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Jnfecten ohne Umstände auf den Möbeln und den tapezierten Wänden zu erschlagen.

In dem ziemlich großen Gemach herrschte eine grenzenlose Unordnung. Tische und Stühle waren mit Carton«, Hüten und Kleidern bedeckt- Auf dem Kamin standen neben einem Bilde der sixtinischen Madonna eine Flasche Ungarwein, meh­rere Schachteln mit candirten Früchten und ein Paar neue Stiefeletten. Bonbonspapiere lagen zerstreut auf dem faden­scheinigen Teppich umher und ein augenscheinlich in größter Hast abgestreiftes Seidenkleid ruhte friedlich daneben. Alle Schiebladen und Fächer der Commode waren weit geöffnet und Jedermann war ein Einblick in ein wunderliches Chaos von Bändern, Kragen, Handschuhen und tausenderlei anderem Krimskrams gestattet.

Frau von Bielinska wälzte sich unbehaglich auf dem Divan von einer Seite zur anderenGib mir mein Riechfläschchen, Bronislawa," seufzte sie,aber rasch, ich ersticke! Diese Hitze ist unerträglich. Was habe ich heute ausgestanden bei der Procefsion, es ist nicht zu beschreiben, und wenn ich darüber jammerte, lachte mich die Gräfin aus. Ja, die hat Nerven, ich sage Dir, Nerven wie Bindfaden so stark, und nichts nichts kann diese Frau derangiren. Sie war wie von Stahl und Eisen, während mir übel und schwindlig wurde. Aber ich mußte mit, immer mit durch den himmelhohen Staub, durch das dichte Menschengetümmel; Jesus Maria, es war gräßlich!" ,

Die Kammerfrau nickte zustimmend und seufzte mit. Da hörte man plötzlich eine Thür irsis Schloß fallen und ein leich­ter Schritt erschallte im Hausgang. Wie electristrt fuhr die Edelfrau empor, ihre Augen strahlten förmlich auf.Das ist die Comteß," sagte sie lächelnd,und weißt Du, Bronischa, der süße Engel wird in Kurzem meines Sohnes Frau. Aber sperre doch Deinen Mund nicht so gewaltig auf, Du Gans, es ist wahr und zu verwundern gibt es darüber nichts. Ja, ja, dann wird in Lygotta ein herrliches Leben sein. Schmul werden wir los und das Rechnen und Sparen hat ein Ende. Ich kann dann meine Toiletten direct aus Paris beziehen, denn wir werden natürlich alle Jahre ein Reise in'« Ausland machen. Ach ja, Paris will ich sehen, das herrliche Paris, und mein Sohn muß mir schwören, daß ich von dem Tage seiner Hochzeit an meine Odeurs und Konfitüren aus dem un­übertrefflichen Frankreich verschreiben darf! Himmlische Maria, wäre es nur erst so weit!"

Die kleine, kugelige Dame blickte vergnügt um sich her, dehnte sich behaglich und ließ sich von Bronislawa einen großen Bonbon in den Mund stecken. Dann schloß sie die Augen, um halb wachend, halb schlafend von Reisen, Toiletten, Confitüren und Wohlleben zu träumen-

Es war schon gegen Abend, als Roman wieder auf dem Edelhose anlangte. Pavel sprang herzu, half ihm beim Ab­steigen und nahm sein Pferd in Empfang, um es in den Stall zu führen. Als er nach seiner Mutter fragte, erhielt er den Bescheid, die gnädige Frau fei schon vor zwei Stunden mit den fremden Gästen von Czenstochau zurückgekehrt, die Herr­schaften hätten Mittagbrod gegessen und befänden sich nun in ihren Zimmern, um zu ruhen- Roman zuckte die Schultern und blickte in den Regen hinaus. Sein Gesicht war blaß und um den Mund lag ein müder Zug. Er stand eine Weile be­wegungslos, dann nahm er den Hut vom Kopfe und stäubte die nassen Tropfen davon ab, doch gleich darauf preßte er beide Hände an die Schläfen, als fühle er dort einen Schmerz.

Hinter ihm im Hausgange erschallten Schritte und das Raffeln eines Schlüsselbundes. Als er sich umwandte, stand Michalina vor ihm- Sie blickte besorgt auf ihn hin.Jesus, Pan Roman," sagte sie,wie sehen Sie aus, Sie sind ja platschnaß wie ein Fisch. Kommen Sie rasch in die Stube herein, es zieht hier im Flur und Sie erkälten sich!"

Er nickte zerstreut, aber antwortete nicht. Langsam schritt er an ihr vorüber ins Treppenhaus.

