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Leute. Sie sind gewöhnlich nur strenger erzogen. Das ist der einzige Unterschied."

Wie mag es kommen," sagt Baron Gerald nach einer kleinen Pause,daß fast alle Sopranistinnen blond sind und die Altistinnen dunkel? Auch hört man selten eine klare, Helle Tenorstimme an einem brünetten Mann."

Die Herzogin stimmt ihm bei und fügt lebhaft hinzu: Haben Sie Lord Rawdon schon singen hören, liebe Baronin?" Nein," entgegnet Lola mit einem freundlichen Blick auf Arno.Doch nichts könnte mich augenblicklich mehr erfreuen."

Lord Rawdon erröthet vor Vergnügen. Er kann ihr eine Freude bereiten! Sein Herz klopft, seine Pulse fliegen.

Die Herzogin wirft einen Blick auf ihre kleine, juwelen­besetzte Uhr.

Ich habe noch für ein Lied Zeit; dann muß ich fort. Lord Rawdon, singen Sie, bitte, mein Lieblingslied!"

Arno blickt befremdet auf die Herzogin.

Ihr Lieblingslied, Frau Herzogin? Ich bin nicht ganz sicher, welches Sie meinen!"

Die Herzogin scheint unangenehm berührt.

Haben Sie es vergessen?" fragt sie vorwurfsvoll.Sie sangen es mir so oft vor."

Ich singe oft und viel- Man muß mir meine Vergeß­lichkeit schon verzeihen."

Doch die Herzogin ergibt sich noch nicht.

Es istDer Wanderer" von Schubert," bemerkt sie ein wenig verletzt.Entsinnen Sie sich jetzt?"

Arno lächelt ein wenig.

Ach so, Sie haben Recht. Doch bedauere ich, Ihnen dieses Lied heute nicht singen zu können. Ich werde es nie wieder singen. Ehemals lag meine Seele in dem Liede"

Und jetzt?" unterbricht ihn die Herzogin ungestüm.

Hast Du endlich Dein Glück gefunden?" fragt Gerald.

Jetzt singe ich etwas Anderes."

Und Lord Rawdon steht schnell auf und begibt sich mit einem leidenschaftlichen Blick auf Lola zum Flügel.

Bald erfüllen die mächtigen Töne einer weichen Bariton­stimme den Raum:

Hab' Dich im Traum geseh'n die letzte Nacht, Um weiße Schultern wogt der Locken Pracht Und Freude lag im Engelsangesicht.

Anbetend ruht der Blick auf Deinem Glanz Wie auf dem eisgekrönten Alpenkranz, Wenn Morgenroth sich um die Firnen flicht."

Lord Rawdon singt mit tiefer Innigkeit, mit leidenschaft­licher Begeisterung, während er sich selbst auf demMavier begleitet.

Lola sucht ihrem Gesicht einen Ausdruck von Aufmerksam­keit zu geben. Es gelingt ihr schlecht. Sie versteht wenig von Musik und empfindet nicht die Macht, die sie auf warm» fühlende Herzen ausübt- Sie benutzt die Zeit, Baron Gerald einige schüchtern verschämte Blicke zuzuwerfen.

Das Antlitz der Herzogin ist bleich vor Erregung.

Ich danke Ihnen," sagt sie einfach, als der letzte Ton verklungen ist.Sie haben sehr schön gesungen."

Auch Lola dankt ihm mit einem Blick, der ihm alles Blut zum Herzen treibt.

Die Herzogin erhebt sich. Die Herrem folgen ihrem Bei­spiel. Zwar hat keiner von Beiden viel bei Lola erreicht; aber auch Keiner braucht zu fürchten, daß der Andere heute noch etwas erreichen werde.

Als Lola wieder allein ist, überblickt sie noch einmal den Tag. Sie ist sehr zufrieden mit sich sowohl wie mit ihren Verehrern.

Mit Baron Gerald kann ich vergnügt sein, so viel ich will," lacht sie,und mit Lord Rawdon ah, seine zuneh­mende Leidenschaftlichkeit ist freilich nicht ganz so angenehm."

VII.

Die Herzogin von Edenfield befindet sich allein in ihrem Boudoir. Das Gemach ist so traulich, so elegant, daß man geneigt ist, die Inhaberin desselben für eines der glücklichsten Geschöpfe der Welt zu halten.

