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Dienstag, den 18. Deeember.
Der Schuldige.
Criminal-Novelle von W. Roberts.
------- (Nachdruck verboten.)
In einer freundlichen Seitenstraße der Residenz lag das hübsche Haus des Commerzienrathes Homberg. In demselben ging es heute Abend sehr fröhlich zu, denn der Commerzien- rath feierte seinen Geburtstag. Die anwesenden Gäste bestanden allerdings nur aus Herren, denn der Commerzienrath war Junggeselle und besaß keine weiblichen Anverwandte, die sich an der Feier seines Geburtstages hätten betheiligen können. Von Verwandten Hombergs war überhaupt nur besten Neffe Curt Matthey, ein genial angelegter, aber arg verbummelter junger Maler, zugegen und die übrigen Gäste waren lauter Freunde Hombergs, welche meistens dem Kaufmannsstande angehörten, aber auch einige Oifiziere und Beamte nahmen an dem Geburtstagsfeste theil.
Homberg, ein angesehener und begüterter Fabrikant, dazu ein Mann von seltener Herzensgüte und entzückender Liebenswürdigkeit, verstand er, seine Gäste fürstlich zu bewirthen und vortrefflich zu unterhalten, und sein noch frisches Antlitz erstrahlte in hellster Freude, als er bemerkte, daß er seiner kleinen Gesellschaft nur Lust und Wonne bereitete.
„Es ist wirklich heute Abend reizend bei Ihnen, H rr Commerzienrath," bemerkte Major Lingen, indem er auf Hombergs Wohl ein neues Glas Champagner leerte, „und es ist eigentlich zu bedauern, daß hier nur einmal im Jahre Geburtstag gefeiert wird."
„Allerdings sehr schade, sehr schade, denn man trinkt nirgends besseren Champagner, als zu Hombergs Geburtstag," riefen mehrere Mitglieder der Tafelrunde und brachen in ein übermülhiges Lachen aus.
„Meine Herren," erwiderte der Major, „so ganz in dem Sinne, wie. Sie meine Worte auffaßten, habe ich dieselben nun doch nicht gemeint. Ich wollte nämlich mit meiner Bemerkung mein Bedauern darüber ausdrücken, daß hier in diesem gastlichen Hause überhaupt nur jedes Jahr ein Geburtstag gefeiert wird, weil unser liebenswürdiger Freund Junggeselle geblieben ist. Hätte er Weib und Kinder, so würden hier viel mehr Geburtstage gefeiert werden und des Herrn Com- merzienraths Haus würde sicher als eins der glücklichsten und berühmtesten in der ganzen Stadt genannt werden."
„Sehr schmeichelhaft für mich, Herr Major, sehr schmeichel- haft," bemerkte der Commerzienrath lächelnd, „aber es hat sich leider für mich noch keine paffende Frau gefunden und in meinen Jahren wird sich eine solche auch schwerlich staden."
„O, in Ihrem Alter von dreiunbvierzig Jahren und be Ihrer blühenden Gesundheit, Herr Commerzienrath, können Sie noch jeden Tag eipe passende Partie machen," erwiderte der Major.
„Jawohl kann er das," riefen die Freunde im Chor, „und er muß noch heirathen, damit der edle Stamm der Hombergs nicht ausstirbt."
„Sie berühren da eine sehr empfindliche Seite meine» Gemüths, meine Herren," erklärte der Commerzienrath, „denn die Aussicht, daß mit mir der letzte Homberg des alten Patriziergeichlechts unserer Stadt zu Grabe getragen wird, hat mir schon manche bittere Stunde bereitet."
„Nun, so heirathen Sie doch in Gottes Namen, Herr Commerzienrath," rief der Major Lingen. „Falls Sie keine Dame kennen sollten, um deren Liebe Sie werden wollen, so werden wir Alle uns bemühen, eine passende Partie für Sie ausfindig zu machen."
„Dies wird Ihnen aber sehr schwer werden, meine Herren," sagte jetzt Curt Matthey, Hombergs Neffs, „denn mein verehrter Onkel ist gewissermaßen ein Weiberfeind. Seit länger als zehn Jahren hat er keinen Ball mehr besucht und er meidet, wie Sie sich erinnern werden, geflissentlich auch alle Gesellschaften, wo viele Damen anwesend sind."
„Ach, ein Weiberfeind kann unser alter Freund gerade nicht sein," entgegnete der Major und zupfte an seinem Schnurrbart. „Wenn ich nicht sehr irre, hat vor langen Jahren der gute Homberg einmal für ein sehr schönes und stolzes Mädchen leidenschaftlich geschwärmt. Nach so langer Zeit — ich glaube, es sind zehn Jahre her, — begeht man wohl keine Indiskretion, wenn man die kleine Affaire erwähnt."
„Erzählen Sie nur, Herr Major," riefen einige Stimmen, „es ist für uns hoch interessant, den Herrn Commerzien- rath in einer früheren Rolle als Don Juan kennen zu lernen."
„Als Don Juan?" rief der Major lachend. „O, eine solche Rolle hat der Herr Commerzienrath, der übrigens damals noch den Namen Fritz Homberg trug und noch nicht Commerzienrath war, zu jener Zett durchaus nicht gespielt, es war wohl eher eine unglückliche Liebe."
„Eine unglückliche Liebel" erklang es staunend aus dem Munde der Freunde. „Jetzt wird es aber interessant. Davon haben wir ja niemals etwas gehört. Sie müssen uns diese Liebesgeschichte selbst erzählen, Homberg! Wir bitten darum!" „ ,
„Die Affrire sollte eigentlich schon längst begraben uni vergessen sein," erwiderte Homberg mit einem leisen Seufzer „denn sie war für mich traurig genug und hat mehrere Jahr '■ an meinem Herzen genagt. Doch jetzt habe ich schon lang


