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Per Diamant.
(Schluß.)
Der Werth der Diamanten richtet sich nach der Farbe, der Reinheit, dem Schnitt und dem Gewicht. Am höchsten tot Preis stehen die farblosen, niedriger die rothen, gelben, grünen, blauen, am niedrigsten die schwärzlichen, bräunlichen, stahlfarbigen und unrein bläulichen. In Bezug auf Durchsichtigkeit und Klarheit theilt man die Diamanten in drei Klassen und nennt vom ersten Wasser die vollkommen wasser- hellen, ohne allen Fehler, vom zweiten Wässer die zwar wasserhellen, jedoch hier und da trübe Stellen, Wolken oder Federn darbietenden, vom dritten Wasser (couleurte) die grauen, braunen, gelben, grünen, blauen oder schwärzlichen oder die zwar wasserhellen, aber sonst beträchtlich fehlerhaften. Steine von bedeutender Größe heißen Parangons oder Nonpareils, auch Solitäre, die kleinen Salzkörner. Während das Karat D. 1550 auf 350 Mk. geschätzt wurde, galt es 1672 nur 180, dagegen 1772 wieder 300 Mk. Nach der Regel von Linscotius multipliziert man zur Ermittelung des Werthes eines Steines die Anzahl seiner Karate mit sich selbst und das Product mit dem Preise eines Karats. Diese für Steine bis 20 Karat anwendbare Regel hat heute alle Gültigkeit verloren. 1865 zahlte man 450 Mk. für das Karat, seit der Entdeckung der Kapdiamanten (1867) ist aber der Preis außerordentlich und noch stärker gesunken als bei der Entdeckung der brasilischen Diamanten 1727. Brasilien lieferte 1850—70 jährlich gegen 170,000 Karat im Werthe von 7 Mill. Mark. In neuester Zeit ist die Produktion sehr bedeutend zurückgegangen. Die Hauptstapelplätze sind Rio de Janeiro und Bahia, in Südafrika Port Elizabeth. Hier wurde Anfang der 70er Jahre die Diamantwäscherei ungemein lebhaft betrieben, in Kimberley waren 1876 außer den eingeborenen Arbeitern 20,000 Gräber und 4000 Händler angesiedelt. Seitdem man aber in größere Tiefen dringen mußte und der Preis der Diamanten stark gesunken ist, ging die Production von 25 Mill. Mk. auf etwa 9 Mill. Mk. herab. Der Großhandel mit Diamanten hat gegenwärtig seinen Sitz in London. Die Diamantschletferei wird fast ausschließlich in Amsterdam ausgeführt, es bestehen dort fünf großartige Etablissements mit 872 Mühlen und 3000 Arbeitern (fast nur Juden). Betrügereien im Diamanthandel sind verhältnißmäßig leicht zu entdecken. Es werden Dou- bletten und andere farblose Edelsteine untergeschoben, welche aber sämmtlich dem Diamanten an Härte, Glanz und Farbenspiel weit nachstehen. Sehr häufig geht Bergkristall als D. (böhmischer, rheinischer, occidentalischer, Marmoroser D., Paphos-D., Arkansas-D., braun: Alentzon-D.), viel seltener Hyacinth (Matura-D.), Zirkon, Phenakit, weißer Saphir, Tobas, Aquamarin. Sehr schöne Effecte erreicht man mit künstlichen Diamanten, dem bleireichen Glas (s. Edelsteine), welches wenigstens bei künstlicher Beleuchtung an Glanz und Farbenspiel dem Diamanten nahe kommt, aber sehr weich ist und bei häufigem Gebrauch bald von seiner Schönheit verliert. Die vollkommenste Nachbildung bieten die sogenannten Simili- brillanten.