Die Herzogin ist jung, schön, reich und nimmt eine der höchsten Stellungen Englands ein.

Trotzdem drücken ihre stolzen, klassisch geformten Züge eher Mißvergnügen aus. Die Brauen sind finster zusammen- gezogen; die dunklen Augen blicken müde- Sie hat bis jetzt in einem Buch gelesen. Jetzt läßt sie es nachlässig in den Schooß sinken und verbirgt ein Gähnen hinter dem edelstein- besetzten Fächer.

Da wird Lord Rawdon gemeldet.

Sofort verändert sich ihr Gesichtsausdruck. Die müden Augen erhalten Glanz, die bleichen Wangen Farbe.

Schnell geht sie ihm entgegen und reicht ihm herzlich die Hand.

Willkommen!"

Ich bin glücklich, Sie allein zu treffen," sagt Lord Raw- don lebhaft.Ich möchte mit Ihnen sprechen."

Ein glückliches Lächeln umspielt ihre feinen Lippen-

Dies hier ist der bequemste Sitz im ganzen Zimmer," sagt sie heiter, auf einen niedrigen Fauteuil deutend.Wenn Jemand mit mir plaudern und sich zu Hause fühlen will, muß er ihn einnehmen. Also bitte!"

Dieser hübsche Gedanke kann nur einem Frauenkopf ent­springen. Lord Rawdon lächelt und rollt den Stuhl etwas näher zu der Herzogin heran. Sein Auge überfliegt die imposante Gestalt und er gesteht sich, daß er niemals eine edlere, stolzere Schönheit gesehen.

Die Herzogin kleidet sich stets in Uebereinstimmung mit ihrer Erscheinung. Gefällt ihr die eine oder andere Mode- thorheit nicht, so ignorirt sie dieselbe. Heute schmiegt sich ein bernsteingelbes Sammtkleid an ihre hohen, üppigen Glieder. Ein schwarzer Spitzenshawl ist in spanischer Weise um Brust und Hüften geschlungen. Das nachtschwarze Haar, welches, ganz schlicht frisirt, in einem schweren Knoten im Nacken liegt, schmückt eine einzige Marechal Niel-Rose.

Wie kommt es, daß Sie das Bedürfniß haben, sich zu mir auszusprechen, Lord Rawdon?" fragt sie lächelnd.

Die Frauen versteben ihres Gleichen am besten," ent­gegnet Arno ernst.Ich möchte mit Ihnen über eine solche sprechen."

Eine leichte Bläffe überzieht die Züge der Herzogin.

Ganz gewiß," sagt sie gepreßt.Lassen Sie hören!"

Er schweigt einige Secunden, als werde es ihm schwer, zu sprechen.

Lord Rawdon fragt dann hastig:Sind Sie eine Freun­din der Baronin Medfort?"

Sie zuckt zusammen.

Nein, ich kenne sie erst seit Kurzem. Ich lernte sie da kennen, wo Ihr Anderen auch ihre Bekanntschaft machtet in Gesellschaft. Der Herzog sprach heute früh ebenfalls von ihr. Natürlich es gibt ja keinen interessanteren Gegenstand für die Männer, als eine neuaufgetauchte Schönheit."

Lord Rawdon bemerkt die Bitterkeit in ihren Worten nicht-Was sagte der Herzog?" fragt er lebhaft.

Nichts Besonderes. Daß sie die Tochter eines Pfarrers ist, wissen Sie ja schon. Der Herzog kannte ihren Vater. Er war Pfarrer in Clifdale. Die Baronin ist sein einziges Kind. Ein etwas eigenthümliches Pfarrerstöchterlein, dünkt mich."

Ich finde sie unendlich lieblich und unschuldig," ruft Lord Rawdon eisrig.

Die Herzogin lacht laut auf.

Wie schnell und genau die Männer stets den Character einer schönen Frau kennen!"

Lord Rawdon weiß nicht recht, ob sie int Ernst spricht oder seiner spotten will.

Was wissen Sie sonst von ihr?"

Fast nichts. Ihr Vater ist tobt; die Mutter lebt bei ihr. Sie soll eine Masse Verehrer gehabt haben, ohne daß ihr Herz jemals davon berührt wurde."

Niemals berührt wurde?" wiederholt Lord Rawdon in fragendem Tone.Sie ist Wittwe."

Die Herzogin zuckte die Achseln-