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beffen Verehrung für die Baronin stadtbekannt ist; der elegante Rittmeister Halley, welchen Frau von Lovel öfters mit süßem Lächeln und verheißungsvollen Blicken bedenkt. Außerdem Lord Rawdon und Baron Gerald.

Frau von Lovel war etwas früher al« dis Uebrigen er­schienen. Sie hatte zufrieden beim Anblick der Tischkarten mit dem Kopf genickt-

Sehr gut, meine Liebe. Doch haben Sie einen Herrn zu viel. Wie werden Sie heute Ihre beiden Verehrer aus­einander halten?"

Darauf hatte Lola heiter geantwortet:Der Eine muß Mama führen, so wird'« schon gehen. Ich hätte lieber nur Baron Gerald geladen. Aber die Herzogin von Edenfield hat ihren Ball und dorthin sollte Lord Rawdon nicht gehen. Sie verstehen schon?"

Nach dieser kleinen vertraulichen Mittheilung hatten beide Damen laut gelacht und sich in Anecdoten über verschiedene Persönlichkeiten aus der Gesellschaft vertieft.

Das Diner verläuft zur allgemeinen Zufriedenheit. Lord Rawdon führt die Baronin Lincoln, der Graf Ferrari Frau von Lovel, Rittmeister Halley die schöne Wirthin und Baron Gerald deren Mutter.

Die Unterhaltung ist angeregt und witzig. Frau March versucht vergebens, ihr zu folgen. Sie versteht nicht einmal die Pointen. Nach Schluß der Tafel schmerzt ihr Kopf und sie ist froh, daß sie sich zurückziehen darf. Lola hält sie nicht ab. Die Gegenwart der Mutter ist ihr gleichgiltig.

Im Wohnzimmer brennen die Lampen. Durch die offene Balkonthür wirst der Mond seinen silbernen Schein auf Die kleine, lustige Gesellschaft. Der süße Duft der Hyacinthe« durchweht den Raum.

Mit einem Ausruf des Entzückens betritt die Baronin Lincoln den Balkon. Der Graf folgt ihr. Sie schlingt den weißen Spitzenshawl dichter um die bloßen Schultern, während sie mit glänzenden Augen seiner Erzählung über die Poesie der italienischen Nächte lauscht.

Der Rittmeister ist völlig im Bann der hübschen Frau von Lovel. Ihr Lächeln hat ihn an's Ende des Zimmers hinter den vergoldeten Korb mit weißen Hyacinthen gezogen und hält ihn dort fest.

Lola ist allein mit ihren beiden Verehrern. Eine pein­liche Situation! Doch sie empfindet sie nicht als solche.

Baron!" ruft sie in ihrer raschen Art.Haben Sie schon mein jüngst erworbenes Prachtwerk über den Orient ge­sehen? Nein? Dort hinten auf dem Tisch liegt es. Sie müssen es sich anschauen."

Und ohne ihm Zeit zu einer Entgegnung zu lassen, wendet sie sich zu Lord Rawdon.

Wollen Sie uns ein Lied singen? Ich bitte Sie darum."

Bald erfüllen die schmelzenden Töne eines sehnsuchts­schweren Liebesliedes den Raum.

Der Graf hört auf, von feinen italienischen Nächten zu schwärmen; der Rittmeister und Frau von Lovel ziehen sich weiter hinter die Blumen zurück. Alle« lauscht lauscht.

Für alle Ewigkeit!" wiederholt der Graf den Schluß de« Liedes und preßt die schöne Frau an seiner Seite an sich.

Für alle Ewigkeit!" lispelt Frau von Lovel und blickt dem freudeberauschten Offizier tief in die Augen.

Für alle Ewigkeit!" murmelt Gerald leise, in Gedanken versunken, hinter seinem aufgeschlagenen Prachtwerk.

Für alle Ewigkeit!" Lord Rawdon flüstert es tief er­regt. Die Worte ersterben auf seinen Lippen. Es ist, al» ob sie ihm die Geliebte näher bringen. Ihr liebliches Ant­litz erscheint ihm bezaubernder, ihr Lächeln süßer als je.

Für alle Ewigkeit?" fragt Lolas weiche Stimme neben ihm.Was heißt das, Lord Rawdon?"

Stürmisch ergreift er die kleine Hand.

