Ausgabe 
20.9.1894
 
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Meine Dienste müssen eben bezahlt werden," sagte Werner Kuhn trotzig,und ich habe Dir jetzt einen sehr großen Dienst wieder einmal erwiesen, denn den Professor habe ich Dir aus dem Wege geräumt."

»Schuft! Schurke! Was hast Du dem Professor Galen angethan?" frug Hillessen in fieberhafter Angst und Entrüstung. Ich habe Dir nur aufgetragen, den Professor scharf in seinem Verkehre mit der Pohlmann'schen Familie zu beobachten, um vor allen Dingen festzustellen, ob er auch mit Fräulein Pohl- mann Beziehungen unterhält. Wie konntest Du Dich da unter, stehen, Dich an diesem Ehrenmanns zu vergreifen?"

Sagtest Du nicht," erwiderte Werner Kühn mit cynischem Lachen,daß Du viel darum I geben würdest, wenn Dir der Professor nicht im Wege stände. Und so habe ich die Sache even aufgefaßt und geschehen ist geschehen, auch wenn es ein Jrrthum war."

. E Schumi Du weißt immer eine Ausrede!"

rief Hillessen wüthend, packte mit eisernem Griffe Werner am Halse und würgte ihn, daß er blitzblau wurde.

Taumelnd fiel der Gauner zu Boden, al« Hilleffens Hände ihn lorließen. Erschrocken hob dieser ihn aber vom Boden wieder auf und legte ihn auf ein Sopha, wo er sich nach einiger Zeit wieder so weit erholte, daß er sprechen konnte. _ , »Beinahe hättest Du in Deinem Zorne mich erwürgt, Carl, nahm der Elende mit heiserer Stimme'das Wort, wäh­rend ein heftiges Zittern ihn befiel.Warum hast Du mich nicht ganz todt gemacht, so brauchte ich dieses jammervolle Leben nicht weiter zu schleppen. Mir -liegt persönlich wenig am Leben, das weißt Du, aber ich muß jetzt noch weiter leben, um meine verlassene Frau und meinen siebenjährigen Sohn zu unterstützen." 1 9 B

»Verfluchter Hallunke, was soll das heißen!" entgegnete Hillessen in neuem Zorn.Gab ich Deiner Frau nicht Geld genug, daß sie leben und Euern Sohn erziehen konnte! Hast Du Elender ihr wie schon früher das Geld erpreßt, um es zu vergeuden? Warum hast Du in Amerika kein neues Leben an, gefangen, wie es auch nach schwerem Fehltritte möglich ist?"

, rmin größter Fluch, daß ich nicht ausdauernd mehr arbeiten kann," klagte Werner Kühn.

Du Feigling, Du Lump! Gib Dir nur Mühe, es wieder zu thun, wieder eine ehrliche Arbeit zu vollbringen, dann wird auch der Fluch des Lasters von Dir weichen-"

. , "JK will es allen Ernstes versuchen, aber bitte, gib mir S,,®e[b' baß ich wieder fort kann. Mich jammert mein Weid und Krnd."

m rk ianimern sie Dich, als Du Deiner Frau aber das °?aenöthigt hast, da empfandest Du kein Mitleid, da mußte das Geld im Spiel und Trank vergeudet werden." . ..Carl, habe Erbarmen mit meiner Frau und dem Knaben, der Dein Schützling, Dein Pathenkind ist."

seufzte tief, schlug sich wiederholt mit der Hand auf und Unb schEl unruhig in dem kleinen Zimmer Dir kann ich kein Geld geben, denn Dir gebührt der Galgen oder das Zuchthaus," erklärte er dann mit fester Stimme,aber Deine Frau und den Knaben willIich unter, nuycn«

"Aber Carl, ich muß doch fort von hier, schleunigst fort, man könnte mich verhaften, mich ..."

"Du machst in Begleitung Deiner Familie jetzt schleunigst Frankreich und von dort fahrt Ihr mit dem ersten Dampfschiffe nach Südamerika, ich rathe nach Argen, «men, dort bist Du vor jeder Verfolgung sicher. Deine Frau oerommt von mir das nöthige Reisegeld und jeden Monat eine entsprechende Unterstützung, bis Du Deine Familie ernähren »«ernt hast, denn ich erwarte bestimmt, daß Du entweder in °er argentinischen Hauptstadt Buenos Ayeres oder auf dem s^"be in der Nähe dieser Stadt irgend ein ehrliches Gewerbe »im»eine kleine Summe dazu lasse ich Deiner Frau durch

-oankhaus in Buenos Ayeres, durch welches sie auch die monatliche Unterstützung empfangen wird, anweisen."

