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ich der alten Beilstein begegne, oder wenn ich unch an die Auftritte mit der Dirne erinnere. Die alte Beilstein hat dies durch ihre Zaubereien bewirkt; sie kann eine Hexe fein! Nein: sie soll, sie muß eine Hexe sein. Auf Seite zwölf des Pro» tocolls gibt Elsbeth Ludwig ihre Mitschuldigen an- Aus Echzell sind es: Adam Schauermann und seine Frau. Mocken Elß. Die Müllerin. Säuheinrich und seine Frau. Ferber Cath- ringen. Der Tröster. Heinrich Benner. Philipp Kraft. Der tauben Margrethen Medigeu. — Unter diesen haben wir gründlich aufgeräumt," fuhr der Commiffarius fort; „es ist fast nichts mehr davon übrig. Aus Gettenau gab sie an: Krieger Margreth und des lahmen Kuhhirten Frau. Mit denen war nicht viel anzufangen. Nun aber kommt die Hauptsache, nämlich: Bingenheim. Johann Beilsteins Frau- — Nach dieser habe ich gesucht- Während viele Andere Denun» ciationen genug haben — die Sommer Margareth hatte deren achtzehn —, schlüpft diese Beilstein stets glatt durch. Das ist offenbar nur deshalb möglich, weil die Person eine Haupt« und Wetterhexe ist, welche sich die Anderen geschickt vom Leibe hält. Was sagt denn die Elsbeth Ludwig weiter in dem Pro« tocolle:
„und hätte Kessel Margareth wieder Sie gesagt: Johann Karp machte sich so rein und gut und were doch auch ein Hexenmeister. Item Seeligmann der jud were Spielmann und fein Bube pfeifet, aber inquisitin habe diese nicht gesehen, dieweil ihr Teuflischer Buhle ihr etlichemahl die äugen geblendet gehabt."
„Halt!" rief Caspari plötzlich, indem er von seinem Sitze aufsprang. „Hier ist ein zweiter Fund! Den ganzen Morgen habe ich gesucht und nichts gefunden, heute Nachmittag gleicht sich die Mühe aus. Hier sind zwei Posten nebeneinander: die alte Beilsteins Wttb und Seligmann der Jude. — Was findet sich auf dem letzten Blatte," fuhr der Hexenrichter fort. „Nur wenig, es lautet:
Luna (Montag), den 24. Juli: 54
Cor am Deputate:
Nachdem ahlß jnqsitin ihre vorstehende Bekantnüße vom wort zu wort vorgelesen worden, hat Sie wegen ihres Kindes, Kindermädigen und Heinrich Stollß Mädigens Verführung revocirt. Wie ingleichen Becker Christen und den Glaser, wil auf übriges leben und sterben und pittet nur umb ein gnediges uhrtel."
„Diese Elsbeth Ludewig ist im zehnten Brandt mit Elsbeth Johann Mobsen Fraun zu Echtzell, mit Margreth der alten Wahsen zu Bingenheim und Anna Maria Bob Gela Tochter zu Echtzell am 1. Augusti 1654 hingerichtet worden. Wir haben sie damals etwas länger einsitzen lassen, damit wir einen richtigen Brandt von vier Personen zusammenbrachten und es auch darum werih war, den Henker in Thätigkeit zu setzen. Ich denke, das machen wir diesmal ähnlich, indem wir die alte Beilstein und den (alten Seeligmann gleichzeitig vornehmen. Bei letzterem rentirt sich die Arbeit um deswillen, weil er Geld hat. Auch die Beilstein soll ein Erkleckliches eingeheimst und zurückgelegt haben." —
Am folgenden Tage, zu Anfang Juli 1659, wurde Seligmann, der alte Jude, von dem Büttel geholt und in's Gefäng- niß geworfen. Die Untersuchung ging sehr langsam bei ihm vorwärts. Am 2. August 1659 zahlte Schultheiß Schösser den Wächtern des Seligmann einen halben Gulden unter der Hand „vor ein Maß Ohlig". Das Oel (Ohlig) muß damals sehr theuer gewesen sein, denn ein halber Gulden für eine Maß bei jenem Geldwerthe ist ein ganz horribler Preis. Ein Reichsalbus galt damals zwei Kreuzer; die Maß Bier kostete einen Albus. Der halbe Gulden hatte 15 Albus, das sind 30 Kreuzer. Daraus folgt, daß die Maß Ohlig so viel wie 15 Maß Bier kosten sollte, was jedenfalls nicht stimmt Außer dem Ohlig, welches für Seligmann von Anfang August 1659 bis zum 17. Mai 1660, dem Tag seiner Hinrichtung, verrechnet wird, ist wohl auch gelegentlich noch einiges Andere mit untergeschlüpft.