Wissen Sie es nicht?" ruft er leidenschaftstrunken.O, Sie haben das Herz und Gemüth eines Kindes! Meine Ljebe soll Sie erwecken. Ich will Sie in die Mysterien der Poesie, der Musik einweihen. Ich will Sie lehren, was alles Schöne pnd Edle aus Erden bedeutet. Ich"

D still, man könnte uns hören," flüstert Lola ängstlich Wir sind nicht allein."

Keine Sorge! Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Nie­mand hört uns- O Lola, sagen Sie"

Da ertönt Helles Gelächter vom Balkon her.

Nein, nein, lieber Graf," scherzt die Baronin Lincoln und hüllt sich fröstelnd in ihren Shawl,sagen Sie, was Sie wollen! Ich bin prosaisch genug, jetzt Kamin und Lampenlicht der Poesie vom Mondenschein, vom Blumenduft, vom Sternen» Himmel und was Sie sonst noch wollen, vorzuziehen. Huh, ist das kalt!"

Damit verläßt sie den Balkon und tritt in das Zimmer zurück.

Lola athmet wie erlöst auf. Mit einem anmuthigen Lächeln geht sie der Baronin entgegen-

Mißmuthig blickt Lord Rawdon auf die unliebsame Störerin. Dann zieht er sich in eine Nische zurück- Er ist zu erregt, um gleichgiltige Gespräche zu führen.

Baron Gerald ist Arnos gewaltige Erregung nicht ent­gangen- Er ahnt den Zusammenhang. Doch fühlt er sich seine» Siege» so sicher, daß er die Beiden ganz ruhig ge­währen läßt.

Einmal muß er sich ja doch seinen Korb holen," denkt er.Je eher, desto besser."

Jetzt schlägt er da» Buch, in dem er bis dahin mit an­scheinendem Interesse geblättert, zusammen und tritt näher-

Auch der Rittmeister und Frau von Lovel kommen aus ihrem Versteck hervor. Die Unterhaltung wird allgemeiner.

Den ganzen Abend über findet Lord Rawdon keine Minute mehr, um mit Lola allein zu sprechen. Sie meidet ihn stchtlich.

Er hält ihre Zurückhaltung für mädchenhafte Schüchtern­heit, die ihn nur um so mehr entzückt.

Gute Nacht!" flüstert er beim Abschied.Gute Nacht! Auf morgen!"

Gute Nacht!" sagt auch Gerald.

Und die schönen, glänzenden Augen, die sich bei Lord Rawdons Abschiedsworten gesenkt, blicken voll Vertrauen in die seinen. - . .

Die beiden Männer wandern in der stillen Nacht lang­sam durch die Straßen. Jeder fühlt sich glücklich in der Hoff­nung auf den kommenden Tag so glücklich und sicher, daß sie längere Zeit zusammen gehen ohne ein Wort des Vor­wurfs oder des Streites. Das Gefühl ihrer früheren Freund­schaft übermannt sie noch einmal und mit ihr ein tiefessMit- leid für den Andern-

Herzlicher denn feit lange reichen sie einander zum Ab­schied die Hand. Dann geht Jeder, in Träume versunken, nach Hause.

O, wie schön ist doch die Welt. . . .

X.

Als Lola sich am nächsten Morgen von ihrem Lager er­hebt, fühlt sie, daß sie nicht so gut geschlafen hat, wie sonst. Gewöhnlich ist ihr erster Gedanke:Wie wirst Du Dich heute amüsiren?"

Nicht so diesmal. Warum nimmt Lord Rawdon die Sachen auch so ernst! Es ist recht ärgerlich. Sie soll dem Manne, dem sie innig zulächelt, dem sie unter warmem Hände­druck vielsagende Blumen gegeben, den sie anscheinend schüch­tern und von Anderen ungesehen bevorzugt, diesem Manne soll sie sagen, daß alles Das keine Bedeutung hatte, daß sie nur mit ihm gespielt- ...

Als sie zum Frühstück erscheint, blickt ihre Mutter sie verwundert an.

Lola, mein Kind!" ruft sie erschrocken-Du hast ich mag das Wort gar nicht aussprechen Du hast auf Deiner Stirn eine Falte!"

Entsetzt schreit Lola auf-

Nicht möglich! Wo, Mama?"

Sie nähert ihr Antlitz dem Spiegel und untersucht genau die fragliche Stelle.