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Donnerstsg, dm 18 Oktober.
Lola.
Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friesen.
(Fortsetzung.)
Baron Gerald wendet den Kopf.
Er erblickt die stattliche Figur des Fürsten Larinski, halb bedeckt mit Orden und Auszeichnungen. Neben ihm steht Lola Medfort. Er steht den goldigen Schimmer ihres Haares, die sanfte Rundung der Wangen, das Lächeln des lieblichen Mundes, den Blick der leuchtenden Augen, die bestrickende Weiße de» Halses und der Arme — und hat die Empfindung, als ob er zu lange in die Sonne geblickt oder zu tief den betäubenden Duft einer Blume eingesogen.
„Welch' ein Weib!" rüst er enthusiastisch.
„Die ganze Männerwelt von London wird hinter ihr her sein," bemerkt Lord Rawdon.
„Du zuerst," erwiderte Baron Gerald leise.
„Nein, nein. Ich sagte Dir schon, des ist Unstnn. — Wie elegant ste geht! Mit der freien Grazie der Spanierin. Komm', Gerald!"
Nach wenig Minuten schon werden Beide der Vielgefeierten vorgestellt. Baron Geralds offene Züge überfliegt ein tiefes Roth; Lord Rawdon erbleicht jählings. Lola neigt lächelnd das Haupt. Die Freunde blicken einander an, als wollten sie ihre Kräfte erproben. Etwes Feindseliges liegt in den Blicken Beider. Jeder fühlt, sie sind nicht länger mehr Freunde.
Lord Rawdon faßt sich zuerst.
„Darf ich um einen Tanz bitten, gnädigste Baronin?" fragt er hastig.
Sie blickt mit einem zweifelnden Lächeln auf ihr juwelen- befetztes Tanztäfelchen — mit einem Blick, der Arnos Blut rascher kreisen macht. Er schwört sich, daß er mit ihr tanzen muß und wenn cs einen Andern umzubrtngen gilt.
„Da habe ich roch einen Walzer," bemerkt sie lächelnd. „Es wird mir ein Vergnügen sein, denselben Ihnen zu über- laffen."
Lord Rawdon triumphirt. Der erste Sieg über seinen Nebenbuhler! ... Er kennt diese Frau erst seit fünf Minuten und schon nennt er seinen Freund einen Nebenbuhler.
. Jetzt bittet Baron Gerald um dieselbe Gunst. Die blauen Augen blicken so treuherzig, seine Züge drücken eine so beredte Bitte aus — Lola gewinnt ein gewiffes Interesse. Sie verspricht ihm zwei Quadrillen.
„Wer von uns ist besser d'ran?" fragt sich Lord Rawdon. „Ich denke, ich!"
Baron Gerald dagegen freut sich, daß er zwei Tänze hat und der Andere nur einen.
Es fehlen noch einige Minuten bis zum Beginn des nächsten Tanzes. Wieder ist Lord Rawdon gewandter, als sein Freund.
„Es ist hier sehr heiß," sagt er lebhaft, „befehlen Sie ein wenig Eis — vielleicht Vanille oder Erdbeer
„Ich ziehe Citrone vor," entgegnet Lola freundlich.
Mit einer tiefen Verbeugung reicht er ihr den Arm. Sie legt ihre Fingerspitzen leicht auf denselben. Dann blickt ste zu Baron Gerald empor mit einem Lächeln, welches zu sagen scheint: „Ich nehme zwar den Arm des Anderen, aber ich wünsche Ihre Begleitung."
Baron Geralds betrübtes Gesicht klärt sich auf. Alle Drei verlassen den Saal. Lola spricht lebhaft. Dabei richtet sie zwei Worte an Gerald und nur eines an Arno.
Sie weiß stets ganz gleichmäßig ihre Gunstbezeigungen zu vertheilen. Sie controlirt ihre Worte, ihre Blicke, ihre Bewegungen, ihr Lächeln. Sie ist eine Meisterin in der Kunst der Koketterie. Wohl hat sie Lord Rawdons Arm genommen und ihm zugelächelt, als er das Eis brachte; aber während sie ein Löffelchen davon nach dem andern zwischen ihre rothen Lippen bringt, reicht ste Gerald ihren Strauß und sagt neckisch: „Hyacinihen stnd weine Lieblinge. Ich muß sie stets um mich haben."
„Ach, wär'ich eine weiße Hyacinthe!" seufzt dieser. „Ich könnte dann für Sie blühen und in Ihren Händen sterben."
Lord Rawdon lacht spöttisch.
„Wenn ich mich metamorphosiren könnte, würde ich etwas Edleres werden, als eine Blume."
„Vielleicht etwas Edleres, doch gewiß nichts Schöneres," entgegnet Lola lächelnd.
Baron Gerald beugt sein Antlitz tief auf den Strauß in seinen Händen herab.
„Die weiße Hyacinthe sei meine Devise!" ruft er be- geistert.
Gleich einem Feuerstrahl durchzuckt es Lord Rawdon. Wie darf der Andere es wagen, sich ihren Blumen derart zu nähern?
„Ich habe die Baronin hierher geführt," denkt er zornig. „Er ist ein Zudringlicher, der nur stört."
Aus dem Ballsaale ertönen die einschmeichelnden Töne eincs Strauß'schen Walzers.
Lord Rawdon springt auf.
„Unser Walzer, gnädigste Baronin."


