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in dem sie gesprochen, hatte ihm so imponirt, daß er keine Widerrede wagte.
„Was gedenken Sie dort zu thun?" forschte er neugierig, während er ein ironisches Lächeln unterdrückte.
„Wie?" gab sie zurück, als begriffe sie die Frage nicht, jetzt, da sie ihren Entschluß bereits gefaßt- «Ich will Desider retten!" setzte sie in bestimmtem Tone hinzu-
(Fortsetzung folgt.)
GEsinnütziges.
Einfaches Mittel, um das Schimmligwerden der Schinken, Würste und des Rauchsteisches zu verhüten. Sehr oft tritt der Fall ein, daß Rauchfleisch, Schinken und Würste schimmlig werden, wenn sie auch nur kurze Zeit in einem etwas feuchten Lokale aufbewahrt werden- Um diesen Uebclstand zu vermeiden, bringt man Kochsalz in eine tiefe Schüffel und übergießt dasselbe mit so viel Wasser, daß ein dünner Brei entsteht; mit diesem Brei streicht man dann die Schinken und Würste mittels eines Pinsels an. Die so behandelten Fleischarten überziehen sich mit feinen Salz- krystallen, die jede Schimmelbtldung verhindern. — Die „Fundgrube" empfiehlt dieses Mittel auch dazu, um den zeitweilig in den Gelenken der Schinken auftretenden Schimmel zu beseitigen.
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Wasserdichte Kleider oder Zeuge herzustellen. Man nimmt zwei Pfund Alaun, die man in einem Eimer s Wasser auflöst; in einem anderen Eimer löst man zwei Pfund Bletessig- Beide Flüssigkeiten werden dann gemischt und eine Zeitlang in Ruhe gelassen, wobei sich schwefelsaures Bleioxyd niederschlägt. Dann wird die Flüssigkeit behutsam abgegossen, so daß der Bodensatz ganz zurückbleibt. Diese Flüssigkeit dient zum Wasserdichtmachen der betreffenden Kleidungsstücke oder Zeuge, indem man solche darin einweicht. Man nimmt hierauf den Stoff heraus, durchknetet ihn einigemale und hängt ihn dann zum Trocknen, womöglich in freier Luft, auf.
Anstrich für Hausgeräthe aus Eisen. Wasserblei (Pottlot, Ofenschwarz), mit etwas Wasser zu einem dickflüssigen Brei angerührt, wird mit einem Bürstchen, wie man solche zum Aufstreichen der Wichse auf die Stiefel benutzt, auf verrostete Eisensachen, wie Plättöfen, Kohleneisen rc., aufgetragen und vollständig trocknen gelassen. Mit einer anderen nicht zu steifen Bürste werden dann die Gegenstände tüchtig gebürstet, wodurch dieselben einen prächtigen Glanz erhalten. Dieses Verfahren, obwohl das erste Mal etwas mühsam, schützt lange Zeit vor Rost. Auch Petroleum-Kochherde erhält man auf diese Art glänzend und wie neu.
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Ersatz für einen Eisschrauk. In Ermangelung eines wirklichen Eisschrankes kann man leicht einen solchen im- provistren, wenn man dazu einen Fliegenschrank benutzt und in dessen unterstes Gefach ein Stück Eis auf einen Teller, welcher von einem Stück Flanell bedeckt ist, legt. Die vom Eis ausstrahlende Kühle wird sich alsbald dem ganzen Schrank und den darin aufbewahrten Eßwaaren mittheilen. Man muß jedoch Acht haben, die Eßwaaren nie warm in den Schrank zu stellen, da die sich entwickelnden Dünste eine ungünstige Wirkung auf die übrigen vorhandenen Lebensmittel haben. Damit die Kühle recht lange in dem Schranke verbleibt und nicht ausströmt, empfiehlt es sich, die Gaze- oder Drahtwände des Fliegenschrankes mit Flanell oder grobem Tuch fest und dicht anliegend zu behängen. Das Stück Eis im Fliegenschrank hält sich ebensolange als in einem Eisschranke.
Vermischtes.
Mißverstandenes Benefiz. Dienstmädchen, (welches die Tochter des Hauses vom Theater abgeholt): „Fräulein, wie war das heutige Stück?" - Fräulein: „Traurig. Am Schlüsse starben sechs Personen!" — Dienstmädchen: „Das dacht' ich mir gleich, well so viele Kränze ins Theater geschleppt wurden!"
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„Herr Pastor, ick will mir scheiden lassen!" — „Warum denn?" — „Ja, meine Alte trinkt zu viel Schnaps." — ,Zu viel Schnaps? Und darüber beklagen Sie sich, der Sie doch täglich betrunken sind?" — „Ra, jrade drum! Eens muß doch in de Familie sein, das nüchtern ist."
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Schwer!)ch. Der kleine Franz will beim Mittagstisch absolut keinen Spargel essen. „Warte nur," sagt die Mama, „wenn Du Soldat wirst — in der Kaserne lernen sie Dir schon das Spargeleffen!"
Lahnthalfagen.
Von Ludwig Eichler.
3. Burg Ardeck.
Wenn der Frühling wieder in die Lande zieht Und sich Wald und Flur mit zartem Grün bedeckt - Wenn aus Klüften und aus dunklen Höhlen flieht, Was des Lenzes Hauch aus langem Schlaf geweckt:
Dann aus Ardecks altersgrauer Burg hernieder Tönt ein ferner, fremder Klang um Mitternacht- Thurm und Mauern krönen Dach und Zinnen wieder, Aus den Fenstern strömet reicher Lichter Pracht.
Die Pokale klingen hell im Rittersaale, Lauter Zechgesang urmarkig niederrauscht - Schmetternder Fanfarengruß erschallt beim Mahle, Thaten kühner Recken werden ausgetauscht.
Schlanke Schatten schweben dort im Lichterglanze, Frauen, edel, schön, im Schmucke reich von Gold, Hohe Minne sinnend bei dem Festestanze, Denn von Herzen ganz sind sie den Männern hold.
Knarrend öffnet sich des alten Bürgthors Gitter, Und ein fürstlich Prachtgespann fährt rasch zu Thal, Weil noch fehlen einige der wackren Ritter, Die von Limburg sind geladen zu dem Mahl.
Wo einst Konrad Kurzbold lang mit mark'gem Arm Seine Feinde niederschlug im Reckenstreite, Reicher Dienertroß, verkappter Landknechtschwarm In die Fehde zog, dem Herren treu zur Seite:
Schauet heute öd verlassen Limburgs „Beste" Auf das nun so fremde Prach tgespann herab - Die im Ritterschmuck einst fuhren hin zum Feste, Birget schon manch hundert Jahr' das stille Grab.
Wie von überird'schen Mächten fortgetragen Windesschnell nach Ardecks hohem Mauerthor, Eilt das Viergespann aus Mittelalters Tagen, Und im Schlosse nun verstummt der Ritterchor.
Dunkel wird es Plötzlich rings in Ardecks Mauern, Dach und Zinnen — eben glänzend — sind nicht mehr - Tiefe Nacht erfüllt von mächtig eis'gem Schauern, Wo nun alles wieder traurig, öd' und leer. —
Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.


