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Samstag, den 21. Juli.
Das Geheimmß der Droschke.
Von F. Hum e.
(Fortsetzung.)
Margarethe hatte den Schleier zurückgeschlagen und der Advocat gewahrte mit großer Verwunderung, daß sich ihr feines, zartes, schönes Gesicht geändert habe. Ein fester, beinahe harter Zug von Energie hatte stch darin festgesetzt. Es war keine Spur von Thränen an ihren blitzenden Augen zu entdecken. Doctor Philipp Mark begann einzusehen, daß ihm Margarethe Weber in der That von großem Nutzen sein könne. Das Ahnungsvermögen einer leidenschaftlich liebenden Frau war in diesem Falle nicht zu unterschätzen.
„Und in welcher Art denken Sie Jvanyi zu retten?" fragte er fast demüthlg.
Margarethe dachte eine Weile nach, während sie sinnend vor sich sah.
„Vor Allem muß ich Ihnen gestehen, Herr Doctor, daß ich Desiders Behauptung, er schweige um meinetwillen, nicht verstehe. Er gibt keine Geheimnisie in meinem Leben. Ich weiß aber, daß er am 27. Mai um elf Uhr Abends unsere Villa verließ. Er hatte die Absicht, in den Club zu gehen, um einige Briefe, die er erwartete, abzuholen. Das hat er mir gesagt."
„Es mag nur ein Vorwand gewesen sein," warf Doctor Mark ein.
„Nein," behauptete sie bestimmt. „Desider lügt nicht. Er hat auch seine Absicht ausgesprochen, vom Club direct nach Hause zu gehen. Als er aber in den Club kam, fand er den Brief vor und hat infolge desien seine Absicht geändert."
„Aber von wem konnte dieser Brief sein?" forschte Mark, der Margarethens Ausführungen gespannt zugehört hatte.
„Errathen Sie nicht?" erwiderte sie ungeduldig. „Von jener — Person, die ihn sprechen wollte."
„Und Sie wollen diesen Brief ausfindig machen?" rief der Advocat, fast erschreckt über die Kühnheit dieses Unternehmens. „Schwere Sache!"
„Ja, in Desiders Wohnung."
„Er kann ihn aber vernichtet haben."
„Jawohl, er kann allerlei damit gemacht haben, aber ich sage Ihnen, er hat es nicht. Ich kenne Desider ganz genau mit allen seinen Gewohnheiten. Er ist in solchen Dingen nachlässig. Er steckt die Briefe in die Tasche oder wirft sie in den Papierkorb, ohne weiter daran zu denken."
„Hm — einen solchen Brief —"
„Wir werden ihn finden," sagte Margarethe zuversichtlich.
„Der Brief könnte ihm aber auch auf dem Wege von Ihrer Villa in den Club übergeben worden sein — er geht doch bei schönem Wetter immer zu Fuß in die Stadt.^
Margarethe erschrak. Das war wohl möglich. Einen Augenblick sah sie zum Fenster hinaus, dann rief sie lebhaft: „Das können wir leicht erfahren. Roller ging mit ihm — und er kommt dort gerade wie gerufen."
Sie zog den Schleier wieder über ihr Gesicht und lehnte sich tiefer in die Kiffen des Wagens, während Doctor Mark das Zeichen zum Halten gab, rasch aus dem Wagen sprang und auf Roller zueilte.
„Grüß' Sie Gott," sagte dieser in seiner gewohnten Lebhaftigkeit, „woher kommen Sie denn?"
„Aus dem Fiaker dort," gab der Advocat trocken zur Antwort. „Ich sah Sie und wollte Sie um Etwas fragen, das für mich von Wichtigkeit ist."
„Heraus damit, lieber Freund."
„Sagen Sie, Roller, erinnern Sie sich nicht, mit Jvanyi zugleich die Villa Weber verlaffen zu haben — damals, am 27. Mai?"
„Jawohl. Wir nahmen zusammen einen Fiaker und fuhren in den Club."
„Haben Sie nicht bemerkt, ob er irgend eine Botschaft erhielt — einen Brief?"
„Nein, durchaus nicht. Es hat Niemand mit ihm gesprochen wie ich. Er war übrigens bei sehr guter Laune. Aber was bedeutet dieses Verhör?" unterbrach er sich ärgerlich.
„Ah, nichts — gar nichts," sagte Mark und eilte dem Wagen zu. „Nächstens erkläre ich Ihnen Alles."
Damit ließ er Roller stehen.
„Diese Advocaten," murmelte dieser. „Nichts aus ihnen herauszubringen — Doctor Mark ist der reine Wirbelwind."
Margarethe hatte die Rückkehr Marks ungeduldig erwartet.
„Nun?" fragte sie. ,
„Sie haben Recht: unterwegs hat er keinen Brief bekommen. Wir müffen im Club nachfragen."
Der Wagen hielt und Doctor Mark flog förmlich die Treppe hinaufrief Vorzimmer den ihm bekannten Clubdiener'. „Mein Lieber," sagte er, „erinnern Sie sich nicht, ob in der Nacht, in welcher Herr Wolski tobt im Fiaker gefunden wurde, ein Brief für Herrn von Jvanyi abgegeben wurde?"
„Das ist schon lange her," meinte Johann zögernd, steckte aber das Geldstück, welches Mark ihm gereicht, rasch ein. „Ich erinnere mich wirklich nicht."


