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dafür. Ich war wild, hart und böse und achtete nicht Deinen stillen Gram. Aber von jetzt an soll es anders werden, Du kannst mir'- glauben, Jadwiluschka, ich hab'« geschworen und Wort halte ich oder der Teufel soll mich holen!"

Doch nun versagte dem Alten die Stimme, er war von dem vielen Reden ganz hinfällig geworden. Das junge Mäd- chen kauerte in sich versunken regungslos auf ihrem Stuhl.

Hat denn Niemand erfahren können, aus welcher Gegend meine arme Mutter nach Czenstochau kam?" fragte sie endlich. Hat sie nichts hinterlassen, was Aufschluß über ihre Person, ihre Verhältnisse geben konnte?"

Du lieber Gott, darum kümmerte sich kein Mensch- Wer fragt wohl viel nach einem fremden, kranken Weibe, das am Wegrain stirbt! Freilich zuerst, da jammerte der Wojewode über die Kosten, welche dem Stadtsäckel durch den Unterhalt eines fremden Kindes erwachsen würden, und die alten Weiber zeterten auch. Sie warfen die kleine Handtasche mit den Sachen der Unglücklichen in den tiefen See bei der Rochuscapelle, da­mit sie keinen bösen Hexenspuk in Czenstochau anrichten konn­ten, und Alles, was die fremde Frau an ihrem Leibe trug, wurde mit ihr begraben. Rur ein kleine», goldenes Herz, das an einer Bernsteinkette befestigt war, nahm meine Bona der Tobten vom Halse, um es für Dich zum Andenken an die nie gekannte Mutter auszuheben. Es ist dasselbe, das ich Dir bei Deiner Firmelung übergab."

Jadwiga schnellte von ihrem Sitze empor.Das Herz, das goldene Herz!" jammerte sie auf.Jesus Maria, es war von ihr und ich wußte es nicht ich gab es fort! Aber Du mußt es mir wieder schaffen Du mußt zum Propst gehen und ihn bitten, daß er mir dar einzige Andenken an mein todtes Mütterlein wieder gibt Du mußt, Vater, Du mußt es thun!"

Zum Propst? Ich verstehe das nicht. Was hat der Propst mit Deinem goldenen Herz zu schaffen?"

Das Mädchen senkte erglühend das Köpfchen, sie flüsterte kaum hörbar:Ich ging heute Morgen auf den Jasnagora zu unserer schwarzen Madonna und klagte ihr meine Seelen« noth, ich bat um ihre Hülfe und Gnade und schenkte ihr mein Herz. Ach, ich wußte ja nicht, von wem dasselbe stammt! Doch jetzt erzählst Du dem Prior, wie theuer mir das Kleinod ist, nicht wahr, Vater? Und dann versprich ihm ein anderes, besseres Geschenk für die Madonna. Ich will Tag und Nacht dafür arbeiten, ich will Alles geben, was der Prior haben will!" Und nun barg sie das Gesicht in beide Hände und schluchzte.Ach, daß tidj auch so arm bin, so bettelarm, und nicht gleich etwas Anderes für die heilige Jungfrau habe!"

Jadwiga!" rief voller Entsetzen der Alte.Das geht nicht an; was Du Maria geschenkt hast, muß ihr verbleiben. Das Wiedernehmen ist Sünde und Dich trifft ihr Zorn!"

Das Mädchen schüttelte den Kopf.Nein, Vater, nein, unsere heilige Mutter von Czenstochau ist gut und milde. Und ich werde ihr Alles anvertrauen auch daß ich ihr gern mein Herzblut opfern möchte Tropfen um Tropfen für das goldene Herz, das meine arme Mutter mir hinterlassen hat!" vi

Ich will's versuchen, Jadwiga, ich will zum Prior gehen und Fürbitte für Dich thun, aber lass' nur das schreckliche Weinen!"

Jadwiga stürzte zu dem Alten hin, ergriff seine Hände und preßte sie zärtlich an seine Brust.Ack, Du lieber Vater," sagte sie,wie soll ich Dir das vergelten? Wie soll ich Dir Alles vergelten, was Du einst an mir armem verlassenen Wurm gethan? Du gutes Väterchen, Du!" Und nun beugte sie sich noch tiefer herab und küßte die rauhe Faust, die sich so ost zum Schlage gegen sie erhoben halte.

Dann raffte sie sich empor und eilte in das kleine Cabinet, das ihr Schlafkämmerchen war. Sie legte rasch ein anderes Kleid an und ordnete ihr schönes, wirres Haar. Dann band sie sich ihr Mäntelchen um und knüpfte einen blauen Schleier über den blonden Kopf- Wie weißer Marmor leuchtete dar schöne, bleiche Gesicht au» der duftigen Umhüllung hervor.

