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Knaben wurde beim Manne zur Widerspenstigkeit; der Stolz zur Anmaßung. Als Knabe liebte er keine Einschränkung seiner Wünsche; als Mann haßt er sie. Al« Knabe gerieth er leicht in Zorn; als Mann steigert sich diese Empfindung zum brennenden Wunsch nach Rache. Daneben zeichnen ihn einige vorzügliche Eigenschaften aus. Er ist freigebig, gewissen- haft und jedes Vertrauen« werth. Sein Wort gilt so viel, wie eines Anderen Schwur. Er besitzt ein tiefes Gemüth und ein bedeutendes Wissen. Er wäre ein berühmter Volksvertreter geworden, hätten nicht seine Fehler die Oberhand gewonnen.

Die Frauen kümmerten ihn wenig. Noch niemals war es einer gelungen, sein Herz, wenn auch nur vorübergehend, zu gewirnen. Wenn Gerald in Helle Begeisterung über' ein hübsches Mädchen gerieth, wehrte er ungeduldig ab mit dem Bemerken, das interessire ihn nicht. Er hat äußerst selbst­herrliche Anstchten über die Stellung des Mannes und begriff es niemals, wie einer dieses gepriesenen Geschlechtes durch ein Paar leuchtender Augen oder einen lächelnden Mund besiegt werden konnte.

Mehr als einmal hatte er wegwerfend geäußert, daß der ganze Unsinn mit den Weibern und ihre Koketterie und Gefall, sucht aufßören würde, wenn die Männer mehr auf ihre Würde hielten. Dann kicherten die Frauen hinter ihren Spitzen, taschentüchern oder Straußenfächern. Auch seine Zeit würde einmal kommen.

Lord Rawdon ist sehr reich viel reicher als Baron Gerald. Er b. sitzt mehrere Schlösser, in denen er abwechselnd residirt- Beide Herren sind Lieblinge der Gesellschaft, zu deren Unterhaltung und Belebung sie viel beitragen Arno durch sein tiefes Wissen, große musikoÜsche Begabung und dramatisches Talent, Gerald durch seine sonnige Heiterkeit, seine stets frohe und übermüthige Laune.

V.

Lo'a ist soeben von dem Ball der Marquise zurückgekehrt« Die Kammerzofe entkleidet behende die hohe Gestalt und wirft ihr einen bequemen Morgenrock aus weißem Cachemire über. Dann schickt Lola da« Mädchen fort und betritt das Schlaf, zimmer ihrer Mutter.

Du hast wieder ein Unglück angerichtet," ruft diese be. sorgt, mit einem Blick auf die lachenden Augen, die ironisch gekräuselten Lippen der Tochter.

Ich habe mich gut unterhalten."

Des heißt, Du hast einige besondere Eroberungen qe» macht, nicht wahr?"

Du hast recht."

Und sie schildert der ernst dreinschauenden Mutter alle Elnzelnheiten ihrer Triumphe, die Eifersucht der beiden Cava- Here, den Neid der Frauen. Dabei spickt sie das Ganze mit allerhand kleinen Moquanterien und Sarkasmen, so daß selbst die ernste Pastorswittwe einmal herzlich anflacht.

Als Lola spät in der Nacht len reizenden Kopf in die spitzenbesetzten K ssen drückt, schläft sie bald in dem süßen Ge­fühl befriedigter Eitelkeit tief und fest. Sie ahnt nicht, daß zur selben Zett ein stolzer, ernster Mann ruhelos in seinem Zimmer auf. und abwandert, seine Schwäche verdammend, die seine Gedanken jede Minute bei der verführerischen Frau weilen läßt. Sie ahnt nickt, daß ein blonder, ritterlicher Jüngling vergebens Schlaf sucht, und als dieser ihm endlich naht, träumt, daß er sie, das Weib seiner Sehnsucht, gewonnen und zur Königin seines alten Herrensitzes gemacht. Und hätte sie es gewußt sie würde vielleicht noch besser geschlafen haben.

Am nächsten Morgen erwachte sie erst spät. Ihr erster Blick fällt auf einen prächtigen Strauß weißer Hyacinthen.

Von wem?" ruft sie in Hellem Entzücken, das Antlitz tief in die duftenden, noch lhaufrischen Blülhen tauchend.

Das Kammermädchen zieht eine Karte aus den üppigen Blumenglocken hervor.

