Ausgabe 
19.4.1894
 
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Großmama kommt," rief Lucie hinauseilend, und der | schöne Künstler wandte sich an Thekla mit der Frage:Ist die I Comteß die einzige Enkelin der Gräfin Bergen?"

Jawohl," erwiderte Thekla,Lucie ist die Tochter von I der Gräfin Tochter, doch hat sie Lucie auf ihren eigenen I Namen adopiirt und Niemand weiß eigentlich, wie des Mäd- I chens Vater hieß. Ich glaube, es war damals eine etwas I dunkle Heirath der jungen Comteß mit einem ausländischen I Schauspieler-a mw bQd vornehme Aristokratin," I seufzte Bellarino erröthend,welche eine Verbindung mit I Künsterblut nicht anerkennen will. Wir armen Menschen sollen I eben nicht glücklich werden! Ist die junge Comteß reich?

Jawohl, sie beerbt einmal ganz allein d,e Gräfin, welche I

Ärnen Sb?' mir, Gnädigste?" flüsterte der Italiener leidenschaftlich in ihr Ohr.Was kann ich armer Sterblicher dafür, wenn eine hochgeborene Dame mein Herz entflammt? |

Sie mißverstehen mich, Herr Bellarino, in meinem Herzen lebt kein solcher Hochmuth, wie Sie meinen," erwiderte Thekla.

Gnädiges Fräulein, um des Himmels willen, was wollen Sie damit sagen? Wisien Sie auch, daß Sie die kühnsten Hoffnungen in mir wachrufen?" flüsterte Bellarino erregt.

Ich will nur so viel sagen - daß ich völlig frei da« stehe, auch über mein von den Eltern ererbtes Vermögen selbst­ständig verfüge," entgegnete Thekla scheinbar kühl und gleich- 9Uti9@ie wandte sich dann plötzlich ab und ließ den Künstler allein, um die eintretende Gräfin Bergen, Luciens Großmutter, zu begrüßen. , ,

Bellarinos Augen flammten auf, als Thekla gegangen, und er dachte:Das war deutlich, mein schönstes Mädchen! In der That, ste hat es in der kurzen Zeit verstanden, mein Herz zu entflammen, daß ich denke, ohne sie nicht leben zu können. Freilich, die kleine Gräfin ist gewrß reicher - hm, die Wahl fällt schwer nun, wir werden sehen!"

Gräfin Bergen hatte sehr herzlich das Geschwisterpaar von Laflow, Lucie und die anderen Gäste begrüßt- Jetzt wandte ste stch wieder an Albrecht von Laflow und deutete fragend auf den noch immer fernstehenden Italiener.

Ich bin gespannt, die Bekanntschaft Ihres fremden Gastes zu machen," sagte sie. c _ n . .

Als der Künstler dann vor der alten Dame stand und sich tadellos verneigte, ward sie todtenbleich und um ihren feMen Mund zuckte er wie bittere Qual, aber ste beherrschte stch und neigte nur freundlich das Haupt, war sie doch darauf vorbereitet gewesen, dieses dunkle, schöne Antlitz des Künstlers

erstaunt. s

O doch, nur die magnetischen Blicke des Künstlers ver­letzen mich, es liegt in denselben eine Mißachtung derjenigen Damen, an die sie gerichtet sind."

Lucie erglühte und senkte das Köpschen, sie athmete schwer und die feinen Finger zupften verlegen an einer der dunkel- rothen Vorhangsquasten. Von drüben her brach letzt das Geigenspiel mit einem jähen Accorde ab, und Lasiow bog sich zu dem jungen Mädchen mit den Worten:Vergeben Sie mir, Comteß, wenn meine Worte Sie verletzten; aber der Arzt schneidet oft mit scharfem Meffer die Wunde auf, damit sie heilen kann. Herr Bellarino darf Ihnen nie mehr in der Weise wie vorhin den Hof machen, wenn er nicht meine strengste Zurechtweisung gewärtigen will."

Und weshalb wollen gerade Sie sich zu meinem Beistand aufwerfen?" srug Lucie jetzt unwillig.Ich habe noch nicht um denselben gebeten." , ,.,

Comteß Lucie, Sie fragen, weshalb?" gab er tief be­wegt zurück und seine ernsten Augen senkten sich vorwurfsvoll in die ihrigen.Wissen Sie denn nicht, wie dies Herz nur für Sie allein schlägt, welch' aufrichtiger, inniger Wunsch darin lebt?" ,

Herr von Lassow, haben Sie Erbarmen, zwmgen Sie mich nicht dazu Ihnen wehe zu thun und unsere bisherigen freundschaftlichen Beziehungen zu stören," sagte Lucie lerse, I aber sehr erregt. . , x

Albrechts Antlitz wurde bleich, seine Hand legte stch krampfhaft um eine Stuhllehne und er sagte betroffen:So sollte denn Alles nur ein Traum gewesen sein, Lucie, was ich bisher ersehnt und erfleht? Und nur um jenes fremden Künstlers willen? O, gilt Ihnen ein treues Männerherz nichts! Spielen Sie nicht mit Ihrem Glücke, Comteß! Es mag ja I Männer geben, die Ihrer würdiger sind als ich, der entfache I Landedelmann, aber den Italiener zähle ich nicht unter Dre- I jenigen, die Sie selbstlos lieben und glücklich machen können.

