in diesen sich endlos dehnenden Nachtstunden alle Hoffnung von ihr gewichen.

Auch Doctor Philipp Mark war früh erwacht und hatte sich alsbald an seine Arbeit begeben. Auch ihn hatte eine eigene Unruhe ergriffen: es war der erste sensationelle Fall in seiner bisherigen Praxis dieser Proceß Jvanyi; alle Welt, das fühlte er mit einer gewissen Befriedigung, feine Collegen und das Publikum waren gespannt auf das, was er als Ver- theidiger eines so hochstehenden, allgemein bekannten Cavaliers sagen werde. Jedes seiner Worte sollte Gewicht haben und dabei jene Absichtlichkeit vermeiden, welche die Geschworenen, die Richter aus dem Volke, mißtrauisch macht, da dieselben, wie die Erfahrung lehrt, immer annehmen, daß man für eine gerechte Sache nicht allzuviel Geist verschwenden müsse, daß man mit einer schweren Anklage nicht spielen dürfe wie mit etwas, das sich mit Witzworten aus der Welt schaffen läßt. Noch einmal also erwog der Advocat jeden Punkt und mehr als einmal überraschte er sich dabei, daß er, eifrig gestikulirend, laut sprach, als stände er schon im Gerichtssaale.

Mitten in dieser Beschäftigung, die ihn vollauf in An­spruch nahm, wurde er durch die Meldung unterbrochen, daß Anton Weber und Margarethe ihn zu sprechen wünschten. Er ging ihnen bis in's Vorzimmer entgegen und erschrak über das schlechte Aussehen des Millionärs, der sehr erregt schien.

Entschuldigen Sie, Herr Doctor, daß ich Sie heute störe," sagte er mit einer Stimme, in der es wie ein Schluchzen lag,aber ich weiß mir nicht mehr zu helfen. Meine Tochter will durchaus der Verhandlung beiwohnen, und ich kann sie von diesem Gedanken nicht abbringen."

Ja, ich muß dabei sein," flüsterte das schöne Mädchen mit einer krankhaften Hast.Ich muß ihn fehen und er mich. Er soll Trost finden in dem Gedanken, daß er nicht von Allen verlassen sei, daß Jemand auf der Welt ist, der an seine Unschuld glaubt. Und ich würde wahnsinnig werden, wenn ich warten sollte, bis mir eine Nachricht zu Theil wird über den Gang der Verhandlung," schloß sie erregt.

Sie werden aber vielleicht der Gegenstand einer unlieb­samen Aufmerksamkeit sein," wendete der Advocat ein mehr, um Weber von seinem guten Willen zu überzeugen, als in der Absicht, Margarethe an der Aussührung ihres Entschlusses zu

hindern. ., .,

Nein," erwiderte sie ruhig.Davor fürchte ich mich nicht. Und dann bin ich so verschleiert, daß mich Niemand erkennen^ wird^ wenn wir dem Fräulein ihren Willen lassen," raunte Mark Herrn Weber zu.

Gut," meinte dieser verdrossen.Dann bitte ich Sie, sich meiner Tochter anzunehmen. Ich überlasse sie Ihrer Ob­hut, Herr Doctor."

Und Sie selbst?"

Ich unmöglich. Ich kann nicht hin. Ich könnte es nicht ertragen, den Mann auf der Anklagebank zu sehen, dem ich mein Theuerstes anzuvertrauen im Begriffe stand.