Donnerstag, den 22. Februar.
1894,
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Der Rosenhof.
Novelle von C. Western.
(Schluß.)
Am frühesten Morgen stand vor dem Lager des noch schlafenden Joseph dessen Mütterchen. Helle Thränen liefen ihr über die runzeligen Wangen, als sie den Geburtstagsstraub leise auf das Bett und die schöne silberbeschlagene Pfeife nebst Tabak auf den Tisch legte. Auf den Strauß band sie dann noch ein gedrucktes Sprüchlein, welches lautete: „Hoffe auf den Herrn, denn er wird's wohl machen I"
»Ja, so geschehe es!" seufzte sie dann und schlich hinaus.
Die durch das Fenster in die Kammer fallenden Sonnen« strahlen küßten Joseph zur rechten Zeit wach. Als er den Strauß, die Pfeife und das Sprüchlein sah, da sagte er innig und gerührt: „Mein guter, guter Mütterle!"
Darauf faltete er die Hände und betete.
Dann gedachte Joseph der Auftrages vom Prinzen. — Hurtig warf er sich in die Kleider, begrüßte fein Mütterchen, dankte ihr für die Geburtstagsgeschenke und nahm die Morgensuppe ein.
Joseph ivartete dann auf den prinzlichen Wagen. Pünktlich fuhr dieser auch vor, aber der Leibjäger saß allein hinten auf. Joseph stand schon in der Thür, als der Leibjäger rief: „Herr Dornb'au . . . ., nein, Herr Ropp wollte ich sagen, Seine Königliche Hoheit befehlen, daß. Sie gleich mitfahren!"
„Ich bin bereit," erwiderte Joseph. „So will ich mich bei den Kutscher auf den Bock setzen!"
„Nicht doch, Herr Ropp, Sie sollen im Wagen Platz nehmen!" bemerkte der Leibjäger sehr höflich.
„Das paßt sich doch gar nicht für mich!" entgegnete Joseph.
„Bitte, steigen Sie nur ein, wir haben Eile I Seine König« liche Hoheit hat es so befohlen!" erklärte der Leibjäger.
„Nun, dann muß ich schon gehorchen," meinte Joseph und der Wagen fuhr geradewegs dem Dornhofe zu.
Es war ein stattliches Gehöft, wie es sich Joseph wohl gewünscht hätte. Wie freundlich das Herrenhaus dort winkte, und wie schmuck die Scheune und Ställe da standen. Aber was war denn das? — Knechte, Mägde und Tagelöhner des Hofes standen in langer Reihe im Sonntagsstaat da, seidene bunte Bänder an Rechen, Spaten und Karsten, und empfingen den einfahrenden Wagen mit lautem Jauchzen.
Vor der Thür des Herrenhauses aber stand ein städtisch gekleideter Mann, der ein große« Buch unter dem Arme trug.
Der Leibjäger winkte und sagte zu Joseph: „Gehen Sie nur dort hinein, Herr Ropp, der Prinz ist im Hause!" Und jetzt riefen Alle: „Unser neuer Herr, der Dornbauer Joseph Ropp, lebe hoch!"
Joseph war ganz betäubt und wußte noch nicht recht, was das Alles zu bedeuten hatte. Als er nun in's H >us schreiten wollte, verneigte sich der an der Thür stehende Mann mit dem Buche vor ihm und sagte: „Herr Joseph Ropp, hiermit übergebe ich Ihnen das Rechnungsbuch über die seit dem dritten dieses Monats gesührte Wirtschaft des Gutes. Genehmigen Sie gefälligst, das Ganze zu prüfen!"
„Sie irren sich gewiß, ich bin nicht Besitzer dieses Hofes, sondern ich wünsche zu Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Adalbert zu kommen, zu dem ich gerufen bin!' erwiderte Joseph abweisend..
„Hier bin ich!" rief plötzlich die wohlbekannte Stimme des Prinzen und gleichzeitig trat er heraus. „Sie finden mich hier durchaus in Ihrem Eigenthum, lieber Ropp! fuhr der Prinz dann lachend fort. „Ich schenke Ihnen oas Gut des Dornbauern und hoffe mit dieser Schenkung Ihr Glück zu begründen!"
Sprachlos, ja, wie erstarrt stand der Angeredete da. Er nahm willenlos den Notariatsact, den ihm der Intendant de« Prinzen jcht entgegenhielt; regungslos ließ er sich den Ver- kaufsabfchluß und die angehängte Schenkungsurkunde des Prinzen vorlesen. Dann las er selbst und es war ihm, als wäre er es gar nicht, der lese, als handelte es sich um einen ganz Anderen. Plötzlich wurde er kreideweiß und brach zusammen. Die freudige und dankbare Erregung war bei Joseph so groß, daß er, als er nach Worten rang, um seinem Danke und sslutzv-Kreude Ausdruck zu geben, von einer Ohnmacht befallen wurde.
Joseph erholte sich aber bald und mit zitternder Stimme sagte er: „Königliche Hoheit, wie soll ich Ihnen danken für die große Gnade, die Sie mir mit diesem großen Geschenke erwiesen. Meine Rede ist zu schwach, um meinem Dank in Worten Ausdruck zu geben. Mein Herz fühlt ewig Dank für Siel"
„Ach, lassen Sie das gut sein," meinte der Prinz gerührt und reichte Joseph die Hand. „Sie retteten mir einst das Leben und ich versuche dafür, Ihr Lebensglück zu begründen, wie Sie es schon lange verdienen. Auch ich bin Janen zu Dank verpflichtet!"
Allen stanken die Thränen in den Augen, als sich diese herzliche Scene zwischen dem fürstlichen Herrn und dem schlich- ten Joseph Ropp abspielte.
„Run soll aber auch mein liebes Mütterchen kommen und