Lord Rawdon, gnädige Baronin," liest sie.

Geh' sorgsam mit ihnen um, Lisette. Ich will noch etwas schlafen."

Und sie wendet das Gesicht wieder der Wand zu- Doch mit dem Schlafen ist es nichts mehr- Sie erhebt sich und läßt sich ankleiden. Dann trinkt sie Chocolade aus einer kost, baren chinesischen Tasse, die einst die Tafel einer Königin ge. ziert. Sie ruht dabei nachlässig in einem Fauteuil. Das herrliche kastanienbraune Haar fällt, frei jeder Fessel, lose auf dar werße Morgengewand. Sie überfliegt die soeben angekom. menen Briefe und Zeitungen.

Da tritt Lisette mit einem vergoldeten Korb weißer Hua. c'n hen ein.

Lola lacht hell auf.

Mama, die Hyacinthen werden im Preise steigen!"

Von Lord Rawdon und Baron Hastings?" fragt diese lebhaft.

Lola nickt und nimmt ihre Lectüre wieder auf. Dabei wartet sie mit einer gewissen Ungeduld auf die Besuchszeit-

Die beiden Blumenspender kommen bestimmt," lackt sie, vielleicht auch einige Damen. Die meisten derselben hassen mich. Gerade deshalb werden sie mir ewige Freundschaft schwören."

Frau March schüttelt bedauernd den Kopf.

Welch' bittere, cyntsche Ansichten, Lola!"

Bewahre, M.ma. Du hast nur utopische Ansichten. Gewiß wenn in dem guten Clifdale die Frauen einander küßten, so meinten sie es so. Die Weltdamen küssen sich nur, um ihren Haß, ihren Verrath zu verdecken und vielleicht noch, um auf die Männer Eindruck zu machen."

Frau March blickt verwundert von ihrer Handarbeit empor.

,Jch möchte die Welt nicht mit Deinen Augen ansehen, mein Kind," sagt sie sanft.

Lola zuckt die runden Schultern.

Sie ist doch einmal so. Wozu Menschen und Dinge idealisiren!"

Beide Frauen schweigen eine Zeit lang, jede mit ihren Gedanken beschäftigt.

Lola," ruft Frau March plötzlich,ich weiß, was Dir no!h thut."

Nun?"

Der ernste, feierliche Ton der Mutter macht sie neugierig.

Du mußt einen-Mann von Herzen lieb gewinnen und ihn heirathen. Die Liebe würde Dich sanfter und weiblicher machen."

Lola hält sich mit komischem Entsetzen die Ohren zu.

Hör' auf, Mama!" ruft sie lachend.Ich werde mich so bald nicht verlieben. Zur Liebe gehört Eifersucht und so was macht häßlich. Denk' nur an Frau Smith! Ihr hüb. sches Gesicht war bald ganz alt und verzerrt. Warum? Nur, weil sie verliebt und eifersüchtig war. Puh!"

Lola hatte nicht viel gelesen. Nur die Geschichte berühm« ter schöner Frauen machte sie zu ihrem besonderen Studium. Sie weiß ganz genau, welche Mittel Ninon d'Enclos, Diana von Poitiers, die' La Valliöre und Andere angewandt, um ihre Schönheit und Jugend möglichst lange zu bewahren. Ihnen will sie nachstreben. Und nun soll sie sich verlieben und hei« rathen und Kinder bekommen und eifersüchtig fein und als richtige Folge Alles dessen vor der Zett alt und häß- lich werden?

Unsinn auch nur der Gedanke daran. . . .

VI.

Das Besuchszimmer des Hauses Medfort gleicht nicht der gewöhnlichen Schablone eines Londoner Salons. Es ist nicht übergroß, hat drei hohe, breite Fenster und zwei Erker.

Mattgelb und dunkelblau herrschen vor. Kein Ueberfluß an Zierrath und Nippes. Eine kostbare orientalische Vase, etliche werthvolle Marmorstatuen, mehrere künstlerisch vor« treffliche Bilder in Wasserfarben und Oel, ein paar chinesische Porzellarfiguren und eine herrliche Terracottabüste, farben­prächtige Teppiche, goldgestickte Shawls, hin und wieder eine Palme oder Orchidee, unter welcher ein kleiner Springbrunnen plätschert. Das Ganze erinnert an ein Gemach des Orients