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daß junge Kräfte mit neuen Gaben und Talenten aufstehen, die alten zu verdunkeln."

Dank Euch, Hochwürden, für die wohlmeinenden, gütigen Worte," erwiderte Bardenstein.Was Ihr mir sagt, hab' ich bereits erfahren und empfunden. Soll ich aus Furcht vor Neid, Mißgunst und Bosheit Das bei Seite stellen, was ich als geistiges Erbe von meinen Vätern überkam? Ich denke: beffer Neider als Mitleider I"

So fei es und habt Dank für den schönen Sang," sprach der Hofprediger, indem er dem Jüngling kräftig die Hand drückte.

Desselben Abends, mehr noch die folgenden Tage, sprach man viel von Bardenstein, seiner Kunst und seinen Leistungen. Fast alle Männer waren ihm nicht wohl gesinnt.Kommt da so ein homo novus hierher," sprachen sie unter einander, versteht kaum etwas vom schweren Dienste, behandelt Alles mit einem Humor, als gelte es eine Parthie Brettspiel, wäh­rend wir erfahrenen Männer wissen, wie groß die Mühe ist. Solchem jungen Grünschnabel muß man Knüppel zwischen die Beine werfen, auf daß er der Schwierigkeiten etliche auf dem Wege findet und spüret, daß man fich nicht ungestraft und als Neuling in ein fremdes Fürstenthum eindränget."

Eine viel beffere Gestnnung fand der junge Rentmeister bei den Frauen: jüngeren und älteren. Eigentlich gab es in der Landgrafschaft nur ältere und ganz junge, letztere noch nicht der Schule entwachsen. Zu den älteren, unverheiratheten Damen gehörten drei Jungfrauen: Alwine, die Tochter des Kanzleirathes Holthäufer, eine stattliche, große, üppige Jung« frau mit vollem, blondem Haarwuchfe, runden Wangen, blaß­blauen Augen, kräftigen Händen und Füßen, im Alter von achtunddreißig Jahren oder etwas darüber. Die zweite Jung« frau war: Malwine, die Tochter des Forstmeisters, etwa ebenso alt wie die Vorige, doch um eines Kopfes Länge kleiner. Drs Gesicht hatte eine bräunliche Farbe, die Nase brach etwas stumpflich ab, das Kinn verschwand fast ganz unter dem sich hervordrängenden Doppelkinn. Der Gang Malwinens hatte etwas Stoßendes, denn die Dame trat zuerst mit dem Absätze auf, wobei das Kleid auf den Boden aufstieß und die stapfen­den Bewegungen der Eigenthümerin mitmachte. Die dritte Jungfrau hieß Helmine und war die Schwester des gestrengen Herrn Justizcommisiars. Helmine war so groß wie Alwine, doch viel schlanker. Kein Tröpflein Blut war in ihren sanften Gestchtszügen zu erblicken, aus dem zwei wafferblaue Augen herausschauten wie zwei Vergißmeinnichtblümlein aus einer Taffe Milch. Aschblondes Haar zierte Helminens Haupt. Sanft und ruhig waren alle Bewegungen der Jungfrau, weich und lispelnd fielen ihre Worte in die Ohren der Hörer wie lauwarmes Zuckerwasser auf die Zunge eines Durstigen. Hel­mine, die ebenso jung sein wollte wie ihre Freundinnen, oder gar noch etwas jünger, war in Allem der schärfste Gegensatz zu ihrem Bruder, deffen Bewegungen rasch, eckig, herrisch, deffen Gestchtszüge tief eingegraben und unregelmäßig waren. Die Geschwister hatten stets Gegensätze und Meinungsverschieden­heiten zu begleichen, ohne uneinig zu werden, weil Helmine in ihrer Sanftmuth und Weichheit stets nachgab. Helmine liebte Porste und Gedichte, denen der Commiffarius aus dem Wege ging, wie der Dieb dem Häscher. Süßigkeiten und Näschereien liebte Helmine über Alles, dem Commiffarius waren sie ein Greuel. Ihm kam es nicht darauf an, sich mit Stiefeln und Sporen längelang auf das Sopha zu legen, wenn er einmal ermüdet von einer Reife zurückkam. Dann jammerte Helmine wegen des Durcheinanders zum tausendsten Male, aber stets mit gleich geringem Erfolge. Gingen die drei Freundinnen Alwine, Malwine und Helmine gemeinschaftlich aus, um einen Spaziergang oder einen Besuch zu machen, dann hielt sich Al­wine zur Linken und Helmine zur Rechten der kleinen dicken Malwine, denn so konnten sich die drei Freundinnen am ge­schicktesten verständigen.

