Ausgabe 
20.9.1894
 
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Sei der Stott! machen kann. Sie, lieber Hilleffen, könnten bei Ihrem großen Vermögen schließlich dasselbe thun."

Inwieweit dies geschehen wird, hängt nicht nur von unseren geschäftlichen Aufgaben, sondern vor allen Dingen auch von einer anderen Angelegenheit ab, die mir sehr, sehr am Herzen liegt und um welcher willen ich die größten Summen aus meinem Privatvermögen der Bank zur Verfügung stellen würde."

Es bleibt bei meiner Zusage, lieber Hilleffen," erklärte Pohlmann mit halblauter Stimme und blitzenden Augen. Carola hat mir noch heute Morgen ausdrücklich erklärt, daß sie in die Heirath mit Ihnen willigt."

Herzlichen, unauslöschlichen Dank, Herr Pohlmann!" rief Hilleffen vor Freude förmlich ausjauchzend und fiel dem künftigen Schwiegervater stürmisch um den Hals.Ich bin jetzt ganz der Ihrige, verfügen Sie über meine Arbeit, meine Zeit, mein Geld, wie Sie wollen," fuhr dann Hilleffen fort, denn Sie haben das bisher Unmögliche möglich gemacht und meinem unruhigen Herzen Ruhe und Glück verschafft. Carola Pohlmann wird mir angehören und ein neues, besseres Leben an der Seite einer guten Frau wird für mich beginnen!"

Wieder staunend wie damals bei dem ersten Geständniß von Hilleffens heißer, unüberwindlicher Liebe zu Carola blickte Pohlmann den vor Freude begeisterten Collegen an. War es wirklich möglich, daß ein so ehrgeiziger Streber, ein so kalt und scharf rechnender Spekulant, dem Gold und Ehrgeiz Aller galt, so von der Liebe zu einem schönen und hochgebildeten Mädchen ergriffen werden konnte, daß er Alles, war er bisher errungen hatte, daran setzte, um dieses Mädchen als Frau zu gewinnen!

Diese Thatsache stand aber vor Pohlmanns Augen und es war nicht mehr an derselben zu zweifeln. Dieses Bewußt- sein war dem Bankdirector auch sehr recht, denn er wurde darin in dem Vertrauen bestärkt, daß Hilleffen Alles daran setzen werde, um die Katastrophe von der Central«Commerz- bank fern zu halten.

Es hat mir unendliche Sorge bereitet, Ihren Herzens­wunsch unter den gegebenen schwierigen Verhältnissen zu er­füllen, lieber Hillessen, aber umsomehr freue ich mich nun, daß es mir gelungen ist und wir wollen nun das Beste für Ihre und unsere Zukunft hoffen," sagte darauf Pohlmann absicht­lich sehr ernst, um Hilleffens Freudentaumel etwas zu mäßigen und diesem die Schwierigkeit des Falles in das Gedächtniß zurückzurufen.

Ich bin mir dessen sehr wohl bewußt, was Sie für mich durchgesetzt haben," entgegnete Hillessen,und mein glühendes Verlangen ist es nun, Carolas Zuneigung auch wirklich zu er­werben. Darf ich sie vielleicht heute oder morgen sehen?"

Das wäre übereilt," sagte Pohlmann wiederum sehr ernst,denn Carola hing mit ganzem Herzen an dem Professor Galen und es thut mir noch in der Seele weh, wenn ich daran denke, daß dieser Herzensbund auseinander gerissen werden mußte. Ich denke, lieber Hilleffen, daß es besser ist, wenn Sie Ihre Begegnung mit Carola und formelle Werbung noch verschieben. Meine Tochter ist ja über Alles unterrichtet und einverstanden, nur stellte sie zur Bedingung, daß die Hochzeit nicht vor einem Jahre fein dürfe."

Unsere Hochzeit soll erst in einem Jahre sein!" rief Hilleffen enttäuscht aus und sank auf einen Stuhl zurück, Dies wird eine Folterqual für mich werden, denn Zweifel und Eifersucht sind meinem Herzen nicht unbekannt."

Aber ich bitte Sie doch, zu bedenken, daß die Sache zwischen uns abgemacht ist. Außerdem hat unser Hausarzt Doctor Rapp dringend angerathen, Carola wegen ihrer an­gegriffenen Nerven mehrere Monate nach der südlichen Schweiz oder nach Oberitalien zu schicken."

Auch das noch!" jammerte Hillessen.Da findet ja eine Trennung zwischen uns statt."