Die technische Benutzung des Diamanten wird immer ausgedehnter. Der Glaser schneidet mit den beilförmig gebogenen Kristallkanten des Diamanten das Glas,- in der Lithographie graviert man die feine englische Schrift auf Visiten- und Adreßkarten, auf Wechseln, Rechnungen rc. mit einem scharfen spitzen Diamanten. Die Kupfer- und Stahlstecher ziehen mit Diamanten die feinen Luftlinien auf der Platte. In der Glaskunstindustrie dient der D. zum Gravieren. In den Achatschleifereien werden die Löcher in die Steine mit Diamantstücken gebohrt, auch andre harte Steine und Porzellan bearbeitet man in dieser Weise. Festes Gestein bohrt man mit einem Röhrenbohrer, welcher vorn mit
Diamanten besetzt ist. Eine andere Verwendung findet der D. zum Abdrehen harter Stahlzapfen an astronomischen Instrumenten, wobei der Stahl mittels eines scharfkantigen Diamanten seine genauere Nachdrehung erhält, nachdem er mittels des Drehstahls vorher rund abgedreht worden. Die feinen Theilungen auf glatten Silber- und Messingrädern und auf Glas zu den Messungen bei mikroskopischen Untersuchungen werden ebenfalls mit spitzen Diamanten gemacht. Der schwarze (fälschlich amorphe) D. (Carbonado, Karbonat, Karbon), ein feinkörniges, kristallinisches, etwas poröses Aggregat, findet sich hauptsächlich tot Seifengebirge des Distrikts La Chapada (Provinz Bahia). Die begleitenden' Gesteine sind shenitischer und granitischer Natur, Turmalin, Zirkon, Staurolith, Rutil, Granat. Auch in Kimberley ist Carbonado aufgesunden worden. Er dient zum Bohren und Schleifen anderer harter Steine.
Die Kenntniß der Diamanten reicht hoch in das Alter- thum hinauf. Schon in der Bibel wird er unter dem Namen Schamir bei Jeremias als Graviergriffel, bei Hesekiel und Zacharias als Bild der israelitischen Hartnäckigkeit angeführt. Adamas (der Unbezwingliche) hieß der D. bei Griechen und Römern. Plinius führt ihn als das Werthvollste unter allen menschlichen Gütern auf. Der D. zeige vor allem die Erscheinung der Antipathie und Sympathie. Der unbezwingliche D., welcher zwei der heftigsten Dinge in der Natur, Eisen und Feuer, nicht achte, werde durch Bocksblut gesprengt. In frischem warmen Blut maceriert, lasse er sich auf dem Amboß zu Theilchen zersprengen, mit welchen der Steinschneider in jede Materie, so hart sie auch sei, graviere. Mit dem Magnet liege er in solchem Streit, daß er ihm selbst das Eisen entreiße. Er entkräfte das Gift, vertreibe den Wahnsinn rc.
Fig. 3. Diamant Orlow, links Seitenansicht, rechts von oben.
Größere Verbreitung nach dem Westen haben die Diamanten erst seit den Einfällen der Ghasnawiden nach Indien gefunden, und bis 1728 kamen sämmtliche Diamanten von dort. Die Verbrennlichkeit des Diamanten, obwohl schon früher bekannt, wurde 1694 von Averami und Taglioni mit Hilfe von Brenngläsern erwiesen, und 1773 zeigte Lavoisier, daß der D. zu Kohlensäure verbrennt. Viele der durch Schönheit oder Größe ausgezeichneten Diamanten haben ihre Geschichte. Der ursprünglich größte und der berühmteste unter allen Diamanten ist der Kohinur, d. h. Lichtberg. Die Sage der Inder läßt ihn schon vor 5000 Jahren von dem Helden Karna, den das Epos „Mahabharata" besingt, im Kriege getragen werden. Geschichtlich tritt er auf, seit ihn der Herrscher von Malwa, Alaed bin Khilji zu Anfang des 14. Jahrh. auf seinen Raubzügen nach Nordkarnatik erbeutete und nach Dehli mitnahm. Er soll 672, nach andern 793 Karat gewogen haben. Als der Großmogul ihn 1665 Tavernier zeigte, wog er, durch das Ungeschick eines venezianischen Steinschleifers zertheilt, nur noch 280 Karat (Tafel, Fig. 8). Den Kohinur entführte Nadir Schah 1739 bei der Plünderung Dehlis nach Afghanistan, von wo er in den Besitz des Maharadscha Rundschit Singh und nach dem Untergang des Reiches der Sikh in den der Oftindischen Compagnie kam, die ihn


