P ^Hast Du mir schließlich nicht geholfen, in Hombergs Haus zu gelangen?" frug Durau mit rollenden Augen- Matthey, ich rathe Dir, reize mich nicht, M könnte ich auf den Gedanken kommen, mich zu rächen. Ich bin bereit, mir jeden Augenblick eine Kugel durch den Kopf zu schießen oder aus diesem Giftfläschchen einen Schluck zu nehmen, aber so lange dies noch nicht unbedingt nöthig ist, erwarte ich von Dir Hilfe, und Du weißt jetzt, wie Du mir und Dir helfen kannst,"

Soll ich das Geld vielleicht aus der Erde stampfen?" rief Matthey in großer Erregung.

Nun, das Geld wirst Du Dir von Deinem lieben Onkel erbitten müssen, denn er ist ein Geldmann," gab Durau kalt zurück.

Jetzt, unter diesen schrecklichen Umständen, soll ich Geld von Homberg verlangen? Mensch, bist Du toll geworden?"

Noch nicht," erwiderte Durau mit unglaublicher Frech« heit,aber wir Beide werden wohl noch toll darüber werden, wenn Du das Geld nicht schaffst." ~

O, wie soll ich dies jetzt anfangen, mein Onkel liegt schwer krank darnieder, die Aerzte lassen mich nicht einmal an sein Bett."

O, da sind ja die Umstände sehr, sehr günstig, um Herr der Situation zu werden, Matthey," zischelte Durau. Du bist doch wohl der einzige nahe Verwandte Homberg», also auch jetzt sein Beistand, sein Erbe und der interessirteste Mensch an Hombergs Schicksal. Du mußt zu ihm au» menschlichen und geschäftlichen Gründen und kein Arzt darf es Dir verwehren. Du mußt Homberg tief bedauern, Dich ihm ganz zur Verfügung stellen, fragen, ob Du nicht in seinen Fabriken ihn vertreten kannst. Du mußt die Schlussel zu Hombergs Geldschränken bekommen, ich glaube sogar Hom­bergs Kassirer zahlt Dir, wenn Du schlau bist, jetzt ohne Um. stände eine größere Summe aus. Nur klug und kühn mußt Du sein, mein Freund, dann wirst Du alles erreichen."

Du Teufel in Menschengestalt!" rief fast überlaut jetzt der junge Maler aus,Du räthest mir, an meinem Onkel jetzt unter der Marke des Wohlthäters den Dieb zu spielen."

Das ist nichts Neues, Matthey," entgegnete Durau, denn auf diese Weise sind in alten Zeiten schon manchmal ganze Länder gestohlen worden. Dein Onkel ist em kranker, schwacher Mann, er bedarf Deiner Hilfe, also gewähre sie ihm und uns." , ,, , . ,

Der junge Maler lief erregt im Atelier auf und ab und rief wie begeistert von einem rettenden Gedanken:Ja, ja, der Plan ist gut, Darau, ganz vortrefflich, und ich werde den Versuch machen uns auf diese Weise zu retten. Mein Onkel kann doch nicht allzu böse auf seinen eigenen Neffen sein, wenn dieser aus des Onkels Kasse seine Schulden bss. zahlt. Aber erwarte nicht zu viel von mir, Durau, denn über eine gewiße Grenze hinaus gehe ich in den Verfügungen über meines Onkels Geldbeutel nicht, auch wenn er mir un.

| beschränkte Vollmacht ertheilen sollte."

Schon wieder hast Du eine thürichte Anwandlung, Matthey," brummte Durau ärgerlichDu mußt doch die sich Dir bietende Gelegenheit, in Goldhaufen zu wühlen, voll und ganz ausnutzen. Mich dünkt auch am besten, daß wir eine plötzliche Reise nach Eonstantinopel, nach Alexandrien oder nach einer anderen entlegenen Stadt des Orients im Auge behalten, denn irgend ein unglücklicher Zufall kann aus die Entdeckung der wirk« den Urheber des Verbrechens führen und dann find wir verloren."

