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prahlte er besonders durch seine Heldentaten bei der Barden- stein'schen Entweichung.

Mit schwerem Herzen bestätigte der Fürst das über Kul- mann ausgesprochene Todesurtheil, welches schon am anderen Tage vollzogen wurde. Schultheiß Schöffer schreibt darüber:

Anno 1 659.

Ao. 1659 den Ilten May.

Ist Andreas Kulmann vnder dem Gericht vfm Lösbusch mit dem Schwert Hingericht, vndt der Cörper zu Aschen ver- brant worden.

Wenige Tage nach der Hinrichtung trat schönes, warmes Frühlingswetter ein- Das Vieh konnte auf die Weide gehen, wodurch die Krankheits- und Schwäche-Ersieinungen schnell verschwanden. Bei den Kindern erging es gerade so. Ehe der Wonnemond Mai zu Ende, waren alle Plagen, Schmerzen und Gebrests verschwunden, herrliches Wetter und goldener Sonnenschein lag über dem Lande, die Bäume blühten und die Früchte gediehen so schnell, daß man bald keinen Mangel mehr verspürte und gar nicht für möglich hielt, daß Alles so garstig und Übel gewesen.

Seht Ihr," sprachen jetzt die Leute untereinander,jetzt erkennen wir deutlich, daß dieser Hexenmeister Kulmann alles Unheil angestiftet hat. Von Stund an, da ihn der Scharf­richter hingethan, kam die Sonne herfür und schien lieblich, wie viele Wochen lang nie zuvor. Also sind auch diesmal die Eisheiligen Pankraz und Servaz gnädiglich vorübergegangen, ohne etlichen Schaden anzurichten. Ist nichts anderes zu schließen, als daß es dem Himmel gefallen: solchen Hexen­meister und Teufelsbraten aus dem Menschengeschlechte zu tilgen und wegzuthun."

Die hinterlaffene Wittwe des Andreas Kulmann verkaufte ihr Anwesen und zog nach Echzell. Von hier aus zahlte sie die Kosten, welche durch das Einkerkern und die Hinrichtung ihres Mannes entstanden. Die Zahlung erfolgte am 4. Juli 1659, denn in den Aufzeichnungen des Schultheißen Schöffer heißt es:

«Zwantzig Rthr: Andreas Kulmans Witt. Von Echtzel wegen Ihres Manß Uncosten Geliefert, So Ihr angesetzt worden, den 4tn July 1659.

Für Caspari waren die Aussagen Kulmanns und die Er- scheinungen nach Hinrichtung desselben ein großer Triumph gegenüber dem Landgrafen. Die Ansichten des Richters hätten gar nicht beffer unterstützt werden können. Der Fürst empfand dies und kam nicht mehr auf die Angelegenheit zurück.

Zu Anfang September kam ein treuer Bote von der Ronneburg, der brachte wieder ein Brieflein an Justine. Der Bote sagte, er habe einen Tag oder zwei in der Umgegend zu thun, dann käme er zurück, um Justine mit in das Jfenburgische zu nehmen. Sie war sprachlos vor Freude, erquickte den Mann mit Essen und Trinken, gab ihm auch etliche Albus Botenlohn und konnte kaum abwarten, bis sie allein war, um zu erfahren, was in dem Schreiben stehe. Der Inhalt über­traf noch ihre Erwartungen, denn sie las darinnen: der Storch habe den jungen Eheleuten ein Knäblein in die Wiege gelegt; da» solle demnächst getauft werden und zu Ehren der treuen Freundin Justine den Namen Justus erhalten. Also müsse sie zur Tauffeterlichkeit erscheinen und das liebe Menschlein zur heiligen Handlung auf ihren eigenen Armen tragen.

Mit dieser Nachricht eilte sie zur alten Beilstein; als die brave Frau die Nachricht vernahm, tanzte sie im kleinen Zim­mer herum, wie es ihre alten Glieder vertrugen, klatschte in die Hände und rief unter Weinen und Lachen:Ein Ur- enkeleinl Ein Urenkelein I Gütiger Gotthilf, daß ich das Kind­lein auch noch sehen kann vor meinem Ende, dann will ich gerne dahin fahren."

