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Sold, an seine Schulden und an die große Macht des Goldes und daran, daß arme, verschuldete Offiziere zwangsweise reiche Mädchen heirathen mußten. Er dachte auch an Lucia Cam- pello, die unter der Legion der Verehrer ihm allein den Vorzug gab. Aber es grauste ihm davor, daß er stch für schnöden Mammon an jene "kokette Frau verkaufen und feiner ersten, echten wahren Männerliebe entsagen sollte.
In tiefes Sinnen verloren schritt er weiter, planlos auf einsamen Waldwegen. An einer Bergwand blieb er stehen und blickte hinab in's Thal. Dort unten grüßte Villa Violetta heraus, das Haus, in dem sie wohnte. Die Mittags- sonne brütete darüber hin, die grünen Jalousieen waren ge- schloffen und kein Mensch zu sehen.
Was sie wohl in diesem Augenblick that? Ob sie an ihn dachte oder von ihm träumte? Ob sie doch vielleicht die Sei- tilge werden konnte? — Noch war es ja gar nicht entschieden, daß sie kein reiches Mädchen war. Durch sein Hirn wirbelten tausend Gedanken und mit der Hartnäckigkeit der Liebe klammerte et sich an jeden Hoffnungsstrahl. Zuletzt wurde er ganz
des in den Baumwipfeln und das leise Zirpen der Meisen zu hören.
Annie war von Unruhe erfüllt, es ging ihr ganz
im Kopfe herum. , , ,
„Ich möchte doch lieber gehen, Mama wird mich missen," sagte sie leise. f
Er sah sie träumerisch an. „Wir werden uns aber Wiedersehen, nicht wahr? — Morgen? Uebermorgen — oder später?
sie stockte. , I
„Jedoch ein paar gute Kameraden wie wir können eine I Ausnahme machen," fiel er ihr lebhaft in's Wort. „Das I wollen Sie doch sagen, Gnädige?" j
Jawohl, das hatte sie gewollt, aber über die Lippen hätte j sie es nicht gebracht — um die ganze Welt nicht. Und nun hatte er es verrathen. Das beschämte sie furchtbar.
„ „Wir werden uns also wiedersehen, ich hoffe es bestimmt. Nicht auf Verabredung — nein - wir wollen es dem Zu all überlasten," sagte er weich. „Und nun will ich Sie nicht I länger aufhalten, mein Fräulein I" |
Er beugte sich über Annies Hand und berührte sie mit I seinen Lippen. Dann sah er das Mädchen secundenlang durch- I dringend an. Als dränge stch seine ganze Seele in diesen Blick, so innig, so ernst, so bedeutungsvoll war dieser.
Annie wurde völlig verwirrt dadurch. Sie stammelte ein I kaum hörbares „Adieu" und hastete mehr lausend als gehend davon, wie ein flüchtiges Wild.
Der junge Offizier schaute ihr gedankenvoll nach. Eine stürmische Gluth jagte durch seine Adern, denn wie eine Offenbarung war es plötzlich über ihn gekommen, daß er das, was er lange gesucht und heiß ersehnt, jetzt gefunden hatte. Und mit Inbrunst dürstete sein Herz darnach, das holde Mädchen zu erringen, ganz und gar, und sie zu besitzen für immer.
Aber dann wurde sein Gesicht bleich und sein Haupt senkte sich tief auf die Brust. Würde er die Geliebte jemals heim- sühren können? Er war ein armer, nur von seinem Sold lebender Offizier, der beständig mehr verbrauchte, als er ein- nahm, und Schulden hatte. Er konnte nur ein reiches Mäd- chen zum Altar führen, wenn er beim Militär bleiben wollte. Daß Annie viel Vermögen besaß, schien ihm nicht wahrscheinlich. Die Grundbedingung zu einer Ehe mit ihr fehlte also: wenn auch die Hauptsache, eine starke, innige Liebe, wenigstens von seiner Seite vorhanden war. Nie würde er um sie werben dürfen, wenn sie kein Geld hatte, nie ihr ein Wort von Liebe sagen und ihr unschuldiges Herz für sich gewinnen können. Denn er war Mann von fester Ehre.
