Ausgabe 
21.7.1894
 
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um sich und griff mehrmals nach seinen Taschen, als fürchtete er, daß sich in dieser Einsamkeit Jemand heranschleichen könne, um einen kühnen Griff zu thun. Er fühlte sich sehr un­behaglich und sein Unbehagen wuchs noch, als er eine steile, halbverfallene Treppe emporklomm und einen langen, dunklen Gang, angefüllt mit unangenehmen Dünsten und widrigen Ge­rüchen, betrat, an deffen Ende eine kleine Petroleumlampe mehr Qualm als Licht verbreitete. Diese Lampe erlosch aber in demselben Augenblicke, als Peter Kilian fest aufzutreten begann und sein Schritt auf der schadhaften Diele knarrte- Der Detectiv schien darauf gefaßt gewesen zu sein, denn er rief, ohne stehen zu bleiben, mit lauter Stimme:Heda. An­zünden. Wer heißt Euch aurlöschen?"

(Fortsetzung folgt.)

Gemeinnütziges.

Vorsicht bei Verwendung von Speiseresten ist ge­rade während der jetzigen Sommerszeit eine sehr ernste Pflicht unserer Hausfrauen. In ihrer Hand liegt zunächst das Wohlbefinden ihrer Angehörigen. In den meisten Fällen wird die Veranlaffung zu Erkrankungen den Einflüffen der Witterung beigemeffen, während sie jedoch im Sommer sehr oft in dem Genuß sich zersetzender Nahrungsmittel zu suchen ist. Wir führen im Folgenden verschiedene Speisen an, deren Verwendung bei heißem Wetter große Vorsicht erheischt: Fische, sowohl im rohen, wie im gekochten und gebratenen Zustande bewahre man nicht länger auf, als von Mittag bis zum Abend. Am folgenden Tage genossen, rufen sie sehr oft die schlimmsten Erkrankungen hervor. Dasselbe gilt auch vom Genuß der Krebse. Büchsen- conserven sind nach jedem Gebrauch sofort luftdicht zu verschließen. Sardinen in Oel und Hummern werden am besten, wenn die Büchse einmal geöffnet ist, nicht mehr ausbewahrt. Jede Haus­frau sollte darauf halten, daß Ueberbleibsel von gekochtem oder gebratenem Fleisch, sowie Milchspeisen und dergleichen sobald als möglich ihre Verwendung finden. Hat auch der Genuß verdorbener Speisen nicht immer schwere Erkrankungen zur Folge, so treten doch in den meisten Fällen Verdauungsstörungen ein. Bemerkt sei noch, daß das Verschenken verdächtig aus­sehender oder riechender Speisereste an unbemittelte Personen gewissenlos und strafbar ist. Was nun dem Menschen schädlich, ist auch dem Vieh nicht zuträglich, weshalb dergleichen verdorbene Speisereste sofort der Vernichtung anheimfallem müssen. Jede ökonomische Hausfrau wird sich vor diesem Verlust zu schützen wissen, wenn sie beim Einkauf und der Zubereitung auf den schnellen Verbrauch bedacht ist.

Marmelade von sauren Kirschen. Auf ein Pfund Kirschen ein halber Pfund Zucker. Die Früchte werden ent­steint, mit etwas Essig und Wasser ganz weich gekocht, durch­geschlagen und mit etwas geläutertem Zucker so lange gekocht, bis die Marmelade dick genug ist, was man an einer kleinen Probe sehen kann. Ist sehr haltbar.

Grüne Wallnüffe in Zucker. Junge, unreife Nüsse, die inwendig noch weich und ohne die holzigen Kernschalen find (man erprobt dies beim Durchschneiden einer großen Nuß), werden, nachdem oben und unten ein dünnes Scheibchen ab­geschnitten ist, an 3 bis 4 Stellen durchstochen, 4 bis 6 Tage in frisches, täglich erneuertes Wasser gelegt. Dann läßt man sie in viel Wasser kräftig aufkochen, gibt sie zum Abtropfen auf ein Sieb, dann wieder ca. 5 Minuten in frisches, siedendes Wasser, wiederholt dies nochmals, kocht nun die Nüsse darin nebst ganz wenig Salz, bis ein Stecknadelknopf mit leichtem Druck eindringen kann, und legt sie nochmals 1 bis 2 Tage in frisches, öfter gewechseltes Wasser. Dann läßt man sie gut ab­tropfen und pflegt darnach auch in jede Nuß eine Nelke und

