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G-nr-imrütziges.
Zur Sonnenblumen-Cultur. Da viele Landwirthe Ränder, Raine und Berghänge besitzen, welche sie nicht bebauen, so sei darauf aufmerksam gerecht, daß e» sich lohnen dürfte, auf solchen Flächen den Samen großer Sonnenblumen auszusäen. Die auf solchem Boden, wo sonst nur Gras und Unkräuter wachsen, noch sehr gut gedeihende große Sonnenblume (Helianthus Amurus) enthält in den Kernen ein sehr werthvolles Oel, das rasch trocknet, sich leicht verstreicht und ohne Qualm verbrennt. 100 Pfund Kerne liefern 2 bis 2,3 Liter Oel, das stets gesucht wird. Die dicken Stengel werden verbrannt und die Asche während des Regens aufs Land gestreut; sie enthält die sehr werthvolle Pottasche. Auch wird aus den Stengeln Papier angefertigt, das besser als das bekannte Strohpapier ausfällt. — Die getrockneten Kerne geben ferner im Winter für Hühner ein vorzügliches Futter ab und begünstigen das zeitige Eierlegen im Frühjahr. In der Blüthezett sind aber die Sonnenblumen auch die denkbar beste Bienenweide. Aus diesen Gründen wird die Sonnenblume auch neuerdings (bei Berlin) im Großen angebaut.
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Wenn Oleander, Evonymus re. unten kahl werden, muß man sie zurückschneiden. Dieses kann bei solchen Gewächsen, zu denen auch Azaleen rc. zu zählen sind, bis aufs alte Holz geschehen; sie brauchen kein Blatt zu behalten und werden dann mehr schlafende Augen austreiben, als wir vorher glaubten.
Rhabarberstengel können den ganzen Sommer hin' durch geschnitten werden, wenn man die Blüthenstengel gleich im Entstehen unterdrückt.
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Seide während der Wäsche zu behandeln. Seide darf nie gerungen werden, auch nicht mit der Maschine, weil die eingepreßten Falten nicht mehr zu beseitigen wären; womöglich müssen auch während des Waschens alle Stücke ohne Falten im Waffer liegen; dem letzten Spülwasser gebe man dann eine schwache Gummitragantlösung mit ganz wenig Alaunzusatz und Weingeist, hänge sodann zum Abtropfen auf, schlage hierauf zum völligen Abtrocknen in reine Tücher ein und mangle noch feucht in diesen, womöglich ohne Bruch, und stecke dann auf den Rahmen.
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Um Druckstellen iu Plüsch zu eutserueu, zieht man den Plüsch auf der linken Seite über ein heißes Plätteisen und bürstet die rechte Seite mit Salmiakgeist oder Spiritus. ♦ * ♦
Stoffe wasserdicht zu machen. In anderthalb Eimer heißen Wassers wird ein halb Kilo Alaun und 125 Gramm Bleizuckergift aufgelöst. Dieses läßt man abkühlen und schüttet die klare Flüssigkeit sehr vorsichtig von dem Bodensatz ab. In diese klare Flüssigkeit taucht man die betreffenden Stoffe, welche man wasserdicht zu machen wünscht. Darauf läßt man dieselben glatt aufgehangen abtropfen und trocknen, ohne sie zu glätten.
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Um hölzerne Pfosten re. im Boden dauerhaft zu machen, nimmt man gekochtes Leinöl nnd rührt in dasselbe pulverisirts Kohle, bis diese Mischung die Conststenz einer Anstrichfarbe erhalten hat. Damit streicht man den Theil der Pfosten an, welcher in den Boden getrieben werden soll. So bereitetes Holz hält im Boden länger als Eisen.
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Wie prüft man rohe Kartoffeln auf ihre Güte? Um sich zu überzeugen, ob Kartoffeln, die man
kaufen will, sich gut und mehlig kochen, beobachtet man in England häufig folgendes Verfahren: Man zerschneidet eine Knolle und reibt beide Stücke aufeinander; wenn dieselbe gut und mehlig ist, so kleben die beiden Stücke zusammen, und es zeigt sich an den Rändern und an der Oberfläche ein leichter Schaum. Waffer darf selbst beim Druck kein Tropfen ausfließen. Wo dies der Fall ist, kochen sie sich wässerig und sind von schlechtem Geschmack. In der Farbe soll das Fleisch weiß sein oder etwas ins Gelbliche spiegelnd. Von ganz gelbem Fleisch behauptet man, daß sich die Knollen nicht gut kochen; dies ist tndeß nicht immer begründet; denn es giebt Sorten mit gelbem Fleisch, die in Bezug auf ihre Güte nichts zu wünschen übrig lassen.
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Das Wundwerden der Hände bei der Wäsche kann verhütet werden durch eine schwache Schellackauflösung, mit der die Wäscherin einige Tage vor der Wäsche die obere Hautfläche der Hände einreiben muß. Sie kauft dieses einfache Mittel beim Drogutsten oder noch besser beim Schreiner, der es täglich zum Polirrn der Möbel gebraucht.
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Fliegenschmutz auf Metall und Bronce u. s. w. entfernt man durch Abreibung mit geriebener Kartoffel und reibe nach dem Trocknen mit einer reinen Bürste nach.
Vemnischtes.
Ein neuer Abschnitt. Frau Commercienrath (zum Besuch): „Das hier ist mein jüngstes Kind; außerdem habe ich noch zwei Knaben aus früherer Ehe." — Besuch: „Wie? Ist Ihr jetziger Gatte schon Ihr zweiter Mann?" — Frau Commercienrath: „Ach neinl Ich meine nur, au» der Zett, da er noch nicht Commercienrath war."--
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Anleitung zur Massage. Ein Potsdamer Arzt hatte einem Kinde Massage verordnet. Da die Eltern von dieser Kunst nichts verstanden, bemalte er den Rücken des Kindes von oben bis unten mit dicken Tintenstrichen, die dann abgerieben werden mußten.
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Das hat noch gefehlt. Backfisch: „Das Militär ist schon so gefährlich und nun sollen die von den Schützen auch noch Fangschnüre bekommen!"
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Anpreisung. Kommt« (in einem Tuchgeschäft): „Gnä- dige Frau, dies ist ein Stoff — zur Unterhaltung für eine ganze Damengesellschaft!"
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Aus der Kochschule. Vorsteherin: „Zum Weichkochen der Eier braucht man 3 bi» 4 Minuten." — Backfisch: „Gewöhnliche o der mitteleuropäische Zeit?"
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Was er thun kann. Gefängnißdirector: „Sie scheinen stch bessern zu wollen und Sie interessieren mich; kann ich etwas thun, um Ihr Schicksal zu lindern?" — Verurthetlter: „Ja!" „Wa» denn?" — „Lassen Sie mich raus!"
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Immerhin etwas. Marie: „Wie, Du hast ein Ver- hältniß angeknüpft mit einem Mann ohne Vermögen, ohne Herkunft, ohne Namen ...?"- Elli: „O, da muß ich bitten, ohne Namen? Meier heißt er!"
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Der kleine Schlaukopf. Lehrer: „Warum floh Kain, als er den Abel erschlagen hatte — nun, Fritzchen?" — Fritzchen: „Weil er Angst vor der Polizei hatte."
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (g r. Lhr. Pietsch) in Gießen.


