Ausgabe 
20.2.1894
 
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1894.

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Dienstag, den 20. Februar.

Der Rosenhof.

Novelle von C. Western.

(Fortsetzung.)

Mr. Shellock verfolgte gerade in seiner Zeitung mit großem Interesse die Ernennung seiner Vettern Night, Clear und Key zu hohen Staatsbeamten-Posten inDlb England", als bte WorteRosenbauer, Tont, Kinderraub, Zigeuner" an sein Ohr schlugen. Er horchte daher hinter seiner Zeitung und hörte, wie der Oberjäger Jakob Pfilzer sich beim Gelage mit einem seiner Coltegen erzürnt hatte und diesen heftig anfuhr: Schweigst Du jetzt?"

Nein, in die Welt will ich'« schreien, daß Du mit dem Schandkerl, dem Gigo, dem Zigeuner, zusammengeseffen hast und den Kinderraub geplant. Meinst Du, ich kenn' den Schlupf nicht bei der Oese, wo er's Kind versteckt hält?"

Schweig'I" gebot Pfilzer von Neuem.

Gib erst das Geld Herl" antwortete der andere Jäger trotzig.

Mr. Shellock hörte Geld klingen.

Wenn der da nur nix gehört hat!" flüsterte der Geld­empfänger.

Der? Das ist ein halb verrückter Engländer, der kein Wort deutsch versteht!" bemerkte Pfilzer und lachte heiser.

Dann gingen die Jäger auch fort.

Mr. Shellock that noch eine Weile, als ob er weiter lese, dann stand er auf und ging mit einemGute Nacht" aus sein Zimmer. Von hier aber schlüpfte er, das Licht in der Hand, zu Joseph, der schon längst in seiner Kammer sich zur Ruhe niedergelegt hatte. Mr. Shellock weckte Joseph, setzte stch vor dessen Bett auf einen Stuhl und fragte ganz trocken: Mister Joseph, was ist ein Schlupf?"

' Joseph mußte über die sonderbare Frage, und die noch zur Nachtzeit an ihn gerichtet wurde, lachen.

Aber der Engländer sagte ernst:Lachen Sie nicht! Was ist ein Schlupf?"

Ein Schlupf? Nun, ein Versteck, eine Höhle!"

Gut! Und was ist die Oese?"

Der bedeckte Weg hier oberhalb des Küchel, der durch den Felsen führt!"

Dann ist das geraubte Kind Toni in der Schlupf bei die Oese!" rief Mr. Shellock mit geheimnißvoller Stimme aus.

Was sagen Sie da, Herr Shellock?" entgegnete Joseph erstaunt.

Ich habe das gehört von die Jäger unten in dem Hots soeben!" gab Mr. Shellock zurück.

Eine Höhle soll bei der Oese sein!" murmelte Joseph vor sich hin. Er war schon aus dem Bette heraus und fuhr in die Kleider. Er gedachte jetzt auch seines seltsamen Erlebnisses, das ihn neulich in der Oese betroffen, und de» schmalen Einganges, den er entdeckt. Das mutzte also wohl die Höhle sein. Jetzt war Joseph bereit, die Sache zu unter­suchen.

Er sagte hastig:Ich eile nun fort und hole Leute, Mister Shellock!"

Gut," erwiderte der Engländer,machen Sie das so!"

Mr. Shellock ging dann auf sein Zimmer, untersuchte seine beiden Revolver und lud sie scharf, setzte seine Laterne in Stand und wartete auf Josephs Rückkehr. Als er Schritte vor dem Gasthause hörte, ging er hinunter.

Joseph hielt unten mit zwei Gendarmen, die er in der Sägemühle getroffen, auch waren der Müller, der Wirth und mehrere Arbeiter dabei. So brachen die mer zu der merk­würdigen Suche auf, ohne daß sonst I m mb eme Ahnung da­von hatte. Sie hatten stch mit Kienfuckei» v rsehen und drangen ohne Weiteres, als sie vor dem von Joseph bezeichneten Fels- spalt angekommen waren, in die Höhle em.

Joseph, Mr. Shellock und die Gendarmen waren die ersten, welche in der Höhle vorsichtig vorwä'ts furitten. Man fand in derselben keine ganze Zigeunergesellschaft, sondern nur den Zigeuner Gigo neben dem schlafenden Toni. Als der er­schrocken auffahrende Brandstifter und Kmoerräuber mit dem Messer auf den schlafenden Knaben zusahren wollte, faßte Joseph den Schurken mit starker Hand und entriß ihm das Messer; dann wurde er gefesselt und von den Gendarmen in das Gefängniß gebracht.

Im Triumph führte Joseph den Toni mit sich nach dem Küchel und nahm ihn zu sich in seine Kammer, um ihn am hellen Tage nach Schwengau zu seinen Eltern zurückzubringen. Toni hatte natürlich laut aufgejauchzt, als er Joseph, seinen Freund, sah. Weinend erzählte er, wie der Zigeuner ihn ge­schlagen, gestoßen und mit dem Tode bedroht habe; auch habe er Hunger und Noth gelitten. Für diese Nacht thaten Mr. Shellock und Joseph kaum ein Auge zu, der Engländer aber meinte:Es ist doch gut, daß ick habe gelernt der deutsche Sprache! Nach einer gute That man ßläft immer süß!" Dann schlief er frohen Herzens ein.

Früh Morgens lief abermals ganz Schwengau zusammen, als der Joseph den Toni brachte.

Der Rosenbauer ahnte nicht». Vergrämt, voll Kummer