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nie aufhören, — Ihr Freund zu sein und wenn Sie einmal in ernster Stunde eines Freundes bedürfen sollten, so denken Sie an Albrecht von Laffow — er geht für Sie durch Feuer und Master I"
„Ich danke Ihnen viel tausendmal," hauchte sie erröthend und eilte dann an die Seite der Großmutter, welche zum Aufbruch mahnte.
Draußen im Corridor, als die Damen die Mäntel umnahmen, stand mit einem Male Bellarino neben Comteß Sucie. „Also morgen wollten Sie am Waldrande Vergißmeinnicht suchen, Gräfin? Ich darf Ihnen wohl dazu eine italienische Liebesklage spielen, wie sie in meiner Heimath oft zu hören ist. Auf Wiedersehen, holdeste aller Waldfeen," flüsterte er der Comteß ganz leise zu.
„Comteß Bergen, ich habe wohl Ihren Shawl gefunden," ertönte plötzlich streng und kalt die Stimme des Schloßherrn und er stand vor den Beiden. „Darf ich Ihnen denselben umlegen und Sie zum Wagen führen, Comteß? Frau Gräfin find bereits eingestiegen."
Und ohne den hart daneben stehenden Künstler auch nur anzusehen, bot er der erglühenden, zitternden Comteß den Arm und führte sie hinweg, während Bellarino bleich und zornig zu Thekla trat.
„Gnädiges Fräulein, ich muß mich von Ihnen für heute verabschieden," sagte er mißmuthig. „Mein Kopf schmerzt furchtbar und die Lichter blenden mich. Gute Nacht, Thekla," fügte er leise, leidenschaftlich hinzu, „Ihr Bild wird meine Träume umgaukeln; mein Herz liegt zu Ihren Füßen und ersehnt nur das Eine — daß Sie es aufheben möchten."
Thekla erröthete und sagte ausweichend: „Auf Wiedersehen morgen, Herr Bellarino!"
„Sagen Sie nicht so! Der Name klingt von Ihren Lippen so steif und so haffenswerth; Sie wissen, wie ich noch außerdem heiße"
„Gute Nacht — Leo," flüsterte Thekla dann von Neuem erröthend. Ihre Augen flammten, ihr Athem flog und hastig bog er sich zu ihr hin, um noch einige glühende Worte zu flüstern, dann eilte er fort, noch ehe Albrecht zurückkam.
Dieser stand noch regungslos draußen in der feuchtwarmen Märznacht und starrte dem davonrollenden Wagen nach.
„Der Schurke," stieß er dann heiser zwischen den Zähnen hervor, „er verabredete mit Sucie ein Rendezvous und wechselt auch mit Thekla glühende Blicke. Aber hall, morgen will ich auch dabei sein am Waldesrande, um Vergißmeinnicht zu suchen und dann wehe ihm!" ♦ * ♦
„Sucie," sagte die Gräfin während der Fahrt, „Du schienst mir vorhin ein sehr ernstes Gespräch mit Herrn von Lassow zu führen. Was war es? Oder — kannst Du mir es nicht sagen?"
„Doch, Großmama, wenn Du danach frägst. Er erklärte mir, daß — daß er mich liebe —"
„Und Du, Kind, was antwortetest Dn^ ihm?'V frug die Gräfin hastig.
„Ich? O, Großmama — ich sagte ihm, daß — daß ich diese Gefühle nicht zu erwidern vermöchte, aber ich bat ihn auch, mir deshalb nicht zu zürnen."
„So wiesest Du den braven Albrecht ab? — Sucie, das schmerzt mich tief; mein liebster Wunsch wäre, Dich neben ihm am Altäre stehen und Euch durch Priesterhand für immer vereinigt zu sehen. O, Kind, wie thöricht und unberechenbar ist doch Dein Herz! Ein braves Männerherz ist mehr werth, als ein flüchtiger Siebesrausch!"
Der traurige Ton dieser Worte schnitt dem jungen Mädchen tief in die Seele, Thränen schossen in ihre Augen und sie lehnte beinahe scheu das blonde Köpfchen an die Schulter der Gräfin.
„Ach, Großmama, zürne mir nicht! Saß mich nur bei Dir bleiben! Weshalb soll ich schon heirathen? Ich bin ja noch so jung," erwiderte Sucie dann schmeichelnd.
