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HM Euer Wort dem Dornbauer gegeben und müßt es nun 9 Martin Straffer riß die Augen weit auf, als er diese Botschaft vernahm, und schwieg.
Darauf begann der Pfarrer: „Seht Ihr Gottes Fügung nicht, Martin Straffer? Der Mann, dem Ihr das Leben und doppelt dasjenige Eures Sohnes verdankt, ist durch Gotte- Gnade und die Gunst Seiner Königlichen Hoheit Besitzer des schönsten Hofes in ganz Schwengau geworden. Er ist jetzt ein Bauer und Ihr wolltet Euer Wort brechen? '
In des Rosenbauers Gesicht wechselten Röthe und Bläffe schnell ab. Die Sache überrumpelte ihn ordentlich. Ec gedachte des Augenblickes, als Joseph sich den beiden wilden Rappen und dem Stier entgegengeworfen, er sah ihn noch still und bescheiden, den wiedergefundenen Sohn an der Hand, vor sich stehen und fein guter Geist behielt diesmal in ihm die Oberhand. Mit Bewegung nahm er das Wort und sagte: „Königliche Hoheit, Herr Pfarrer und Sie, meine Herren, Sie alle sind Zeugen, daß ich hiermit meine Tochter Loni seierlich mit dem anwesenden Dornbauer Joseph Ropp verspreche in Gottes Namen!"
„Vater! Joseph! Loni!" klang es jetzt durch das Zimmer.
Die beiden Liebenden lagen sich in den Armen und dankten dann gerührt den Eltern.
„Aber," fuhr jetzt der Bauer fort, „wir sind noch nicht ganz fertig; ich mache zur Bedingung, daß die Hochzeit erst nach dem Aufbau meines Hauses in den neuen Räumen stattfinden darf; auch gebe ich meiner Tochter zehntausend Gulden mit als Heirathsgut. Das schreibe der Notar fest! — Ist es nun recht gemacht, Herr Pfarrer?"
Da klopfte der Prinz dem Rosenbauer auf die Schulter und sagte: „Bravo, Rosenbauer! Ihr beschämt manchen höheren Mann; so wie Ihr handelt ein rechter Bauer! Glück zu! Und zur Hochzeit bitt' ich mich zu Gast!"
Dabei schüttelte er dem Rosenbauer herzlich die Hand.
Nachdem nun noch der Notar Alles wie üblich festgestellt hatte und der Contract durch die Anwesenden unterschrieben war, winkte der Prinz. „Waitsch, meinen Wagen!"
Und dahin eilten die hohen Gäste, Hoch-Schwengau zu, begleitet von den Segenswünschen Lonis und Josephs. Der Rosenbauer aber reichte seinem zukünftigen Schwiegersöhne die Hand und sagte: „Verzeihe, Joseph, ich könnt' halt nicht anders; aber gern gehabt habe ich Dich stets; das kannst Du mir glauben!"
Joseph entgegnete: „Was ist da zu verzeihen? Laßt'« gut sein, Vater!"
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Seine alte Hütte schenkte der neue Dornbauer Joseph Ropp einem braven Tagelöhner; er selbst wohnte mit der Mutter nun aus dem neuen Besitzthum, das er weise verwaltete.
In seinen Freistunden half Joseph fleißig mit auf dem Bauplatz des Rosenhofes, führte Hacke und Karst, daß ihm der Schweiß an den Wangen herabfloß, und fcherzte dabei mit Loni, wenn sie über den Hof kam. So hatte man das Fundament und den Keller, der uralt fein sollte, bloßgelegt, als Joseph plötzlich nach einem tüchtigen Hieb in den Boden einen Wasserstrahl hoch emporspritzen sah.
„Herr Gott, der Brunnen läuft wieder!" sagte er und rief voll Freude den Bauern herbei.
Der Bauer stand sprachlos, dann faltete er die Hände und betete leise; zu Joseph aber sagte er: „Es scheint, als ob ich Dir Alles danken sollt'; nun auch den Brunnen! Die alte Zigeunerin hat damals auf dem Massest ganz recht gehabt!"