Darnach gaben sich beide Personen wieder das Versprechen, keiner menschlichen Seele zu verrathen, wo ihre Lieben geborgen wären, denn was mehr als Zweie wüßten, sei kein Geheimniß mehr. Durch die Geständnisse des Kulmann habe der Hexen­richter Caspari wieder Oberwasser bekommen, der Fürst hätte

den Rentmeister um deswillen noch nicht begnadigt, weil Barden­stein den Richter mit dem Tode bedrohet habe. Also sei nach wie vor große Vorsicht nöthig und müßten bessere Zeiten ab­gewartet werden.

Für Justine bestand die Schwierigkeit, von dem Vater auf vierzehn Tage Urlaub zu bekommen und eine Reise in das Jfenburgische zu machen. Es ging aber besser, als sie dachte. Der Vater hatte Verwandte in Mittel-Gründau, einem Dorfe, das nahe bei der Ronneburg liegt. Das wußte Justine sehr wohl: auch im Hanau-Lichtenbergischen hatten sie Freunde, die öfter Grüße sandten und um Besuch baten. Als nun Justine mit ihrem Reiseplan und der guten Fahrgelegenheit kam, stimmte der Alte sehr bereitwillig zu. Nach zwei Tagen fuhr sie ab, traf wohlbehalten auf der Ronneburg ein und konnte kaum erwarten, bis sie zur Freundin kam. Das Glück und die Freude des Wiedersehens zu beschreiben, ist unmöglich. Die Freundinnen lagen sich in den Armen.Bei Euch heißt es: Sie gedachten es böse zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen," sprach Justine, als sie endlich Worte fand.Wie schön Du geworden, Sibille, das weißt Du selber nicht, ein reizendes junges Weib, wie ich es nie gesehen. Nun zeige mir das Söhnlein. Wie alt ist es schon?"

Zwei Wochen heute," war die Antwort,doch sprich leiser, meine Gute. Hier nebenan im Gemache ist das Knäb­lein. Daneben sitzt der Burggraf, der uns als Kinder an* und ausgenommen. Er sitzt den ganzen Tag im Zimmer, nahe bei dem Menschlein, und starrt es mit Entzücken an, ist un­willig, wenn man es stört und untersucht doch zuweilen, wenn es lange schläft, ob es noch am Leben. Komme mit herein, der Adoptivvater, den wir aus vollem Herzen Vater nennen, kennt Dich und die Liebe, die Du uns bewiesen, sehr genau, er freut sich auf Deine Ankunft."

(Fortsetzung folgt.)

Der Bienen-Vetter.

Eine Heide-Novelle von C. Crome-Schiviening.

(Fortsetzung.)

Die alte Trude zupfte und rückte an ihrer Haube und nöthigte die Gesellschaft ins Wohnzimmer, um alsdann mit den hastigen Worten, sie werde den Herrn rufen, zu ver­schwinden.

Draußen, in dem ungepflegten Garten stand sie hoch- athmend still. Sie erinnerte sich des strengen Verbotes ihres Herrn, je das Gartenhaus zu betreten oder ihn, wenn er darinnen sei, zu stören.

Aber was' mach' ich denn nur?" eiferte die Alte. Drüben im Wohnzimmer die ganzen gnädigen Verwandten, und er hat sich wieder eingeschloffen. Ich werde ihn rufen."

Und sie that es.

Was giebt's?" klang es aus dem Gartenhause.

Besuch!" keuchte die alte Trude, der die Aufregung fast den Athem nahm,der Herr Oberamtmann, und die Frau Oberamtmännin und das gnädige Fräulein und--"

Sie verstummte, denn die Thür des Gartenhauses flog auf.

Eine leichte Röthe der Ueberraschung auf dem Antlitz stand Hinrik vor der Alten.

Was sagen Sie da, Trude wer ist da?"'

Die Alte wiederholte ihren Sermon, aber Hinrik schien schon nicht mehr auf sie zu hören. Er schlug die Thür des Gartenhauses zu, ohne sie wie sonst sorglich zu verschließen und ging so behend dem Hause zu, daß die Alte ihm schier verdutzt nachstarrte. Dann aber erinnerte sie sich ihrer Pflichten und eilte in die Küche, wo alsbald das Gerassel einer eifrig in Bewegung gesetzten Kaffeemühle verrieth, daß sie wußte, was zunächst nothwendig sein würde.

Der Glanz der freudigen Ueberraschung wich sofort aus Hinrik's Gesicht, als er neben Marien, der fein erster Blick galt, Fritz Gerding gewahrte.