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nicht, daß er der Italiener zum Kampf kommen läßt; jedenfalls wäre es dann nur zwischen ihm und mir- Thekla ist völlig sicher."
Lucie wollte noch sagen, auch er solle sich schonen und sich nicht der Gefahr aussetzen, aber sie wagte es nicht; stumm saß sie da, seinen Worten lauschend, und seine Fragen nur durch ein Neigen oder Schütteln des Kopfes beantwortend, fast wie eine Schuldbewußte dem ernsten, bleichen Manne gegenüber. Ja, sie hatte ihm schweres Leid zugefügt, hatte sein treues Herz, welches für sie schlug, zurückgewiesen — und konnte erst jetzt ermessen, wie edel und groß seine Liebe und wie schwer es ihm werden muß, zu entsagen.
„Sie müssen nach Hause, Gräfin," sagte Albrecht dann, gütig wie ein väterlicher Freund, „ich werde Ihnen Johann zur Begleitung mitgeben, weil es schon stark dämmert. Morgen früh sende ich Nachricht, wie Alles geworden ist. Für jetzt nur nochmals meinen wärmsten Dank."
Er hatte Luciens schlanke Finger ergriffen und an die Lippen gepreßt, kaum einen Moment länger als nöthig, aber Luciens Herz erbebte dabei heftig; sie sah ihn thränenvoll an und frug leise: „Zürnen Sie mir auch nicht, Herr von Lassow, daß ich Ihnen so viel Schmerz bereitete?"
„Wie könnte ich Ihnen zürnen, Lucie I" murmelte er leidenschaftlich, dann aber besann er sich, verneigte sich nur tief und förmlich vor der jungen Dame und eilte hinaus. Sie hörte noch, wie er sich auf's Pferd schwang und davon jagte. Unwillkürlich faltete sie die Hände und flüsterte: „Allmächtiger Gott, erbarme Dich — und verhüte ein Unheil! Er ist ein so treuer, edler Mensch."
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Albrecht von Lassow hatte bald die Landstraße erreicht' einen Moment hielt er dort umherspähend inne, dann spornte er von Neuem sein Pferd zur Eile an. Dort, wo der Wald bis zur Chaussee heranretchte, mußte jedenfalls Bellarino mit dem Wagen halten, um Thekla zu erwarten. Der weiche Boden des Feldweges verhinderte den lauten Klang der Hufschläge und es war ganz still ringsum, die laue Luft umwehte Laffows erhitzte Stirn, er athmete tief und murmelte: „Großer Gott, wie schwer prüfst Du mich! Zu dem Schmerz um Lucie, die mich abwies, tritt nun noch der Makel auf unserem alten guten Namen durch Theklas wahnsinnige That. Aber wozu jetzt klagen und jammern? Vielleicht sehe ich später ein, zu was Alles gut war!"
Und weiter ritt er dahin. Da plötzlich hielt er an, die Hand, welche den Zügel fest anzog, bebte wie Espenlaub, ge- spannt lauschte er vorwärts. Und in der That, von der Straße her klang Rädergeraffel und ein lautes Peitschengeknall. Mit einem einzigen Ruck riß Lassow sein Pferd herum, und eine Pistole in der Rechten jagte er dahin, um bald den Wagen vor sich zu sehen.
„Da sind sie, nun wird's Ernst," murmelte er zwischen den Zähnen und weiter ging die tolle Jagd hinter dem Wagen her, in welchem Thekla mit Bellarino floh. Jetzt war Lassow dem Wagen so nahe, daß die Insassen desselben ihn gewahren mußten. Thekla stieß bei dem unerwarteten Anblicke ihres Bruders einen jähen Schrei aus und Bellarino feuerte den Kutscher zu immer größerer Eile an.
(Schluß folgt.)
Gemeinnütziger.