O, nicht doch, bester Herr Hillessen," erklärte Pohlmann, denn noch vor Carolas Abreise werden wir deren stille, ver­schwiegene Verlobung mit Ihnen vollziehen und dann dürfte doch auch ein Briefwechsel zwischen Braut und Bräutigam sehr

unterhaltend und sehr angenehm sein. Ueberdies wird meine Frau Carola auf der Reise begleiten, also können Ste sich beruhigen."

Ich werde mich in diesem Falle schon fügen müssen, ob­wohl ich die Hochzeit schon in drei bis vier Monaten wünschte," entgegnete der ungestüme Freier seufzend.

Spätestens in zwei Tagen werden Sie aber doch eine Unterredung mit Carola, die sich schon jetzt als Ihre Braut betrachtet, haben und dann dürsten Sie sich in jeder Beziehung beruhigen, lieber Hillessen," erklärte der Bankdirector.

Nun, ich vertraue in dieser mir so wichtigen Angelegen­heit ganz auf Ihre Zusicherungen, Herr Pohlmann, und will mich nun wieder empfehlen, denn Sie bedürfen heute noch der Ruhe und Schonung und mich rufen die Geschäfte an die Börse."

«Ich hoffe morgen bestimmt meine gewohnte Thätigkeit in der Bank wieder aufzunehmen," bemerkte noch Pohlmann, und mit besten Empfehlungen und herzlichen Grüßen an die Damen des Hauses verabschiedete sich Hillessen von dem Bank­director.

Hilleffen, der reiche und glücklich speculirende Finanzmann, hatte schon lange vorher, ehe er der zweite Director der Central'Eommerzbank wurde, eine feine eigene Wohnung in demselben vornehmen Stadtheil inne, in welchem der Bank­director Pohlmann seine Villa besaß. Hilleffen hielt sich auch einen Diener und eine ältere, gebildete Frau besorgte seine Wirthschast.

In der Wohnung Hilleffens erschien nun an demselben Tage, an welchem er die vorher geschilderte Unterredung mit Pohlmann hatte, wiederholt ein Mann und begehrte den Herrn Bankdirector zu sprechen.

Dem Diener Georg und der Wirthschafterin Frau Bunge war diese Zudringlichkeit des Mannes sehr unangenem, zumal derselbe einen Übeln Eindruck machte. Dreist und frech blickte er umher und geberdete sich dabei so, als ob er von Herrn Hilleffen eher etwas zu fordern, als zu bitten hatte.

Wenn der Mensch noch einmal kommt, möchte ich ihn gleich zur Thür hinauswerfen," sagte der Diener zu Frau Bunge, als der fatale Mann nun fchon zum dritten Male ge­klingelt hatte.

Gegen Abend kam dann aber der Bankdirector Hilleffen in seine Wohnung und kaum war er eine Viertelstunde zu Hause, so klingelte es wieder und der unangenehme Mensch begehrte abermals Herrn Hilleffen zu sprechen.

Der Herr Bankdirector ist jetzt zu Hause," sagte der Diener.Darf ich um Ihren Namen bitten, um Sie an­zumelden ?"

Werner Kühn," antwortete der Mann und er wurde angemeldet.

Bald darauf wurde er auch in dem hintersten abgelegen­sten Zimmer von Hilleffen empfangen, aber durchaus nicht freundlich.

Wie kannst Du Dich unterstehen, Werner, und in meine Wohnung kommen?" fuhr der Bankdirector den dreisten Mann an.

Ich habe Wichtiges, sehr Wichtiges mit Dir zu sprechen, Carl," entgegnete dieser mit zudringlicher Vertraulichkeit,und die Sache hat große Eile."

Wie immer, wenn Du Geld brauchst," bemerkte Hilleffen höhnisch.Also heraus mit Deinem Anliegen!"

Mir ist der Boden in Deutschland wieder zu heiß ge­worden," bemerkte der verdächtige Mann frech,ich will wieder fort nach Amerika und dazu brauche ich Geld."

Wie viel?" frug Hilleffen in verächtlichem Tone und griff nach seiner Börse.

Zehntausend Mark!" erwiderte Werner Kühn mit der Dreistigkeit eines Räubers, der sein Opfer in den Händen hält.

Zehntausend Mark! Mensch, bist Du toll geworden! Und bedenkst Du nicht, was Du mir in den letzten Jahren schon gekostet hast!" rief Hilleffen empört aus.