„Gerade deshalb würde ich mich von Herzen freuen, Dich
in den Armen jenes edlen Mannes geborgen zu wissen. Aber reden wir nicht mehr davon, Du hast entschieden und mein Seid und Schmerz nützt eben doch nichts mehr. Der Traum ist vorbei für immer; Gott helfe Dir und auch dem wackeren Albrecht zu einem anderen Glücke!"
Der Rest der Fahrt ward in trübem Schweigen zurück« gelegt. Als die beiden Damen aurstiegen, sahen beide verweint aus und begaben sich nach wenigen Worten in ihre Schlafzimmer. Hier sank Sucie qualvoll aufschluchzend vor dem Bett in die Kniee und murmelte: „Ich konnte nicht anders, barmherziger Gott im Himmel! ®enn nachdem ich Jenen gesehen, weiß ich, was Liebe ist und durfte Albrecht nimmermehr belügen! Großmama scheint ihn nicht zu mögen, aber wenn sie sieht, daß er mich liebt, wird sie auch milder werden. Morgen will er an den Waldrain kommen." —
Bild aus Bild zog vorüber an ihrer Seele, der Schlaf floh die glänzenden Augen des jungen Mädchens und jene berauschenden, schmeichelnden Weisen, die sie vorhin gehört, schwirrten von Neuem in ihrem Ohr.
„Vergißmeinnicht," murmelte sie erglühend und preßte die Lippen auf das welke Blumensträußchen, das von ihm stammte, „wie ich Euch liebe, Ihr blauen, süßen Dinger, welche er für mich bestimmt. Nehmt meine Grüße und tragt sie zu ihm, damit sie ihm sagen, was ich selbst nicht aussprechen kann — daß ich — ihn — liebe!"
Wie rasch lernt ein Mädchenmund dies große herrliche, inhaltsschwere Wort aussprechen! Wie klingen dabei alle Saiten des Herzens wieder in seligem Entzücken; all' das Leid und Weh des Daseins rückt in ferne, nebelgraue Weiten, Glück und Sonnenschein fluthet hinein in die Seele — auf wie lange! Bald, ach bald vielleicht verblassen die glühenden Farben, grau und todt steht die kahle Wirklichkeit vor dem enttäuschten Weibe, dessen Lippen nun bebend flüstern: „Es wäre zu schön gewesen, es hat nicht sollen sein — fahre wohl!" —
Unruhig durchmaß die Gräfin Bergen indeß ihr Schlafzimmer; der schöne, interessante Italiener wollte nicht au» ihrem Gedächtniß schwinden.
„Es ist sein Bruder," murmelte sie erregt, „aber wie er selbst vielleicht dem ganzen Character nach. O, und wie er mit Thekla kokettirte! Es kann Unheil daraus entstehen und ich muß den Albrecht von Lassow warnen, wenn schon ich froh bin, daß der Italiener nicht gar Lucien sich für seine gefährlichen Werbungen auserkor. Armer Laffow! Meine schönste Hoffnung ist dahin, denn er hat zu früh gesprochen, hat Sucie überrascht und — Alles vernichtet."
Lange, lange noch brannte Licht in dem Schlafzimmer der Gräfin. Ruhelos warf sich die alte Dame auf ihrem Lager umher; überall von der Wand, von der Decke und dem Fenster her schien Bellarinos schönes Antlitz auf sie herabzusehen, bald höhnisch grinsend, bald zornig blickend und seine Stimme schien bald laut, bald leise zu rufen: „Ich bin da, hüte Dich! Ich breche lachend die Herzen der stolzen Damen und greife zur Waffe, wenn das Schicksal seine Hand erhebt! Schau doch, schau! Wieder ein Opfer und es geht strahlend, ja glückselig in die Falle!"
„Nein, nein, ich will nicht mehr an ihn denken," stöhnte die Gräfin, „ich will beten, daß dieser Versucher weiche und sich die böse Vergangenheit nicht abermals wiederholt."
(Fortsetzung folgt.)
GsMeinirütziges.
Die Knollen der Anemonen pflanze man von September bis Mai, je nachdem man sie blühend haben will, 5 Zentimeter tief in lockeren, stark mit Kuhdung versetzten Boden in’s Freie. Feuchtigkeit und Schatten sind ihnen recht zuträglich, ebenso im Winter eine leichte Bedeckung mit Moos. Im September und October gelegte Anemonen blühen im März und April, im Februar oder März gepflanzte im Mai