Um de« Petroleumgeruch in Räumen und in dumpfigen Zimmern zu verhindern, legt man den Docht in Essig und drückt ihn nach Verlauf von 12 Stunden tüchtig aus. Derartig präparirter Docht wird keinen Geruch mehr verursachen.
Holzwürmer vertreibt man am einfachsten und sichersten durch tägliche» Klopfen der Möbel. Dadurch wird der Hol», wurm in seiner Arbeit gestört, stellt dieselbe ein und stirbt nach und nach ab.
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Citronenschale aufzubewahren. Man reibe auf e ner feinen Reibe die frische Citrone sorgfältig ab, vermenge die geriebene Schale reichlich mit klarem Zucker, thue beides in eine Büchse und verschließe dieselbe gut. Citronenschale auf diese Art behandelt, hält sich jahrelang.
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Weinsuppe. % Liter weißer Tischwein und etwas mehr als 1/2 Liter Wasser wird mit 100 Gramm Zucker, Citronenschale, einem Stückchen ganzen Zimmt, 10 Stück Nelken, in einem irdenen Topf zum Kochen gegeben; mittlerweile werden 4 ganze Eier in einem andern Topf schäumig abgeschlagen. Wenn der Wein einige Mal gut abgekocht hat, wird er kochend unter schnellem Rühren zu den Eiern geschüttet, tüchtig abgequirlt, die Suppe in die Terrinne gegeben, und mit in Würfeln geschnittenen Milchkipseln auf einen Teller, oder mit Mehlschäberle zu Tisch gegeben-
Kümmettuchen zumFruhstück. Von 1 Pfund Mehl wird mit etwas lauer Milch ein Teig gemacht. Wenn er gegangen ist, thut man ein Ei, 64 Gramm Butter, etwas Salz, 1 Hand voll Kümmel und so viel Milch dazu, als das Mehl annimmt, daß es ein fester Teig wird. Diesen verarbeitet man dann so lange auf dem Nudelbrett, bis der Kümmel anfängt, wieder herauszufallen. Dann wird der Teig in eine hohe Form gegeben; nachdem er aufgegangen, wird er im Rohr gebacken.
Vermischtes.
Handwerksbursche (im Dorfwirthshause an einem I Sonntage): „Guten Morgen, meine Herren! Schenken Sie mir eine kleine Gabe, ich bin schon neun Wochen auf der Reise bei dem schlechten Wetter/' — Bauer (mit den Anderen Karten spielend): „Schämt Er sich denn nicht, am heiligen Sonntage während des Gottesdienstes zu betteln?" — Handwerksbursche: „Dann entschuldigen Sie, meine Herren, daß ich Sie in Ihrer Andacht gestört habe!"
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Logisch. Bahnwärter (zu einem Bauer, der auf dem Bahnkörper geht): „Macht, daß Ihr da herunterkommt, da oben darf Niemand gehen!" — Bauer: „Darf Niemand geh'n? Das fehlte mir noch! Ich hab' eine Karte und hätt' sog-,fahren können, wenn ich den Zug nicht versäumt
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Praktische Lösung. Ein Lehrer hatte einen Aufsatz über das Thema: „Folgen der Trägheit" aufgegeben; als der Aufsatz abgeliefert werden sollte, gibt ein Schüler ein leeres Heft ab.
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Zu gütig. Zeuge (der vor Gericht vereidigt wird): „Bitte, meine Herren, behalten Sie nur Platz!"
Das reinliche Kind. Mama: „Aber Kurt, wie bist Du wieder schmutzig! Sag' mir nur, wie kommst Du zu so schmutzigen Händen?" - „Weißt Du, Mama, ich hab' mir vielleicht ins Gesicht gefaßt!"
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Gewissensfrage. Erster Studiosus: „Denke Dir mal an, ich bin scheußlich solide geworden! Schon vierzehn Tage habe ich kein Glas Bier getrunken!" — Zweiter Studiosus: „Hm! Und wie war's denn in den Nächten?"
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


