Ausgabe 
20.2.1894
 
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saß er n*en feiner Frau, die fast eriai unter all' dem Gram, in der auf der Stelle de* Wohnhäuser errichteten Rothhütte. De« Rosenbauers Haar hatte einen grauen Schein erhalten und seine Augen lagen tief in den Höhlen. Da hörte man draußen Geräusch; der Pfarrer trat ein.

Martin Straffer," begann er feierlich gegen den ihn fragend Ansehenden,Gotter Hand hat Euch schwer getroffen, aber er hat Euch auch eine große Freude bereitet; er schlagt wohl, aber er segnet auch mit milder Handl Erschreckt nicht allzu sehr, Toni ist gefunden!" L f

Lebt er?" riefen der Rosenbauer und seine Frau gleich» zeitig.

Gr lebt; seine Rettung dank Ihr diesen Beiden!"

Joseph nebst Mr. Shellock traten, Toni an den Händen führend, herein; der Knabe warf sich jubelnd den Eltern und der herbeigeeilten Schwester um den Hals.

Als die Freude sich einigermaßen gelegt, nahm der Pfarrer den Rosenbauer nochmals auf die Seite und fragte ihn leise: Gebt Ihr jetzt die Loni dem braven Burschen?"

Martin Straffer ward dunkelroth im Gesichte; er wandte sich ab und sagte verlegen:Mein Schwur, Herr Pfarrer, es thut mir leid, aber ich kann nicht!" Dann lief er hinaus.

Frau Elisabeth stattete den Rettern ihre» Sohnes den heißesten Dank ab. _ , m

Mr. Shellock aber brummte sehr ärgerlich:Dieser Bauer ist ein deutsches Bär! Ick mag ihn nicht leiden!" Dann sagte er zu Joseph:Kommen Sie, Joseph, kommen Sie! An diesem Orte herrscht ein Teufel!"

Und die beiden Männer gingen ebenfalls fort.

VIII.

Die Waage gleicht der großen Welt, Das Leichte steigt, das Schwere fällt.

Lessing.

Am Morgen des 14. Juli sah man abermals die Equi- page des Prinzen Adalbert durch Schwengau fahren. Auch diefe» Mal hielt sie vor dem kleinen Tagelöhnerhäuschen; aber heute war Joseph daheim. , t

Das war eine Freude, als er den Prinzen wieder be­grüßen konnte und der Prinz war selber sehr gut gelaunt. Er holte sich den Joseph als Führer auf die Alm und bat ihn hernach so beiläufig, ihm doch einmal die Loni, feine Geliebte, vorzustellen. Der Bursche hatte anfänglich Bedenken, wieder auf die Alm, wo Loni war, zu gehen, denn er fürchtete dort eine abermalige Begegnung mit dem jähzornigen Bauer. Aber der Prinz hatte eine so liebenswürdige Art, die Bedenken weg­zuscherzen, daß Joseph endlich einwilligte. Man schickte also da» Gespann de» Prinzen in den Gasthof zum Avler, deffen Wirth sich auf die hohe Ehre nicht wenig einbildete, und stieg die hohe Alm hinauf-

Die Bergtour würzte der Prinz mit allerlei witzigen und unterhaltenden Reden, so daß Joseph verwundert zuhörte und den Prinzen anstaunte. Welch' ein kluger und vornehmer Herr «ar doch sein ehemaliger Lieutenant. Und was war er, Joseph Ropp? Er war nur ein armer Führer. Zum Herbst mußte er jedenfalls fort aus Schwengau und als Knecht einen Dienst bei einem Bauern annehmen; es ging nicht anders.

Oben auf der Alm angekommen, musterte der Prinz mit Kennerblicken das schöne Rindvieh des Bauern und lobte es. Aber," fetzte er hinzu,wenn nur der Kopf des Rosenbauern nicht ebenso hart wäre, als einer dieser Rindviehschädel!"

Ja, es ist traurig, daß der Rosenbauer einen so harter Kopf hat, dachte Joseph. m

Loni war in der Almhütte. Da saß sie auf der Ban! und ruhte sich aus nach gethaner Arbeit. Das prachtvolle lichtblonde Haar, welches in zwei dicken Zöpfen über das bunte Mieder fiel, die schönen blauen Augen, das länglich ovale, edelgeformte Gesicht, die feine Nase, alle diese anmuthigen Reize de» jungen Mädchen» konnten wohl einen jungen Bur­schen bezaubern. Der Prinz sah Loni und lächelte.

