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beschriebenen Seiten, zwang es war ihr, als triebe sie eine tiefinnige, überwältigende Macht.

Und sie las!

Mit erbleichenden Wangen! Mit pochendem Herzen, mit zitternden Händen! Die glühenden Worte einer ersten Liebe die geheimsten Empfindungen eines reichen Gemüthes, dem Papiere rückhaltlos anvertraut. Und dann kam der jähe Schluß den jenesVergessen!" bestegelte.

Zwei große Thränen rannen über ihre Wangen.Armer Hinrik!" Also das war es, das ihn zum Menschenhasser ge­macht. Wie sie jenem Weibe grollte, das den Edelsten nicht zu würdigen verstanden hatte! Getäuscht! Betrogen! Und die armseligen blinden Menschen lachten über den Einsamen, der sich zmückgeflüchtet hatte in sich selbst! Die Sonne sank tiefer, Viertelstunde auf Viertelstunde verrann Marie merkte es nicht. Ihre Hand blätterte mechanisch die leeren Seiten weiter. Plötzlich durchfuhr es sie wie ein electrischer Schlag da stand ihr Name und eine Reihe von Seiten folgten, mit kurzen Sätzen, ost mit einzelnen Worten beschrieben.

Ihre Augen hingen an diesen, als wollten sie die Schrift­züge in sich aufsaugen. Ihre Brust wogte, ihre Pulse stürmten, ein glühendes Roth färbte ihre Schläfen das war, nein das konnte kein Zweifel fein Vetter Hinrik, der schroffe, kalte, selbstquälerische Mann liebte sie, liebte sie mit einer Gluth, die ihr das Blut fiebern machte. Ihre bebende Hand vermochte kaum noch die Seiten umzuschlagen. Da kam die letzte. Wie ein Aufschrei leuchtete es ihr daraus entgegen: Marie! Marie!" Und darunter, mit frischer Tinte, als feien erst Stunden vergangen, seitdem seine Hand das ge­schrieben, nur ein Wort:Verloren!"

Wortlos, eine Beute sich überstürzender Gedanken saß das junge Mädchen ab.Fräulein Martechen!"Fräulein Marie!" rief es im Garten.

Sie taumelte empor und warf einen verstörten Blick umher. Fort, fort von hier um Gotteswillen, nur fort von hier- Mit einem Sprunge stand sie auf der Schwelle des Gartenhauses, mit einem zweiten draußen. Die Thür flog ins Schloß, sie selbst mit hastigen Sätzen, dem hinteren Theile des Gartens zu. Da war ja die Stachelbeerhecke, am ersten besten Buschs kauerte sie sich nieder und preßte die Hände auf die Brust, sie drohte ihr zu springen.

Fräulein Marie!" Es war die alte Trude, die sie rief. Jetzt kam sie um die Ecke.Ach, hier sind Sie! Ja, richtig, bei dengroßen gelben!" Aber jetzt möchten Sie zur gnädigen Frau Mama kommen. Der Abendbrottisch ist fertig die Herren könnten jeden Augenblick zurückkommen!"

Das junge Mädchen warf einen erschreckten Blick zum Himmel empor, die Sonne lag wie ein gluthrother Ball am Horizonte. Wo war die Zeit geblieben. Sie erhob sich hastig. Ruhe! Ruhe! Sie mußte gefaßt, ruhig den Eltern und ihm entgegentreten keiner dürfte ahnen, was sie nun wußte und was schwer wie ein Alp auf ihr ruhte. Sie athmete tief auf: Ruhe und Fassung!

Rein, wie Du heiß bist!" verwunderte sich die gute Frau Oberamtmann, als ihr Kind mit gerötheten Wangen wieder zu ihr trat.Du Wilde! Du bist gewiß im Garten umhergelaufen wie ein rechtes Kind!"

Und dann kamen Peitschenknall und Räderrollen, die Herren waren zurück. Als man sich an den Abendbrottisch setzte, erzählte der Obcramtmann mit blitzenden Augen von der Muster-Imkerei da draußen. Fritz Gerding suchte einen Blick von Marie zu erhaschen. Auch er schien von seltsamer Unruhs bewegt. Hinrik schien gesprächiger. Er hatte einen Blick Mariens aufgefangen, der ihn heiß durchschauerte. Ein Gefühl höchster Seligkeit durchrieselte ihn einen Augenblick. Wenn es doch noch eine Hoffnung für ihn gäbe---

Trude hatte ein paar Fläschchen Rothen aus dem Keller i heraufbringen müssen. Hinrik erhob sich jetzt selbst, um für i den Onkel eine Flasche Edelwein, die lange Jahre dort unten schon ruhte, heraufzuholen. Als er wieder das Zimmer

betrat, fand er Onkel und Tante allein. Marien war es zu heiß im Zimmer geworden, sie hatte noch ein wenig draußen im Garten Luft schöpfen wollen. Fritz Gerding war sogleich aufgesprungen, um die Cousine zu begleiten. Marie hatte das still ablehnen wollen, aber ihre Mama hatte mit vielsagendem Lächeln ihm Gewährung genickt.