Herr von Lassow, ich bin noch jung und weiß nichts I von Liebe, nur das weiß ich, daß ein Mädchen ohne diese nicht I heirathen sollte," erwiderte Lucie ruhig.

Comteß, Sie mögen bisher die Liebe nicht gekannt haben, I aber jetzt nun flammt sie in Ihren Augen, lächelt auf Ihren I Lippen sagen Sie nicht» dagegen, es wäre eine Täuschung!

Lucie athmete schwer und blickte verlegen um sich. Da I sah sie, wie man sich zum Aufbruch rüstete und reichte plötz- I lich kurz entschlossen ihre kleine Hand dem bleichen Albrecht I von Lassow. , _ .

Zürnen Sie mir nicht, Herr von Laflow," bat sie kind- I lich,bleiben Sie mir gut, auch wenn ich wenn ich Ihren I Wunsch nicht erfüllen kann." .

Wie könnte ich anders, Lucie," entgegnete er traurig und I hielt ihre schlanken Finger einen Augenblick fest,ich werde

vor sich zu sehen-

Ich kannte einst einen Herrn Ihres Namens, Herr Bellarino, er starb vor lange» Jahren durch eigene Hand!" |

Das war mein Bruder Nicol jedenfalls, gnädigste Gräfin? Er war in Turin Schaufpieler und"

Ganz recht," unterbrach sie ihn erregt.Ste sehen ihm so ähnlich, als sei er es selbst. Doch laffen wir die traurige Geschichte, welche längst vorbei ist."

Es sind gewiß achtzehn Jahre seit dem Tode meines Bruders vergangen und ich erinnere mich kaum mehr auf ihn, denn damals war ich selbst erst acht Jahre alt. Frau Gräfin haben ein sehr gutes Gedächtniß für Personen.

O ja," entgegnete die Dame, und es klang wie unend­liche Bitterkeit durch ihre Worte,jenes Gesicht werde ich bis meinem letzten Stündlein nimmer vergessen!'

Gräfin Bergen schien dann ruhig und heiterer zu sein, sie ließ sich von Thekla einige Erfrischungen vorsetzen und stimmte sogar in die allgemeinen Bitten ein, welche noch ewige Vorträge Bellarinos wünschten, denn dieser war zweifellos ein ganz hervorragender Geigenkünstler und verstand mit seiner Kunst alle Hörer zu bezaubern.

Bald jubelte und klagte dann auch seine Getge tn den wundervollsten Tönen, und Comteß Lucie, welche fernab an einem Fensterpfeller lehnte, fühlte sich von der hinreißenden

Musik so ergriffen, daß die Thränen über ihre Wangen rannen« heiß und unaufhaltsam.

Die Musik scheint Sie anzugreisen, Comteß," sagte eine gütige, wohlbekannte Stimme hinter ihr. Al» sie sich um­wandte, sah sie in Albrecht von LaffowS ernste Augen.

O nein," murmelte sie gepreßt,ich höre diese seltsamen Weisen nur unbeschreiblich gern "

Aber Sie weinen doch über dieselben, Gräfin Lucie! Er liegt ein scharfer Gegensatz in Ihren Worten."

Wissen Sie denn nicht, daß man von den Deutschen sagt, sie hörten schwermüthige Lieder gerade dann am liebsten, wenn sie sehr glücklich seien und weinten dann über ihr Glück."

Fühlen Sie sich gerade heute besonders glücklich, Lucie?" frug Albrecht scharf.Es sollte mir leid sein."

Sie blickte beinahe furchtsam zu ihm auf.Weshalb sehen Sie so finster aus, Herr von Laflow? Ich habe Sie doch nicht verletzt?" frug sie dann schüchtern.

Nein, Comteß, aber ich meine, der Mann dort mit der ! Geige, der Rattenfänger ist schuld, er besitzt die Gabe, Alle» an sich zu reißen, was ihm naht. Ich verwünsche die Stunde, in welcher ich ihn zu mir einlud."

Sie mögen dies Geigenspiel nicht leiden?" srug Lucie

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