Man spürte nun der Quelle nach und fand leicht die Ursache ihres Versiegens. Durch die Hitze und Dürre war das Erdreich so zerspalten, daß der Brunnen nicht nach oben konnte, vielmehr hatte er das Erdreich durchwühlt. Dabei gerieth man an eine Vermauerung, die abgerissen werden mußte, weil sie nicht mehr sicher war. Da fand denn Martin Straffer dar, was Andere so lange vergeblich gesucht hatten und was die alte Familienchronik andeutete: den Familienschatz. Einen
hohen Kasten voll Gold» und Silbermünze» enthielt die Höhlung nebst einem Pergament, „daß Martin Straffer, Ort»- fchulz von Schwengau, diese» für seine Nachkommen wegen der schwedischen und kaiserlichen Reiterrknechte, welche wie die Raben stehlen, im dreißigjährigen Kriege hier vermauert habe."
Nun ward der Bau rasch gefördert und zur Weinernte stand der Hof fix und fertig da. Den Felsenbrunnen halte der Bauer nun fo fassen lassen, daß er vor dem neuen Hause sprudelte zum ewigen Andenken an diese seltsamen Begebenheiten.
Acht Tage nach der Einweihung de» Hauses fand die überaus glänzend gefeierte Hochzeit Josephs und Lonis statt. Der. Prinz hielt sein Wort und beehrte das Fest mit seiner Gegenwart.
Loni und Joseph wurden glücklich. Heißt e» auch bei dem Dichter: „ .
„O Menschenherz, was ist Dein Glück?
Ein räthselhaft gebor'ner Und, kaum gegrüßt, verlorener, Unwiederholter Augenblick!"
so durfte man doch hier sagen: „Ihr Glück war ohne Ende."
Der Rosenhof florirt noch heute, und seitdem Toni auf der landwirthschaftlichen Schule ist und Vater Martin zuweilen seine Enkel auf den Knieen fchaukelt, ist er viel milder geworden, zumal auch der Ausübung feiner Lieblingsbeschäftigung, der Jagd, nichts mehr im Wege liegt; der Prinz hat dem Rosenbauer auf Josephs Ansuchen eine Jagdgerechtigkeit in den Schwengauer Forsten abgetreten.
Zwei Fliegen aus einen Schlag.
Eine amerikanische Geschichte.
Nach dem Dänischen von Friedrich von Känel.
(Nachdruck verboten.)
„Entschuldigen Sie, Herr Forster! Darf ich Sie für einen Augenblick um eine Unterredung unter vier Augen bitten?"
„Treten Sie näher!"
Und gleich darauf befanden sich die Beiden im Privat- Comptoir de» Handelshauses Forster.
„Was wünschen Sie?" fragte der Chef. „Ich nahm an, unsere gegenseitige Rechnung sei in Ordnung gebracht."
„Das ist sie, Herr Forster, das ist ste, und wie Sie selbst zu äußern beliebten, zu Ihrer vollständigen Zufriedenheit."
„Aber was wünschen Sie denn noch?"
„Ich möchte Sie um die Hand Ihrer Tochter ersuchen."
„Was beliebt? Die Hand meiner Tochter? Habe ich Sie recht verstanden? Ist das Ihre Meinung, junger Mann? — Gut! Ich kann nicht leugnen, daß Ihr Wunsch etwas Großartiges an sich hat. Der jüngste Comptoirist des Hauses Behrens in Chicago kommt in geheimer Sendung nach London, führt — das muß ich einräumen — seine Aufgabe mit einer nicht gewöhnlichen Geschicklichkeit aus, weshalb ich ihm auch ohne Vorbehalt meine Zufriedenheit ausspreche, und führe ihn gegen meine sonstige Gewohnheit in meine Famflte ein; er speist bei mir, musizirt mit meiner Tochter, fährt am Nachmittag mit uns aus'» Land, nimmt für immer Abschied und — steht einen Tag darauf vor mir und ersucht mich um die Hand meiner Tochter. . . . Wissen Sie denn eigentlich schon, daß meine Tochter drei Millionen Dollar werth ist, während Sie kaum etwas Anderes besitzen, als Ihre Keckheit und Ihr frisches Gesicht? Na, ich verzeihe Ihnen den Scherz. Grüßen Sie mir Herrn Behrens! Glückliche Reife!"
„Wollen Sie mir noch ein paar Worte erlauben, bevor wir uns trennen? Würden Sie mir wohl die gleiche Antwort gegeben haben, wenn ich nicht ein unbemittelter Comptoirist gewesen wäre? Würden Sie wohl, so frage ich noch einmal, mir die gleiche Antwort gegeben haben, wenn ich die Ehre gehabt hätte, mich Ihnen al» Aflocie de» Hauses Behrens, da» 15 Millionen Dollar werth ist, vorzustellen?"