Dämmerschleier lagen schon über dem Garten, in den Lauben dunkelte es. Fritz schritt an Mariens Seite dahin und berichtete von der Haidesahrt. Das junge Mädchen hörte kaum, was er sprach. Wie träumend schritt sie an seiner Seite. Sie sah nicht, wie er sie zur großen, rechts und links von hohen Gebüschen flankirten Laube führte, erst als er hier stürmisch ihre beiden Hände ergriff, blickte sie erbebend auf.

(Fortsetzung folgt.)

Mumenpflöge. Hyacinthen, Tulpen, Anemonen und anders Blumenzwiebeln müssen, wenn die Blätter welken, herausgenommen, trocken, schattig und luftig ausgebreitet, dann gereinigt und trocken aufbewahrt werden. Auszusäen sind jetzt in kalte Mistbeete, in Töpfe, Schalen oder Näpfe unter Glas alle zwei- oder mehrjährige Pflanzen (Stauden), ebenso Cinera- rien und chinesische Primeln. Die Aussaaten und jungen Pflänzchen sind rechtzeitig zu lüften und zu schattiren.

Behandlung des Oleanders. Richt selten hört man darüber klagen, daß der Oleander nicht blühen wolle, die Knospen abwerfs oder sparrig und schlecht wachse. Sobald die Blüthenknospen stark hervorgetreten sind, muß man diesem Uebelstande dadurch vorbeugen, daß man die Pflanzen in Untersatznäpfe, mit Wasser angefüllt, stellt und sie bei anhal­tender Trockenheit in den Sommermonaten gegen Abend oft bespritzt. Der Grund, weshalb der Okeander oft spärlich oder gar nicht blüht, liegt gewöhnlich in Mangel an Wärme, Licht und Luft, oder es fehlt ihm das nöthige Wasser gerade zu der Zeit, wo er es in großer Menge verlangt und die Knospen nicht abwerfen soll. Daß die Endzweige des Oleanders hoch in die Luft gehen und daß er nach einigen Jahren ein sparrtges Aussehen erhält, ist kaum zu verhindern, da der Oleander an den im vergangenen Jahre gebildeten Endzweigen blüht und man daher die Spitzen nicht abstutzen darf. Um eine große Pflanze alljährlich zu reichlichem Blühen zu bringen, muß man die Hälfte der Blüthenzweige nach dem Blühen sofort bis auf ein Glied des alten Holzes zurückschneiden. Die jungen Triebe erscheinen meistens zu dreien um die Blüthenknospen und treiben lange vor dem Entfalten dieser letzteren ziemlich stark weiter. Es müssen darum an den Zweigen, welche man einzustutzen ge­denkt, die jungen Triebe um die Blüthenknospen gleich nach ihrem Erscheinen gestutzt werden. Dadurch lenkt man den ganzen Saftfluß in die Blüthenknospen und erweckt zugleich die unter denselben sitzenden Augen, welche dann treiben, so­bald die Zweige nach dem Blühen eingestutzt worden sind.

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Rosendünger. Ein gutes, kostenloses Düngmittel für Rosen des freien Landes ist das Seifenwasser von der Wäsche. Dieses sollte man überhaupt niemals wegschütten, sondern, wo Gelegenheit dazu ist, stets in Gärten verwenden, da es auf Weinstöcke, Obstbäume, Gemüse aller Art u. s. w., sowie auch aus den Graswuchs eine günstige Wirkung ausübt.

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Aufbewahrung von Meerrettig. Wen» man Meerrettigwurzeln, die im Sommer nicht gut sind, doch gern genießen möchte, so zerschneide man dieselben im Sommer, trockne sie schnell auf einer Platte, stoße sie zu Pulver und verwahre | dieses in wohlverschloffenen Flaschen. Bei seiner Verwendung feuchtet man eine gewisse Menge mit frischem Waffer auf, wo- durch es dann die ganze Stärke des Meerrettigs erhält.

Redaktion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen.