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„Guten Lag, mein Junge!" rief ihm der Onkel Oberamtmann zu, sich aus dem altmodischen, weichgepolsterten Sopha schwerfällig erhebend. „Du staunst, was? Ja, wenn Mohamed nicht zum Berge kommt, so kommt der Berg zu Mohamed. Und nun Ernst statt Scherz, Hinrik! Soviel Segenswünsche, wie die alte Boten-Marlene über Dich herabgefleht, können meine alten Lippen nicht nachbeten, aber das wollte ich Dir doch auch sagen: Junge, ich, Dein Onkel, bin stolz auf Dich!"
„Aber Onkel," wehrte Hinrik ab, aber es half ihm nichts, er mußte auch ein paar anerkennende Worte der Tante Ober« amtmännin mit in den Kauf nehmen. Seine Stirn entwölkte stch erst wieder, als Mariechen auf ihn zutrat und mit den schlichten, aber von tiefer Herzlichkeit durchdrungenen Worten: „Ich danke Dir, Hinrik!" seine Hand ergriff.
Nun meldete sich auch Fritz Gerding zum Worte: „Knüpfen uns auch nur entfernte Verwandtschaftsgrade aneinander, Herr Schneider, so gestatten Sie doch auch mir, Ihnen meine besondere Hochachtung auszusprechen und dabei mich vorzustellen. Ich bin Fritz Gerding. Sie haben auch mich durch Ihre gestrige That stolz gemacht.
Hinrik reichte dem jungen Referendar stumm die Hand- Er fühlte einen Stich in der Brust, als dieser sie herzlich drückte, hätte er ihn doch am liebsten wett hinweggewünscht. Mit einer Verlegenheit kämpfend, die dadurch, daß er Mariens Blick auf sich gerichtet fühlte, nur noch größer wurde, entschuldigte er sich in ungelenken Worten: er müsse einmal nachsehen, wo Trude bleibe, um den Herrschaften mit einer Erfrischung aufzuwarten.
Das war nun nicht nöthig, denn die runde Gestalt der Alten segelte schon eilfertig ins Wohnzimmer, und bald stand der frischduftende Kaffee, köstliches Haurbrod, frischer Butter und goldiger Haidhonig auf dem Tische, und der Oberamtmann gab durch rasches Zulangen ein Beispiel, dem alle anderen folgten.
„Wenn Du nun denkst, wir seien nur gekommen, um Dir Elogen zu machen, so irrst Du Dich, Hinrik!" ließ sich nach einer Pause behaglicher Sättigung der Oberamtmann vernehmen. „Jetzt entführen wir Dich — ja, mach' nur große Augen! Beruhige Dich, es geht nicht unter Menschen, sondern in Deine vielgeliebte Haide hinein. Deine Imkerei sollst Du uns zeigen — der Neffe Rechtsverdreher kann von Deinen Bienen vielleicht etwas lernen. Dich Alte dispensier' ich, das Mittagsschläfchen, das Dir entgangen ist, kannst Du hier auf dem Kanapee nachholen. Hinrik wird wohl nichts dagegen haben. Während wir fort sind, kann Deine Trude uns ein Vesperbrod bereit machen. Du siehst, wir machen keine Umstände und thun so, als ob wir hier zu Hause wären. Und wie ist's mit Dir, Mariechen — kommst Du mit zu den Bienen, oder leistest Du der Mama Gesellschaft?"
„Ich möchte hier bleiben. Vielleicht kann ich der Trude zur Hand gehen!"
„Bienen-Vetter!" Das Wort tauchte in Hinrik's Brust wieder auf und erfüllte sie mit Bitterkeit.
Fritz Gerding's Antlitz verrieth einiges Unbehagen. Die Fahrt in die Haids ohne Marie schien ihm wenig Aussicht auf Vergnügen zu gewähren. Aber eine Ablehnung seinerseits war unmöglich, und so folgte er denn dem Beispiele seines Onkels und Hinriks, die sich für die Haidefahrt fertig machten. Mit stummem Gruß nahm Hinrik Abschied von Tante und Cousine. Aber es war doch schon die fünfte Nachmittagsstunde vorüber, als der Wagen mit den drei Herren den sandigen Weg durch die duftende Haide durchrollte.
„Ein schrecklicher Mensch, dieser Hinrik," klagte die Frau Oberamtmann, indem sie sich behaglich in der Sophaecke zurechtrückte. „Gerade als ob man ihm jedes Wort abkaufen müßte."
Marie wollte ein hastiges Wort erwidern, aber sie schwieg. Eine Unruhe quälte sie, über deren Ursache sie sich keine Rechenschaft zu geben wußte.
i „Ich will einmal zur alten Trude gehen, vielleicht kann ich ihr helfen I"
„Thu das, mein Kind I" kam es gähnend aus der Sopha- Ecke zurück.
Ihre freundlichen Absichten, die Marie in der blitzblanken Küche alsbald der würdigen alten Wirthschafterin mitt heilte, fanden dort freilich ein freundliches Ohr, aber auch eine unverblümte Ablehnung.
„I, wo denken Sie sich, Fräulein Mariechen! Das besorge ich schon selbst! gehen Sie lieber ein Stündchen in den Garten. Du lieber Himmel, rares Zeug haben wir freilich nicht darin, es wächst ein bischen bunt durcheinander dort, dafür sind aber ein paar Lauben da voll Schatten. Und die Stachelbeeren links unten, Fräulein Mariechen, der erste Busch mit den großen, gelben — den empfehl' ich Ihnen!"
(Fortsetzung folgt.)
GeMSMnNtziKSS.
Erhöhung der Fruchtbarkeit der Erbsen. Man kneipe den Pflanzen die Spitze ab, und zwar den niedrig bleibenden Sorten, wenn sie ca. 15 Centimeter, den hoch werdenden, wenn sie ca. 30 Centimeter lang sind. Haben die Pflanzen nach dem Abkneipen wieder drei neue Glieder getrieben, so werden die Spitzen abermals abgezwickt und dies Verfahren noch zwei bis drei Mal wiederholt, bis die Zeit kommt, zu der man wünscht, daß sie blühen und Schoten ansetzen. Sobald die Pflanzen verblüht und die Schoten ausgebildet sind, soll mit flüssigem Dünger gegossen werden. Auf solche Weise behandelte Pflanzen sollen einen vierfach größeren Ertrag liefern, und es wird dadurch, wenn verschiedene Sorten an einem und demselben Tage gesteckt werden, eine Reihenfolge im Ertrage erzielt, die nur wünschenswerth sein kann. Kurze Zeit nach dem letzten Einkneipen entfalten sich die Blüthen.
Wo an Obstbäumen der Fruchtsegen zu groß ist, besonders wo an Formbäumen mehrere Früchte an einem Zweige sich befinden, muß jetzt zur Schonung des Baumes ausgebrochen werden. Von oft wunderbarer Wirkung ist das Bespritzen der tragenden Obstbäume früh Morgens mit Regenwasser, noch besser, wenn man solchem auf 100 Liter 1 Kilo Eisenvitriol beimischt, die Früchte und das Laub werden dadurch gestärkt, größer und glänzender.
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Die Raupen an den Obstbäumen richten jetzt am meisten Schaden an; ihre Nester sind jetzt groß und leicht sichtbar. Ein einfaches Mittel ist, die Nester abzuschneiden und zu zertreten oder mit der Raupenfackel (ein Strohwisch thut es auch) zu verbrennen, auch sollen die Raupen zu Grunde gehen, wenn man einfach ihre Nester zerstört durch Hauen oder Peitschen mit Ruthen, was besonders an niederen Bäumen und Weißdornhecken leicht auszuführen ist.
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Au Johannis- und Stachelbeeren hat man in neuerer Zeit ein vorzeitiges Abfallen der Blätter beobachtet, wodurch ein Ausbilden der Zweigs und besonders der Augen unmöglich wird. Die Ursache hieran ist ein Pilz, vielleicht derselbe, der die Blattfallkrankheit der Reben verursacht; wie dort, sind hier die Pflanzen mit Kupferkalklösung zu bespritzen; die abgefallenen Blätter müssen verbrannt werden.
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Unreife Stachelbeeren, die man zu Speisezwecken verwendet, legt man in eine Schüssel, gießt kochendes Wasser darauf, bedeckt sie und läßt sie so eine bis drei Stunden stehen; hierauf legt man dis Beeren auf ein Sieb und verwendet sie zu Speisen. Die dem Körper nicht zuträgliche Säure hat sich daun in das Wasser, das man fortgießt, gezogen, auch erspart man bei solcher Zubereitung viel Zucker.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen.


