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Zett den Kummer und die Leidenschaft überwunden und kann, wenn es den Herren nicht zu langweilig ist, meine Herzens« geschichte erzählen."

Bitte, erzählen Sie, Herr Commerzienrath I" riefen die Freunde und Homberg begann:

Vor nun dreizehn Jahren lernte ich im Hause der Frau Geheimrath Springer ein schönes Mädchen kennen, das in mir sofort bei der ersten Begegnung eine tiefe Liebe erweckte. Das Mädchen hieß Hilda von Hausen, ste war kaum siebzehn Jahre alt und galt als Schützling der Frsu Geheimrath. Hilda von Hausen war nämlich Waise und gehörte einem verarmten adeligen Geschlechte an. Die Frau Geheimrath Springer hatte sich des jungen Mädchens aus Freundschaft zu dessen verstorbener Mutter angenommen. Die Aussichten für meine Werbung um Hilda erschienen sehr günstig, denn ich fand Gnade vor ihren Augen und da ich auch im Hause der Frau Geheimrath sehr gern gesehen war, zog ich diese eines Tages in's Vertrauen und erhielt die Antwort, daß Hilda als ver­armtes adeliges Fräulein sich wohl kaum eine bessere Partie als diejenige mit einem reichen jungen Patrizier wünschen könne und daß die Frau Geheimrath bei Hildas Vormunde meine Werbung befürworten wolle. Zu Ostern solle dann unsere Verlobung stattfinden- Ich verlebte dann viele glück­liche Stunden in der Gesellschaft Hildas und der Frau Ge­heimrath, vom Vormunde des jungen Mädchens traf auch nach einiger Zeit eine sehr günstige Antwort ein und ich dachte nur noch an meine Verlobung und Hochzeit mit Hulda. Da fand ungefähr drei Wochen vor Ostern ein für mich ver« hänanißvolles Ereigniß statt- Es starb ein entfernter An­verwandter Hildas, ein Baron von Hausen, kinderlos und bei der Eröffnung seines Testamentes stellte es sich heraus, daß er Hilda von Hausen zur alleinigen Erbin seines großen Ver­mögens eingesetzt hatte. Sofort änderte sich die ganze Situa­tion. Hilda war mir vielleicht im Herzen noch zugethan, aber für die jetzt reiche Erbin aus altadeliger Familie war ich in den Augen der eitlen und stolzen Frau Geheimrath Springer jetzt kein passender Freier mehr. Diese ehrgeizige Dame hegte jetzt für ihren Schützling hochfliegende Pläne. Minde­stens einen Baron, am liebsten aber eine« Grafen sollte Hilda nunmehr heirathen, und ich wurde bei meinen Besuchen plötz­lich kühl und reservirt empfangen. Zum Unglücke stand Hilda auch ganz unter dem Einflüsse der Frau Geheimrath und als ich dem geliebten Mädchen eines Tages mein Herz ausschütten wollte und Hilda mit einer Thräne in den schönen Augen vor mir stand, trat die Frau Geheimrath plötzlich zwischen uns und verhinderte jede weitere Erklärung. Bald stellten sich natürlich auch adelige Freier ein. Die Frau Geheimrath be­günstigte unter diesen ganz besonders einen Rittmeister Baron von Sassen und dieser führte ein halbes Jahr später die schöne und reiche Hilda heim."

Homberg schloß mit einem tiefen Seufzer die Erzählung seiner traurigen Herzensgeschichte.

Und ist die Dame glücklich mit dem Baron geworden?" frug einer der Freunde.

Ich weiß es nicht," erwiderte Homberg,denn ich fühlte mich damals so unglücklich, daß ich mich nach dem Schicksale meiner Jugendliebe gar nicht weiter zu kümmern Neigung hatte. Es wäre ja auch sinnlos gewesen, damals erforschen zu wollen, ob Hilda mit dem Barone glücklich geworden sei."

Nun, so will ich Ihnen von dem Schicksal des Paares etwas berichten," bemerkte der Major ernst.

Sie kennen den Baron und seine Frau?" rief jetzt Homberg ganz erregt.O, bitte, dann erzählen Sie, wie es ihnen geht, Herr Major."

Der Baron von Sassen ist längst tobt," fuhr der Major fort.

Baron von Sassen tobt und Hilba Wittwe I Ist bies wahr, Herr Major?" frug Homberg ganz erstaunt.

Ich sagte die Wahrheit- Der Baron hat balb nach seiner Verheirathung wegen einer Sptelaffaire ben königlichen Dienst quittiren müssen unb siedelte mit seiner schönen jungen Frau, auf deren großes Vermögen pochend, nach Wien über.

