rint-rchaltrrirgsblrrtt jum Gretzenev Anzeigen (Geneval-Anz-igep)
^s-
KMK
MW äWS-
Samstag, den 24. Februar.
Im Banne des Bösen.
Novelle von C- Western.
------- Machdruck verboten.)
I.
Aus dem Gewirr und Getose der Hauptstadt flüchten wir in den stillsten nördlichen Theil derselben, wo zwischen Baumgrün und im Kranze lieblicher Gärten sich elegante Villen« bauten erheben. Dort die kleine einfache Villa mit dem von wildem Wein überrankten Gartenpförtchen ist es, welcher wir zusteuern. Wir lesen an der Pforte schon auf zwei Porzellan« schildchen die Namen: „Doctor Ernst Pfeil, Professor der Chemie" und „Oberst a. D. von Linden." Der Oberst bewohnte das obere, der Professor das untere Stockwerk de» Hauses.
Der Professor, ein Mann von ungefähr dreißig Jahren, weilte in seinem Wohnzimmer. Dasselbe war elegant hergerichtet und mit wahrem Schönheitssinn ausgestattet; das be» wiesen die Gemälde, Statuetten, Reliefs und Nippsachen, sowie die Vorhänge und die Möbel, welche die Wohnräume zierten. Wenn etwas unter diesen Gegenständen der Kunst hervorstach, so durfte als solches ein übertriebener Frauencultus genannt werden, denn überall stieß das Auge auf Urtypen der weib» lichen Schönheit, von der Nachahmung der Venus von Milo bis zu den drei Grazien. — Der Professor Pfeil selbst, eine elegant gekleidete, schlanke Erscheinung, hätte auf das Prädicat „schön" Anspruch zu machen gehabt, wenn nicht sein scharfes, graues Auge einen Ausdruck von Unstätigkeit gehabt hätte, der sehr gegen ihn etnnehmen mußte. Haar und Bart des Professors waren blond und schwach, das Gesicht dagegen edel gebildet.
Professor Pfeil überblickte jetzt das Zimmer, ließ durch seinen Diener Fritz kalte Küche aufsetzen und eine Flasche Champagner im Silberkübel mit Eis placiren, dann sagte er zu Fritz: „Du hast heute Abend bis zehn Uhr Urlaub; ich brauche Dich jetzt nicht mehr, geh'I"
Fritz ging sofort, murmelte aber dabei: „Besuch von den Schauspielern I Ich möchte wissen, warum der Professor mit diesen Schauspielern so eine Geheimthuerei macht."
Der Professor aber stand vor dem Spiegel und flüsterte: „Wie sehe ich denn aus? — Hm, passabel! Ich experimentire mein Geld fort, am Tage im Laboratorium des Erdgeschosses, Abends mit lustigen Schauspielern bei Spiel und Wein im Salon; ah bah, ich glaube, ich halte mir selbst eine Moralpredigt! Etwa», wenn ich am Ende bin, so —! Freilich, wäre mir das Malheur mit dem Dekan nicht passirt, so hätte ich
noch meinen Lehrstuhl an der Universität und eine gesicherte Zukunft I Doch zum Teufel mit der Engherzigkeit der Philister I Ich glaube, ich gehörte zur philosophischen Facultät und habe so etwas von der Faustnatur in mir!"
Er lachte höhnisch und sang dann leise:
„Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, Der bleibt ein Narr sein Leben lang!"
„Jetzt wird aber gleich der lustige Astaro auf dem Kiessande des Gärtchens schnellen Schrittes daher kommen!" fuhr der Professor in seinem Selbstgespräche fort. „Wird wohl wieder Neuigkeiten mitbringen!"
Nach einem Weilchen schlüpfte eine zierliche Männergestalt in's Zimmer, die mit einem „Guten Abend, Ernst!" den Professor stürmisch umschlang.
„Guten Abend, Astaro! Freut mich, daß Du so pünktlich bist!" rief der Professor. „Ich habe den Diener fortgeschickt, mein Junge; denn ich wollte mit Dir eine Weile allein sein!"
Er nickte, drehte sich auf den Hacken seiner Lackstiefeln herum und rief aus: „Wie aufmerksam von Dir, daß Du mir ganz besonders Dein Vertrauen schenkst, Professor."
Hiermit löste er seinen Mantel, den Professor Pfeil behend dem Freunde abnahm, indem er sagte: „Setze Dich, Astaro! Ich habe mit Dir zu reden."
Während Astaro, der lustigste Schauspieler des Residenztheaters, sich setzte und ungenirt von dem kalten Adendbrode zulangte, indeß der Professor die Gläser füllte, fuhr net letztere ernst und leise fort: „Zwei Fragen habe ich an Dich zu richten, Astaro. Ich bin vorgestern Abend im weiteren Freundeskreise vielleicht etwas indtscret in Bezug auf meine wichtigsten Pläne gewesen. Habe ich in der Weinlaune etwa mein Er- findungSproject verrathen?"
„Gott bewahre," erwiderte der Schauspieler mit einer betheuernden Miene, „Du hast Deine epochemachende Erfindung kaum angedeutet, und außerdem ist jenen Herren die Chemie doch auch eine mit sieben Siegeln verschlossene Wissenschaft, daß sie gar nicht verstehen können, was Du mit Deinen chemischen Formeln meinst."
„O, in dieser Hinsicht kann man nie vorsichtig genug sein," entgegnete der Professor, „denn auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Entdeckungen wird mehr gestohlen, als man glaubt und ein einziges unbedachtes Wort könnte meine Erfinvung zur Unzeit verrathen. Aber Deine Zusicherung soll mich beruhigen. Nun aber noch eine Frage: Wer hatte denn den langweiligen Hauptmann von Bach mit in unseren Club gebracht?"
„Nun wer anders, als der Baron von Güldener, der ein Vetter des Hauptmanns ist? Was hast Du denn gegen Herrn von Bach? Ich denke, Du bist selbst mit ihm befreundet!"