Die alte Köchin trippelte plaudernd neben ihm her.Die Herrschaften haben eine Weile mit dem Diner auf Sie ge­wartet, Pan Roman! Sie waren todtmüde, als sie heimkamen,

und ganz verstäubt und abgespannt. Na, und die gnädige Frau, die sah gerade aus, als wolle der Schlag sie rühren, o purpurroth war sie und so verärgert. Jetzt liegen sie Alle auf ihren Kanapees und schlafen wie die Murmeln. Möch. ten Sie nicht ein Bischen essen, Pan Roman? Ich habe Ihnen Ihr Lieblingsgericht warm gestellt, Schleie mit Petersilie und Butter. Ich will in die Küche springen und Ihnen das Essen chnell auftischen!"

Meinetwegen," klang es gleichgiltig zurück. Die Alte nickte erfreut und trippelte hinaus-

Roman trat in den Familiensalon, zog' einen Sessel an's offene Fenster und sank hinein. Er strich mechanisch mit der Hand über fein feuchtes Haar und sah in den stillen Garten sinau«, auf welchen ohne Unterlaß der Regen herabplätscherte. Im Hause war er still, wie verödet, man hörte keinen Laut, >abei herrfchte eine gewitterhaft schwüle Luft darin, wie draußen n der Natur.

- Roman fühlte sich ermüdet; er lehnte den schmerzenden Kopf zurück und schloß die Augen. Er war stundenlang im glühenden Sonnenbrände über die Felder und Fluren geritten und dann im strömenden Regen. Später hatte er am Wald­saume unter den tropfenden Föhren gerastet und da war Ruhe über ihn gekommen. Und als das feierliche Glockengeläut? vom Jasnagora über die weite Landschaft zog und mit sanf­tem Hall zu ihm herüberschwebte, da hatte er den Hut vom Kopfe genommen, die Hände darüber gefaltet und seine Lippen hatten ein inbrünstige«, aber gar wunderliches Gebet gestam« melt ein stilles Gelöbniß.

Denn nach langem und schwerem Kampfe war es endlich zur Klarheit in seinem Innern gekommen. Die Zweifel, Be­denken und Erwägungen waren geschwunden und die Liebe hatte den Sieg errungen. Mochten auch seine Standergenossen höhnisch die Achseln über ihn zucken und die Mutter zürne» und schelten, er wollte von nun an die Geliebte auf den Platz stellen, der ihr gebührte - auf den sie ein heiliges Recht hatte durch seine große, Alles überwindende Liebe. Jadwiga gehörte zu ihm untrennbar auf ewig. Mehr wie je war ei ihm heute in den langen, einsamen Stunden klar geworden, daß für ihn die Welt tobt und leer war ohne sie. Und er wollte kein Feigling mehr sein, um ihretwillen wollte er tapfer einem arbeits- und sorgenvollen Leben entgegengehen und lieber mit Armuth und Dömüthigung kämpfen, als Reichthum, Ehre und Wohlleben mit einer Anderen genießen. Und sie, Jad­wiga, das warmherzige, thatkräftige Mädchen, würde sicher mit ganzer Seele an seiner Seite stehen und sein Schicksal muihig mit ihm theilen.

Minute nach Minute verrann. Es hatte mit Regnen aus- gehört und leichte, graue Abenddämmerung brach herein, lieber Roman war ein sonderbarer Zustand gekommen, ein fieber­haftes Schlummern und Träumen. Auch seine Hände be­wegten sich in unruhiger, nervöser Hast. Trotz eine» unsäg­lichen Glücksgesühls in seinem Herzen legte sich die Ahnung kommenden Unheils beängstigend und lähmend auf sein Hirn und bedrängte ihm die Brust wie ein schwerer Alp.

Ein Geräusch an der Thür rüttelte ihn auf. Michalina kam in's Zimmer. Sie trug eine Platte mit Tellern und Schüsseln. Pavel folgte ihr mit einer Flasche Wein.

Nun essen und trinken Sie, Pan Roman," bat sie- Sehen Sie, die Fische dampfen und vom Rehbraten habe ich auch ein saftiges Stückchen aufgewärmt!" ,

Pavel hatte den Salon wieder verlassen. Michalina brei­tete ein Tuch auf den Tisch und setzte die Speisen darauf. Der junge Edelmann rührte sich nicht.

Wollen Sie nicht essen, Pan Roman?" Quäle mich nicht, ich habe keinen Hunger!" Keinen Hunger? Na, das ist schön. Keinen junger, wenn man den lieben ganzen Tag nichts gegessen hat. Ach, Herrgottchen, dann sind Sie krank, Pan Roman!"

Er machte eine abweisende Bewegung.Nur ein wenig Kopfweh, Michalka - sonst nichts. Thu' mir den Gefallen und laß mich allein." , c ,

Die Alte schüttelte den grauen Kopf.Na ja, da haben