Dort machte der Baron ein großes Haus, huldigte aber auch weiter dem unglückseligen Hazardspiele und wurde dabei in einen solchen schlimmen Ehrenhandel verwickelt, daß ihn ein heißblütiger Ungar auf Pistolen forderte- Gefallen ist nun der Baron in dem Duell gerade nicht, aber er erhielt einen Schuß in die Schulter. Die Kugel konnte nicht herausgenom­men werden, es lentstand eine Art Blutvergiftung und der Baron ist nach langen Leiden in Wien gestorben. Seine Wittwe ist nun voriges Jahr in unsere Stadt zurückgekehrt und ich habe ste sogar gesehen."

Und Sie erzählen mir das Alles jetzt erst, Herr Major I" sagte Homberg erstaunt

Aber lieber Commerzienrath, ich wußte ja selbst nicht mehr genau, daß Ihre einzige Jugendliebe und die hübsche Wittwe Baronesse Sassen ein und dieselbe Person sind," er­klärte der Major lachend.Ich wurde erst vor ungefähr vierzehn Tagen der Baronesse bei einem Feste, welche» der General von Bomsdorf gab, vorgestellt und in den letzten Tagen tauchten dann verschiedene Erinnerungen in mir auf. Bedenken Sie doch, bester Homberg, daß ich die Baronesse früher al« Hilda von Hausen auch gar nicht näher gekannt habe und nur damals flüchtig erfuhr, daß Sie Ihr Herz an das schöne Mädchen verloren haben sollten."

Ich kenne die Baronesse übrigens auch sehr gut," be­merkte jetzt Curt Matthey, Hombergs Neffe, unb lächelte seltsam-

Du kennst sie auch, Curt?" frug ber Commerzienrath erstaunt.Wo hast Du ihre Bekanntschaft gemacht?'

Nun, bie Sache ist sehr einfach. Die Frau Baronesse läßt ihr Kinb, eilt bildhübsches, achtjähriges Mädchen bei mir malen," gab Curt mit wichtiger Miene zurück.Sie kommt wenigstens jede Woche zweimal wegen des Bildes zu mir in das Atelier."

Und Du wirst wie gewöhnlich mit dem Bilde zur ver­sprochenen Zeit nicht fertig," bemerkte Homberg boshaft- Nun, dieses Mal soll es Dir verziehen werden, wenn Du die Baronesse lange auf das Bild warten läßt, denn dann habe ich vielleicht Gelegenheit, sie auch einmal zu sehen."

Daraus wird wohl nichts werden," erklärte Curt,denn die Baronesse lebt sehr zurückgezogen und wünscht außer mit mir mit Niemandem in meinem Atelier zusammenzutreffen. Sie ist förmlich menschenscheu und läßt immer erst anfragen, ob ich allein zugegen sei, wenn sie mit ihrem Töchterchen sich anmeldet."

Sprichst Du im Scherze ober im Ernste, Curt?' frug Homberg seinen mit verschlagenem Gesicht dasitzenden Neffen.

Natürlich im Ernste," bemerkte ber Maler, schlug aber vor bem forschenden Blicke des Onkels die Augen nieber.

Wir wollen dies unerquickliche Thema vertaffen, meine Herren," sagte jetzt der Commerzienrath,denn ich glaube, es fängt an, langweilig zu werben."

Langweilig ist es boch wahrhaftig nicht, bas seltsame Schicksal ber Jugendliebe eine« wackeren Freunde» zu hören," bemerkte einer der Herren.

Ja, die Sache ist aber zu Ende," entgegnete Homberg, bie verwitiwete Baronesse von Sassen wirb sich meiner kaum mehr erinnern unb scheint keine Lust zu haben, sich roieber zu verheirathen, am allerwenigsten würde sie aber wohl meinen erneuten Werbungen Gehör schenken."

Wer kann da» jetzt beurteilen I erwiderte ber Major. Frauenherzen sind immer unberechenbar, unb es ist absolut nicht einzusehen, warum ein stattlicher, liebenswürdiger Com­merzienrath, der in den besten Kreisen unserer Stadt als ein Gentleman ersten Ranges gilt, einer Wittwe, auch wenn sie einen adeligen Namen führt, als Freier unangenehm fein sollte- Und wie würden wir uns Alle freuen, wenn der gute Commerzienrath nach den einstigen so herben Enttäuschungen dennoch die Dame seiner Jugendliebe heimführe« würde."

Das ist leider unmöglich!" rief jetzt mit auffallender Heftigkeit Hombergs Neffe.

Warum unmöglich, Herr Matthey?" frug der Major.

Nun weil ich weiß, daß die Baronesse von Sassen ihren