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Donnerstag, den 22. Marz.
Die Wallfahrt nach Czenstochau.
Roman von Johanna Berger.
(Fortsetzung.)
Gleich darauf trat Jadwiga wieder in die Stube des Alten und reichte ihm die Hand. „Leb' wohl, Vater," sagte sie leise, „Gott behüte Dich!"
Er faßte ihren Arm. „Was willst Du thun?"
„Fort will ich!" erwiderte sie.
„Fort, weggehen von mir — mich verlaffen? — Das kann Dein Ernst nicht sein. Ach, Jadwiluschka, thue es nicht, bleibe bei mir. Wie eine Prinzessin will ich Dich halten von jetzt an, nur geh' nicht fort!" Die Stimme des Alten zitterte, immer fester umklammerte er des Mädchens Arm.
Aber sie machte sich sanft von ihm los und nahm ihre Reisetasche in die Hand. „Laß mich gehen," sagte sie mit finsterem Gesicht, „ich muß fort, in Czenstochau ist meines Bleibens nicht mehr, ich kann die Menschen nicht wieder sehen, die mich so furchtbar gekränkt haben! Anderswo finde ich vielleicht ein Plätzchen, wo ich mir mein Brod verdienen kann. Darum halte mich nicht auf, es ist schon spät. Wenn ich kann, schreibe ich Dir. Und denk' manchmal an mich und wenn Du einmal hörst, daß ich gestorben bin, dann mache ein Kreuz an Deine Thür und bete für meinen Frieden."
„Ach, Seelchen, ach, goldenes Seelchen, rede nicht sol — Sterben — man stirbt nicht so leicht. Und wenn Du doch gehen willst, so gehe mit muthigem Herzen! Vielleicht wendet stch noch Dein Schicksal zum Besten und Dein Leid ändert sich in Freude. Dann ist Alles vergeffen!"
'Da» Mädchen sah ihn mit leuchtenden Augen an, denn wie eine Verheißung klangen seine Worte in ihr verzweifelndes Herz. Und nun wandte sie sich rasch zum Gehen. In der Thür blieb sie noch einmal stehen und schaute zurück. „Vater, ich bitte Dich, vergiß mein Kleinod nicht," bat sie. Im nächsten Augenblick war sie verschwunden.
Der Lieutenant sank stöhnend in seinen Seffel zurück, er schloß die Augen und kämpfte schwer, denn das Trennungsweh überwältigte ihn mit furchtbarer Gewalt.
Und gegen die trüben Scheiben peitschte der Regen und der Abendwind klagte um das Haus. Die alte, bunte Wanduhr sang wieder ihr dünnes, eintöniges „Tick-Tack" und der Kuckuck darauf rief die Stundenzahl mit heiserer Stimme ab. Es war neun Uhr; die Nacht breitete sich über das niedrige, stille Gemach und mit ihr kam die Ruhe und der Frieden.
Das Herrenhaus von Lygotta war an dem der schwarzen Madonna geweihten Tage leer und verlassen- Die Dienerschaft hatte schon vor Tagesgrauen alle Arbeit vollbracht, um nur ja nicht die Kirchenfsier, den Bittgang und vor Allem die Processton zu versäumen. Nur Michalina, die alte Köchin, war daheim geblieben, um das Haus zu hüten. Am Nachmittag stand sie sonntäglich geputzt mit dem Strickstrumpf vor der Hausthür, um dem Glockengeläuts und der aus der Ferne herüber schallenden Musik zu lauschen. Von Zeit zu Zeit blickte sie zum H-mmel empor, an dem sich langsam tresdunkles regenschweres Gewölk auflhürmte.
„Das fehlte gerade," brummte sie vor sich hin, „daß wir heute noch etwas Nasses bekommen. Wo sollten dann die armen Pilger bleiben, die schon seit gestern im Freien cam- piren. Ach, Du Herrgottchen, das wäre 'ne schöne Prostemahlzeit. Aber ich dachte es mir gleich, als den ganzen Morgen die Hähne krähten und der TyraS Gras fraß! Na, die Madonna wird schon ein Einsehen haben und den Regen verhüten, denn heute kann sie Alles, was sie will!" Michalina wurde plötzlich durch ein zischendes und prasselndes Geräusch, das aus der Küche kam, in ihren Reflexionen unterbrochen. „Heiliges Kreuz, mein Braten!" rief sie aus und nun lief sie zankend und polternd tn's Haus zurück
Bald darauf raffelte die Britschka mit Frau von Bielinska und ihren Gästen auf den Edelhof. Roman fehlte; er war gleich nach dem Hochamt auf ein entferntes Vorwerk geritten, das zum Gute gehörte. Die Herrschaften waren müoe und abgespannt von der Hitze und dem vielen Trubel. Sie zogen sich nach dem Diner sofort in ihre kühlen Zimmer zurück, um eine luftige Toilette zu machen und sich von den Strapazen dieses Tages zu erholen.
lieber dem Herrenhause brütete eine heiße, unbewegliche Luft- Im Garten wogte betäubender Blumenduft und die Vöglein saßen still und träumend auf den Bäumchen. Nur die Jnsecten gaukelten summend umher und die Eidechsen sonnten sich im Grase. Weit und breit war kein Mensch zu sehen und zu hören, denn das Dorf und die Felder lagen heute einsam und verödet da.
Die Herrin von Lygotta hatte sich in ihr Schlafzimmer zurückgezogen. Dort lag sie mit gelösten Haaren, die Füße bequem von sich gestreckt, im zwanglosesten Negligs auf dem Divan, indem sie bald ein Glas Htmbeerlimonade schlürfte, bald aus einer neben ihr stehenden Bonbonniere Confect naschte. Ihre Kammerfrau, eine ziemlich dumm aussehende Person, wehte ihr mit einem großen Papierfächer Kühlung zu. Hin und wieder unterbrach sie diese Beschäftigung, um den Fächer mit der Fliegenklappe zu vertauschen und die lästigen