Es ist doch ein recht geschickter, lieber Herr, dieser neue Rentmeister," begann Alwine die Unterhaltung, welche die drei Freundinnen auf ihrem Gange nach Echzell, wo Frau Magister und Pfarrer Soldan besucht werden sollte, mit einander führten.

Mich däucht, der Herr hat Einiges in sich, was Andere nicht besitzen."

Aber Alwine I" entgegnete Helmine mit sanftem Vor­wurfe,welch' aufrichtige Rede führst Du da; einrecht ge­schickter, lieber Herr!" Wenn das Andere gehört hätten, was würden sie sagen."

Helminchen, liebe Freundin," versetzte Alwine etwas auf­geregt,darf man denn gar kein offenes, deutsches Wort mehr sprechen. Wir sind hier unter uns und im freien Felde, mit­hin können Wände keine Ohren haben."

Ja, Alwinchen, Wände sind nicht vorhanden, aber Winde, welche die Worte weiter wehen können," flüsterte Helmine.

Wie unsere Freundin poetisch wird," spottete Malwine. Höret nur: Wände nicht, doch Winde, welche Worte weiter wehen, ist da« nicht offenbarer altdeutscher Stabreim 1 Helmin­chen, Du schwärmst, Dein weiches, poetische» Gemüth ist von einem erhabenen Gedanken oder einem besonders tiefen Gefühle erfaßt, ich sah es sogleich bei unserer Begegnung in Deinen Augen und Gesichtszügen." (Fortsetzung folgt.)

Werthers Schatten.

Novelle von Carl Cafsau.

(Fortsetzung.)

Nach einer Woche hatte Werther mit Gröhlmann auch die Insel Norderney erreicht und ein Unterkommen bet einem alten Fischer, Clas Kasten, gesunden. Als Werner zum ersten Mal über die Watten dem Meere zugewandert war und die große dunkelgrüne, leichtbewegte Wasserwüste vor sich sah, ließ er den Blick über die weite Fläche streifen und dachte melancholisch:

Weich' ein Anblick, wie öde! Gleicht das Meer nicht meinem Leben? Und die Monotonie de« Wellenschlags am Ufer, hat sie nicht Aehnlichkeit mit der Abwicklung meine« Tagewerkes! Wo sind die erträumten Ideale geblieben? Zerstoben, wie dort am Ufer Welle auf Welle zerstiebt!"

Die Seebäder kräftigten indeffen Werther an Leib und Geist; er ward heiterer, mittheilsamer und unterhielt sich sogar öfter mit seinen Wirthen. Auf die Frage, ob da« Ehe­paar keine Kinder gehabt, ergriff Clas Kasten den Südwester und eilte schleunigst ans Meer, die Alte aber, Frau Kathi, erzählte Werther eine lange Geschichte von einem einzigen Sohne und deffen unglücklicher Liebe, die ihn in den Tod getrieben.

Werther konnte e« nicht weiter hören, und er unternahm rasch einen weiten Spaziergang. Der alte Schmerz meldete sich nochmals, dann ward Werther aber nach und nach ruhig.

Eines Tages wandelte unser guter Freund wieder am Meeresufer hin und hier. Er dachte über jene Zeit nach, al« die Insel noch zum Festlande gehörte und wie es hier damals ausgesehen haben mochte. Da plötzlich stand vor ihm Laura Busch.

Ein Schrei, ein Ruf der Ueberraschung klang aus Pauls Munde und beide stehen sich zu Tode erschrocken gegenüber.

Es ist offenbar der Wille Gottes," begann Werther düster,daß wir uns wiedersehen!"

Sie zürnen mir?" sagte die Frau Amtmann dann und sah ihn mit den großen Rehaugen treuherzig an.

Ich Ihnen?" rief er ihre Hand erfaffend.Laura, wie können Sie so fragen! Ich liebe Sie noch heute!"

Armer Freund!" flüsterte sie.

Ja, sehr, sehr arm bin ich!" antwortete er schmerzlich.

Die kluge Frauennatur Laura« errang über den leiden­schaftlichen Mann aber schnell da« Uebergewicht. Eine lange Geschichte ihrer Krankheit erzählend, worauf er begierig horchte, führte sie ihn allmälich dem Orte wieder zu und hier an­gesichts der Badegäste schloß sie dann:So schickte der Arzt mich hierher! Paul begleitete mich! Vorgestern kamen wir