Er ließ sich dann von Joseph die Loni und die Sennerin Broni vorstellen, besah die Wirthschast, trank ein Gla» Milch, und äußerte schließlich gegen Joseph den Wunsch nach einem Sträußchen Almenrausch und Edelweiß.

Königliche Hoheit," entgegnete Joseph,diese Pflanzen wachsen höher hinauf."

Es schadet nicht», Joseph, hole mir nur einen Strauß; ich warte hier," sagte der Prinz lächelnd.Leider bin ich da« Bergsteigen nicht so gewohnt. Ich will unterdeß etwa» aus­ruhen!"

Joseph nahm heimlich Abschied von Loni und kletterte weiter in den Bergen empor. Kaum aber war er fort, so rief der Prinz:Fräulein Loni, bitte, setzen Sie sich einmal neben mich."

Da» junge Mädchen lachte hell auf und erwiderte:Sagen Sie doch kurzweg Loni zu mir, Königliche Hoheit! Ich bin ein vornehmes Fräulein!"

Aber ich kann Sie, die Tochter de» reichen Rosenbauern, doch nicht kurzweg Loni anreden?"

O doch, sagen'» nur so!"

Gut, ich thu's!" entgegnete der Prinz und fuhr lächelnd fort:Also, morgen ist Joseph» Geburtstag!"

«Ich weiß es, Königliche Hoheit; er hat mit meinem Vater den Geburtstag an einem Tage. Es wird ein trauriger Geburtstag werden!"

Wollen Sie helfen, ihn zu einem freundlichen zu ge­stalten?"

Ja, Hoheit, und wie gern!" rief das junge Mädchen.

Nun gut, dann richten Sie sich so ein, das Sie morgen früh etwas vor neun Uhr in Ihrem väterlichen Haufe sind. Wenn dort von dem Dornbauer und seinem Heirathrantrag die Rede ist, so sagen Sie nur immer Ja, denn der Dorn­bauer ist von morgen ab der wackere Joseph Ropp!"

Ach, wie ist das möglich?" rief Loni bestürzt und freu- big erregt.

Ich habe dem Joseph zum Dank für die wackere That, die er einst an mir gethan, das Gut des Dornbauern in aller Stille gekauft und das Gesinde erwartet bereit» den neuen Herrn. Morgen früh werden wir ihn damit überraschen."

Der Prinz verabredete noch einige Vorbereitungen für den morgenden Tag mit Loni, bis Joseph mit dem Almen­rausch unb Edelweiß zurückkam. Dann stieg der Prinz mit seinem Führer wieder hinab von der Alm. Unterweg» aber sagte er noch zu demselben:Höre, Joseph, morgen halte Dich um acht Uhr bereit. Mein Wagen holt Dich ab. Ziehe aber Deinen Sonntagsstaat an, denn Du sollst mich zu einem Feste begleiten!"

Ich werde pünktlich sein, Königliche Hoheit!'

Vergiß es aber ja nicht, Joseph!"

Gott bewahre! Was Königliche Hoheit befehlen, behalt' ich wie das liebe Vaterunser!" betheuerte Joseph.

Der edle Fürstensohn versank in Gedanken. Hier machte er ein Paar glücklich; aber wie viele Noth gab er noch im Lande zu stillen. Der hochherzige Prinz wünschte lebhaft, daß sich alle Großen und Reichen de» Landes zu einem Bunde ver­einigen möchten, um allen Bedrängten beizustehen. Wenn nicht alle Noth. so könnte dadurch doch viel Bedrängniß aus der

Welt geschafft werden.

Joseph aber dachte voll Wchmuth daran, daß morgen schon sein sechrundzwanzigster Geburtstag sei; schon über ein Vierteljahrhundert hatte er gelebt und noch nicht viel für sein Lebensglück erreicht. Das war schlimm! Wenn Loni nur sein würde; aber das hatte lange Weile, der verstockte Rosenbauer würde seinen Sinn wohl nie ändern. , L

Endlich waren der Prinz und sein Führer wieder in Schwengau angelangt. Der Prinz trank im Gasthofe zum Adler ein Glas Bier, bezahlte den Wirth königlich, dann fuhr er davon, Joseph nochmals einschärfend, morgen ja pünktlich zu fein.

(Schluß folgt.)