Ich danke Dir für diese Großmuth, Carl," entgegnete

Werner Kühn, in dessen Brust doch noch nicht alle edleren Gefühle erstorben waren.

,'ZH will von Dir keinen Dank hören," entgegnete Hillessen kalt und ablehnend,schicke morgen früh vor acht Uhr Deine und den Knaben zu mir, damit sie meinen Plan er» W- Die Reisebillets besorge ich dann durch dasInter- nationale Verkehrs-Bureau" gleich bis Buenos Ayeres und Ihr reist noch morgen Nachmittag oder Abends ab."

Ich bin ganz einverstanden, bitte aber noch um etwas baares Geld, wir sind von allen Mitteln entblößt," flchte Werner Kühn. 1 v

Du empfängst von mir keinen Pfennig," erklärte Hillessen denn Mr könntest das Geld sofort in Wein und Spiel um« 'An. Aber mem Diener wird Dich in Eure Wohnuna be- IWÄS?-1 6,1*n' ®udS b"

Verlegen und beschämt blickte Werner zu Boden.

t »Mein Diener wird Dich draußen vor der Thür erwar- Dich!" 6 ae^en fott' »Seh' nun, Werner, und bessere

Ja, wenn ich dies so fertig bringen könnte, wie Du es verstanden hast I klagte Werner.Vom Commis ohne Stelluna und ohne Ehre bist Du zum hochgeehrten Bankdirector in Zeit von sechs Jahren emporgestiegen!"

Wie ein jäher Blitzstrahl zuckten diese Worte des ver- brechsrifchen Werner in Hillessens Seele, so daß er alle Mühe hukke, seine Ruhe zu behaupten. - Dem ehemaligen Freunde und Collegen den Rücken zuwendend, sagte er dann aber nur noch ungeduldig:Geh', Werner, geh'!"

Und seufzend und kopfschüttelnd schlich sich dieser aus dem Zimmer.

Es wird mir hoffentlich mit Hilfe von Werners Frau gelingen, ihn für immer unschädlich zu machen," murmelte ihm Hillessen nach. Dann rief er seinen Diener und gab diesem die nöthigen Aufträge. '

Keine der an diesen Vorgängen betheiligten Personen be- fand sich wohl in einer solchen peinlichen Lage, als der Referen- dar Ernst Pohlmann. Denn dieser hatte sehr bald die wahre Sachlage erkannt, aber gleichzeitig bemerkt, daß er zur Rettung des Herzensglückes der Schwester und des verehrten Freundes nichts thun konnte, ohne gleichzeitig den eigenen Vater und damit die ganze Familie in einen wahren Abgrund des Verderbens zu stürzen. Seit länger als zwei Tagen kämpfte Ernst Pohlmann mit diesem Zwiespalt und kam zu keinem Entschlüsse, denn jeder Plan, den er faßte, um zu Gunsten des Professors Galen und der Aufrechterhaltung von dessen Verlobung mit Carola Schritte zu thun, setzte den eigenen Vater der Rache des verwegenen Hillessen aus und dieser Gedanke lähmte Ernst Pohlmanns Entschlußkraft in dieser heiklen Frage dann vollständig.

Dem jungen Referendar war es aber auch ein unerträg­licher Seelenschmerz, daß Professor Galen von ihm und seiner Schwester infolge der räthselhaften Vorgänge niedrig denken sollte, und um sich in dieser Gemütsbewegung Ruhe zu ver­schaffen, beschloß Ernst Pohlmann, den Professor Galen in dessen Wohnung aufzusuchen und ihm die wahre Sachlage auf­zuklären, denn Galen, davon war der junge Pohlmann über, zeugt, besaß genug Edelmuth und Herzensgüte, um zu schwei­gen und nachsichtig zu urtheilen, wenn das Räthsel für ihn gelöst war. Der Referendar machte sich deshalb am Morgen des Tages, welcher der Genesung seines Vaters folgte, auf, um Galen einen Besuch zu machen und ihm Alles aufzuklären, Professor Galen hatte seinem Stande und seinem Reich- thume entsprechend eine eigene große Wohnung in der Nähe der königlichen Kunstakademie inne, und dorthin lenkte Ernst Pohlmann seine Schritte.

Wie oft war er freudigen Herzens die Treppe empor­gestiegen, die zu Galens Wohnung führte und vor der er nun mit tiefer Betrübniß und bangevoller Aufregung stand.

(Fortsetzung folgt.)