Stiftchen von Zimmt und kandirter Orangenschale oder Citronat zu stecken. Da hierbei jedoch die Schale verletzt wird, so gibt man die Würzen, besser gröblich gestoßen, beim letzten Auf. kochen hinzu; gerne fügt man alsdann auch Citronat u. dgl. in größeren Stücken bei, die dann auch apart als beliebte Conferve dienen. Auf 2530 Nüsse (ca- 1 Pfd.) kocht man nun 3 bis 4 Taffen Zucker dünnflüssig, die Nüsse darin noch 2 bis 3 Minuten und stellt sie bis zum nchsten Tage kalt. Dann läßt man sie abtropfen, die Brühe syrupähnlich einkochen, dis Nüsse darin nochmals 2 Minuten still sieden und gibt sie in die Behälter. Danach wird die Brühe zu dickem Syrup eingekocht und etwas abgekühlt über die Früchte gefüllt. Da diese selbst nicht saftig sind, muß die Brühe reichlich zum Nachsüllen vorhanden fein. Sollten die äußeren Schalen sich etwas abblättern, so schäle man diese behutsam sehr dünn und glatt ab, da sie die Brühe trüben- Diese Abfälle dienen noch als Beigabe zu Marmelade, Pasten rc.

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Grüne Wallnüsse in Essig und Zucker. 30 Nüsse, genau wie oben vorbereitet, gewässert und gekocht, dann nur abgetropft, event- mit Nelken und Zimmtstiftchen besteckt, oder dieses Gewürz wie oben angewandt, werden in eine kochende Brühe von 3 Tassen Zucker und zwei Tassen Essig gegeben, noch ca- 5 Minuten gekocht und eingefüllt. Nach 8 Tagen wird die Brühe nochmals abgegossen, syrupähnlich eingekocht, etwas abgekühlt hinzugegeben und einfach verschlossen.

Vermischtes.

Brautwerbung. Eine eigene Art von Brautwerbung besteht bei den tschulyantschen Tataren. Hat ein Mädchen auf das Herz eines Jünglings Eindruck gemacht, so begibt er sich mit einer neuen chinesischen Thonpfeife, die wohl gestopft ist, in das Haus feiner Angebeteten und entfernt sich wieder, ohne feine Werbung anzubringen. Nach einer Viertelstunde kehrt er zurück, findet er feine Pfeife angeraucht, so ist dar Mädchen geneigt, im anderen Falle verliert er kein Wort, um keine abschlägige Antwort zu erhalten.

Aus der Kaserne. Unteroffizier (zum Soldaten, der Arrest bekommen):So, jetzt können Sie 10 Tage Höhlensex markiren!"

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Höhere Kochkunst. Lehrerin:Wie bereitet man Boullion, Fräulein von Spatz?" Fräulein von Spatz: Man kauft eine Büchse Liebigs Fleichextrakt und verfährt nach Gebrauchsanweisung!"

Ihr Spleen. Rittmeister v. D.:Nun, Kamerad, werden Sie bei Ihren derangirten Verhältnissen bald die reiche Miß Carnell heirathen?" Rittmeister v- M.:Nee; hat wie alle Engländerinnen 'n Spleen."So? Und was für einen?" -Sie will mich nicht!"

Berichtigung. Ein Blatt hatte von einem Berliner Rehtsanwalt gemeldet, derselbe sei verrückt geworden. Der Mann befand stch aber vollkommen gesund im Bade- Da die Nachricht in eine Reihe anderer Blätter überging, so gingen unterdessen bei der Familie des Anwalts von Nah und Fern Beileidsschreiben ein. Die Zeitung aber, die das Unheil ver­schuldet hatte, brachte nun folgende famose Berichtigung: Unsere Mittheilung über die geistige Umnachtung des Rechts­anwalts Dr. St. in Berlin hat sich leider nicht bestätigt."

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Dis klassische Köchin* Hausfrau (zur neuen Köchin): Die Küche ist etwas klein" Köchin:O, das thut nichts: Raum ist in der kleinsten Hütts für ein glücklich liebend Paar I"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. 2H r. Pietsch) in Gießen.