Schändlicher Kerl, Du redest immer, als wenn ich meinen eigenen Onkel meuchlings niedergestochen hätte und in jeder Hinstcht Deinen Antheil an dem Verbrechen hätte, erklärte jetzt Matthey entrüstet.Du allein bist es doch ge­wesen, der den Plan ersonnen und ausgesührt hat, und Du allein warst es, der Homberg niederstach. Auch hast Du mir damals wiederholt erklärt, daß Du mich bei der Affaire aus dem Spiele lassen wolltest. Wie kommst Du nun dazu, Dem Wort zu brechen und von mir als Deinem Mitschuldigen zu

schaffen oder in'r Zuchthaus wändern und in der Verzweiflung kamen wir auf den unseligen Gedanken, meinen Onkel zu be­stehlen" , ,, .,

Das ist der einfache Sachverhalt, der werter keine schlim­men Folgen gehabt hätte, wenn Homberg bei der Durch- suchung des Schrankes nicht plötzlich aus dem Schlafe erwacht wäre. Da mußte ich mich doch vertheidigen und konnte mich von Deinem Onkel nicht als Dieb festnehmen und der Staate anwaltschaft übergeben lassen," erwiderte Durau kaltblütig. Die ganze Affaire lief eben auch wider meinen Willen un­glücklich aus, denn daß ich ihm am liebsten kein Häcchrn ge­krümmt hätte, das brauche ich Dir wohl nicht erst zu ver­sichern, Matthey."

Du hast in Deiner Weife ja immer Recht," antwortete der Maler mit spöttischem Lächeln,aber ich fühle die furcht­bare Wahrheit des Dichterwortes jetzt von Stunde zu Stunde mehr, daß es der Fluch der bösen That ist, fortzeugend Böses zu gebären. Aus unserem frevelhaften Hazardspiele und leichtsinnigen Lebenswandel entstanden unsere Schulden, aus den Schulden wuchsen die Lügen, aus den Lügen der Betrug mit den falschen Wechseln, aus den falschen Wechseln der Diebstahl, aus dem Diebstahl der Mord. Großer Gott, es ist weit mit uns in einem Jahre gekommen I"

O, jetzt wirst Du sentimental und schwach," höhnte Durau,anstatt mit festem, eisernem Willen dem Unheile zu trotzen, welches noch von uns abgewandt werden kann. Wenn Dein Geist von dieser schwachen, schwankenden Art war, so hättest Du Dich mit mir in keine Compagniegeschäfte einlassen sollen."

Ja, verflucht sei auch die Stunde, wo ich Dein Freund wurde, Durau," erklärte Matthey mit flammenden Augen, denn Du bist mein Verführer gewesen und hast mich in'r Unglück gestürzt."

Ein teuflisches Lachen erschallte jetzt als Antwort aus Duraus Munde und er frug mit kaltem Hohne:Warst Du vielleicht ein unmündiges Kind, Matthey, daß Du nicht selbst Entschlüsse fassen konntest, ob Du Deinen kostspieligen Passionen sröhnen oder entsagen wolltest? O, verschone mich mit Demen reumüthigen Empfindungen, dergleichen Ergüsse sind mir ver­haßt. Gefällt es Dir nicht, mit mir weiter zu handeln, um uns zu retten, so gibt es nur zwei Mittel, um den drohenden Gefahren zu entgehen, fchleunize Flucht nach Afrika oder Amerika oder Selbstmord. Du mußt Dich aber bald ent­scheiden, welches Mittel Du wählen willst, wenn Du meinem Vorschläge nicht folgen willst, denn die Gefahr ist im Verzüge. Von den falschen Wechseln ist einer noch nicht bezahlt und spätestens in acht Tagen muß auch er unschädlich gemacht werden, sonst kommt es an den Tag, daß der Maler Matthey, des Commerzienraths Homberg Neffe, falsche Wechsel auf seines Onkels Namen gemacht hat und dieser Umstand wäre ein sehr fataler Fingerzeig für die Staatsanwaltschaft, den Raubmörder in Deiner Nähe zu suchen."

Was verlangst Du also noch von mir?" frug Matthey in barschem Tone. m . ,

Ich brauche noch zehntausend Mark, um Alles zu be­gleichen," erwiderte Durau und seine Luchsaugen glänzten unheimttch. _taufenb ^rk?" rief Matthey zurückweichend. Ich denke, daß die Hälfte auch genügt. Wozu soll ich Dir noch fünftausend Mark mehr schaffen?"

Nun, wie Du weißt, Matthey, braucht der Mensch immer Geld und zwei waghalsige Männer wie wir haben das Geld erst recht nöthig. Mir wird es auch offenbar zu heiß hier im Lande, ich bilde mir ein, daß man mich beobachtet, mir schien es sogar, als wenn ein Geheimpolizist mich be­obachtet hätte, als ich hier in» Haus eintrat. Schaffe al o bald Geld, damit der Wechsel bezahlt und mir der Weg ins Ausland geebnet wird. Willst Du auch mit in die Ferne ziehen, so wäre mehr Geld nothwendig, denn mit fünftausend Mark'kommt man nicht weit."

Aber Mensch, wo soll ich solche Summen jetzt hernehmen?