(Fortsetzung folgt.)

rührend, so flehend, so dankbar ach, Seelchen, den Blick vergess' ich int Leben nicht. Und dann murmelte sie ohne Unterlaß Worte vor sich hin, die wir nicht begriffen, denn sie sprach deutsch. Aber auf unsere Fragen gab sie keine Ant­wort, sie verstand offenbar unsere Sprache nicht. Zuletzt, als es mit ihr an's Sterben ging, da faltete sie die Hände über der Brust und betete. Meine Bona beugte sich mitleidig über sie und reichte ihr noch einmal das Kind an die Lippen zum letzten Kuß. Und bald darauf hatte das arme Geschöpf seinen Geist ausgehaucht.

Da saßen wir Beide nun wie versteinert bei der Leiche und meine Bona hielt einen kleinen, zappelnden Säugling auf dem Schooß, der vor Kälte und Hunger schrie. Aber sie war stets ein resolutes Weib gewesen und hatte das Herz auf dem rechten Fleck. So wußte sie auch hier bald Rath. Sie kramte aus ihrer Tasche ein Stückchen Zucker hervor, ließ den Regen darauf fallen und machte aus dem Zipfel ihres Tuches einen kleinen Säuger, den stopfte sie dem Schreihals in den Mund und nun wurde er ruhig und still. Und ich lief nach Czen« ßochau hin und holte den Doctor und den Pfarrer. Der Doctor konnte freilich nicht mehr helfen. Die Frau war und blieb tobt. Der Pfarrer sprach den Segen über die Leiche und ordnete das Begräbniß an. Dort oben auf dem kleinen Gottesacker bei der Rochuscapelle liegt sie begraben- Meine Bona schmückte den Sarg mit Blumen und ließ drei Seelen­messen in der Kirche für das fremde Weib lesen. Und daun pflegte sie den einsamen Grabhügel bis an ihr Ende. Und alle Jahre am Allerseelentage wanderte sie nach der Rochus- capelle. Sie steckte eine geweihte brennende Wachskerze auf bas Grab, legte einen frischen Blumenkranz daneben und betete ein stilles Vaterunser für die Unglückliche."

Der Alte verstummte. Er holte tief Athem und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Draußen klatschte der Regen auf das Pflaster, im Zimmer war nichts zu hören, als das unaufhörliche Tick-Tack der Uhr, sonst blieb Alles still.

Und das Kind, Vater!" schrie Jadwiga plötzlich auf. Wo blieb das Kind?"

Wo denn sonst, als bei uns," erwiderte er, den Faden seiner Erzählung wieder aufnehmend.Meine Bona hatte es lieb gewonnen, sie nahm das arme, hülflofe Wesen, das, wie sie sagte, die Madonna ihr sandte, mütterlich an ihr Herz. Sie ließ ihm sofort die heilige Taufe geben und wir zogen es auf wie unser leibliches Kind. Viele Sorge und Mühe machte es ja nicht und das bischen Futter, was solch' ein klei­nes Ding braucht, hatten wir reichlich. Um alle Schätze der Welt hätten wir es nicht wieder von uns gelassen, denn je älter es wurde, je lieber hatten wir es. Es war auch ein süßes Geschöpf, blond, zart und fein, schön wie ein Engel, eine Augenweide für die ganze Stadt. Die Edelfrau auf Lygotta war völlig vernarrt darin; sie kam jeden Tag, um es zu sehen, zu Herzen und zu küssen, sie spielte mit ihm und fütterte es mit Kuchen und Zuckerwerk. Und das Kind das warst Du!

Da, als Du gerade acht Jahre alt geworden, da kam ein Tag, ein furchtbarer Tag. Meine Bona starb und ließ uns Beide allein. Das war ein Schmerz, zu groß für mich, denn ich liebte mein Weib. Ich schrie, ich tobte, ich klagte Gott an, ich fand weder Ruhe noch Trost und wünschte mir den Tod. Es jagte mich aus dem verödeten Haus und ich suchte Betäu­bung und Zerstreuung in der Schänke; ich trank Wein und Schnaps und vergaß alles Elend dabei. Aber es war ein Leben, das kein Leben war! Und eines andern Tages holte die Edelfrau von Lygotta auch Dich von mir fort, um Dich besser pflegen und erziehen zu können. Nun war ich ganz allein, aber es rührte mich kaum noch. Mein Herz war tobt und leer, wie ausgebrannt. Nun wurde die Kneipe meine wirkliche Heirnath. Die Wirthschast ging indeß zurück und dis Noth grinste herein. Niemand kümmerte sich darum. So lebte ich weiter, Tage, Monate und Jahre. Was Wunder, wenn ich immer mehr Branntwein trank, wenn ich roh wurde und schlecht!

Später, als Du erwachsen warst, suchtest Du bei mir nach Kräften Ordnung zu schaffen, aber ich lohnte Dir schlecht