Ein Vierteljahr verging, ohne daß Caspari mit Selig
mann vorwärts kam. Sorgfältig verbarg der Richter die Absicht, noch andere Personen verhaften zu lassen. Die Folter wurde bei dem alten Israeliten nicht angewandt; es gelang ihm, einen Rechtsbeistand zu erlangen. Dieser appellirte gegen das erste Urtheil und brachte es dahin, daß die Sache von dem Reichskammergerichte in Speier geprüft wurde. Das kostete schönes Geld. Dr. Gambs in Speier erhielt am 1. August 1659: 16 Gulden; Notarius Jeremias Münch in Nidda 41/2 Gulden; Dr. Hünfeld erhielt 6 Gulden. Für ein Urtheil der Spanischen Kammer wurden 8 Reichsthaler entrichtet. Das Verzeichniß der verschiedenen Unkosten ist bereits früher aufgeführt worden. Dort wolle man das Weitere Nachlesen. Erwägt man, daß der Geldwerth in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts reichlich zehnmal höher als zu Ende des laufenden neunzehnten Jahrhunderts gewesen ist, dann ergibt sich sogleich, daß es sich hier um bedeutende Geldsummen handelt.
Das Einsperren des alten Seligmann erweckte die Schadenfreude vieler Unterthansn. Die fruchtbare, reiche Wetterau wurde von jeher gerne von den Juden besucht und bewohnt. In manchen Orten durften sie nicht über Nacht bleiben; um in Bingenheim Handel treiben zu dürfen, mußte jeder Jude, so ost' er dahin kam, einen halben Albus erlegen- Dafür bekam er einen Zettel, welcher zur Ausübung des Geschäftes legitimirte. Diese Uebung dauerte .bis in die ersten beiden Jahrzehnte des laufenden Jahrhunderts. Es leben noch Leute, welche sich an den halben Handels-Albus erinnern- — (Fortsetzung folgt.)
Der Bienen-Vetter.
Eine Heide - Novelle von C. C r o m e - S ch w i e n i n g.
(Fortsetzung.)
Nun hatte Mariechen zwar auf Stachelbeeren keinen Appetit, aber sie ging trotzdem in den Garten.
Freilich, wild genug sah es hier aus. Sie schüttelte leise den Kopf. Welcher Schleier lag über Vetter Hinrik's Vergangenheit, daß er so freudelos durchs Leben ging Ein tiefes Mitleid, der herzliche Wunsch, ihn trösten zu können, machte sich in ihr geltend. Sie seufzte. Ach, wenn das möglich wäre!
Als Kind war sie einige Male hier gewesen- Wie lange das doch her war. Sie kannte sich in den verschlungenen Gartengängen nicht mehr zurecht. Voll Gedanken und planlos ging sie weiter. Da stand sie plötzlich vor dem alten Gartenhause und blickte erstaunt auf die festgeschlossenen Laden-
„Wie lange mag es sein, daß keines Menschen Fuß es betreten hat!" dachte sie und schritt darauf zu. „Ob es verschlossen ist?" Sie faßte auf die Klinke der Thür. Diese öffnete sich. Als ob er endlich seine Neugier stillen könne, fiel ein breiter Sonnenstrahl in den Spalt. Nun öffnete Marie die Thüre ganz.
„Wie wunderbar!" sagte sie leise, als sie in dem Halbdunkel die Ausstattung des Häuschens sah. „Das sieht ja so aus, als weile Hinrik häufiger hier. Ein brennendes Verlangen, hineinzugehen, erfüllte sie. Sie öffnete die Thür vollends, so daß der Sonnenschein voll hineinfluthete. Ihr Herz pochte, als begehe sie ein Unrecht, als sie nun zaghaften Fußes eintrat-
Wie gestern, so lag auch heute noch alles auf der Platte des alten Schreibtisches: das Schreibzeug, das ledergebundene Tagebuch, der kindliche Brief. Nach diesem tasteten die Finger des jungen Mädchens zuerst. Ein leiser Schrei kam von ihren Lippen, als sie dessen Inhalt las. Ihr Brief, längst, längst vergessen — hier? Ein Ahnen durchflog ihre junge Seele, daß in diesem Buche hier der Schlüssel zu dem veränderten Wesen Hinriks liege. Das war nicht mehr Neugier, die jetzt das Buch in ihre Hände, den Blick wie gebannt aus die dicht-