Er preßte beide Hände an die fieberifch pochenden Schläfen und feufzte. Er dachte in tiefster Betrübniß an feinen knappen
Freude und Zuversicht. t ... m
Annie kam athemlos angelaufen und traf die Mama recht verdrießlich an. Sie stand schon wartend am Wege, den Pom- padour mit den Zeitungen am Arm und den großen Sonnen- schirm^ausgefpaM^ lange gesteckt, Mädchen?" zürnte sie. „Es ist bald MittagszeitI"
„Sei nicht bös, Mamachen," schmeichelte Annie und strich sich die verwehten Locken aus der erhitzten Stirn.
„Wo bist Du eigentlich gewesen?"
Die Kleine blickte mit lieblichem Erröthen in die Ferne, ein unendlich glücklicher Ausdruck lag auf ihrem Gesicht.
„Auf einem Zauberberg, Mama!" antwortete sie
fchämt. „ .
„Sprich doch keinen Unsinn! - Und nun rasch Hause, unser Weg ist weit!"
Aber Annie rührte sich, nicht vom Fleck.
„Ich muß Dich erst etwas fragen, liebste Mama! bist so klug und wirst das Rechte wiffen. Darf e n Mges Mädchen Freundschaft — treue Kameradschaft schließen mit einem jungen Manne?" ___
„Aber warum nicht? Es kommt auf die Charactere S8ett,e*a$,1 er hat sicher einen guten Character, denn er ist furchtbar nett!"
„Wer denn? — Welcher er?"
Ich sprach nur so im Allgemeinen, weißt Du, Mama! stotterte Annie. Dann redete sie herzhaft weiter: „Du hattest auch einen Jugendfreund, den Oberförster Hiller in Tanger-
»Ich kann nichts versprechen — nein, gar nichts I" wehrte
Iber vergehe vor Leid, wenn ich Sie nicht Wiedersehen darf!" stieß et hervor.
Annie wurde glühendroth. „Nein, nein! Ich habe solche Angst! Ich will, ich darf das nicht thun!" stammelte sie in grenzenloser Verwirrung.
„Gnädiges Fräulein verkennen die Situation," sagte et in ernstem Ton. „Ich erbitte durchaus kein Rendezvous — nur als gute, fröhliche Kameraden wollen wir uns treffen und uns unsere Erlebniffe erzählen. Ich werde Ihnen gewiß nicht die Cour machen! Aus Ehre! Und ein österreichischer Offizier hält Wort! Sie sind sichtlich sehr in Unruhe, und es thut mir herzlich leid, und es würde mich sehr unglücklich machen, wenn Sie Böses von mir dächten."
Böses? — Nein, das dachte sie nicht von ihm, ihre Seele war ganz voll von Vertrauen und nun hielt sie es für thöncht, seins Bitte abgeschlagen zu haben.
„Ich muß Ihnen recht sonderbar vorkommen, Herr Ober- lieutenant," sagte sie nach kurzem Nachdenken. „Aber ich bin ein kindisches Ding und weiß nicht, was Recht und Unrecht in diesem Falle ist. Die Sache ist nämlich die, junge Mädchen dürfen mit jungen Herren keine Zusammenkünfte verabreden, erklärte sie hastig und in größter Verlegenheit, „jedoch —
ttlUnb*®ett)ife - und meine schönsten Erinnerungen knüpfen sich an diese Freundschaft!" ,
„So hattest Du ihn wohl sehr lieb ?
Natürlich, Kind! — Aber warum mteressirt Dich das?
"Weil - weil -" sie stockte und schlug die Augen nieder. „Bitte, liebste Mama," fing sie aber gleich wieder an, „bitte, beantworte mir noch eine Frage!" , r ,
„Ach, Du brauchst nicht Alles zu wiffen- Komm, laß uns endlich gehen!" , .
„Beste Mama, bitte, fage mir nur noch das Eine- Es ist durchaus nothwendig für mich, daß ich s erfahre- Hast Du mit Deinem Jugendfreunde — Deinem guten Kameraden Zu fammenkünfte gehabt?" g/, „.rt
„Naseweis! Wie kommst Du auf solche Ideen? warf entrüstet die Gräfin hin. »Zusammenkünfte - mit - nut Oberförster Hiller? Das wäre ja schrecklich gewesen, höchst schrecklich I — Du lieber Gott, was denkst Du denn eigentlich 0011 Ein? zorniges Roth schoß der alten Frau in die Stirn.
Annie war nahe daran, zu weinen-
„Ach verzeih', liebstes Mamachen, ich wollte Dich nicht 5 verletzen. — Ich dachte gar nicht, daß es so schlimm sei, wenn


