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an vornehme Damett, tittb es kam ihr dabei auf hohen Ge­winn nicht an.

Das alte Fräulein, Rosa Brunner mit Namen, war die verkörperte Güte und Liebenswürdigkeit für ihre Kurgäste. Wer irgend etwas auf dem Herzen hatte, kam stets zu ihr und fand sie immer zu jeder Hilfe bereit. Alle, welche nur einmal bei ihr logirt hatten, hingen mit Liebe und Freundschaft an der vortrefflichen Dame und trugen diese Anhänglichkeit mit in die weiteste Ferne hinaus.

Frau Gerichtsräthin Göhren war durch Bekannte, welche früher in der Villa gewohnt hatten, an Fräulein Brunner empfohlen worden und hatte sofort die freundlichste Aufnahme gefunden. Der Arzt hatte der Gerichtsräthin eine Kur in dem berühmten Weltbade verordnet, nachdem bet einem hartnäckigen Leberleiden sich verschiedene Heilmittel erfolglos erwiesen. Annie war zur Begleitung der Mutter mitgereist, da diese sich niemals von dem einzigen Kinde trennen konnte, welches ihr ganzes Glück ausmachte, seitdem ihr Gatte gestorben war.

Die alte Dame lebte keineswegs in glänzenden Verhält- niffen. Die bescheidene Wittwen-Pension und die Zinsen eines mäßigen Vermögens bildeten ihre ganzen Einkünfte. Aber sie verstand es, sich mit dem knappen Einkommen einzurichten und mit ihrer Tochter vollkommen sorgenfrei und angenehm zu leben. Annie hatte eine sehr gute Erziehung erhalten, ver­kehrte in besten Gesellschaftskreisen und fand häufig Gelegen­heit, sich ihres jungen Lebens zu erfreuen. Die Mutter zwei­felte nicht daran, daß sich die Zukunft für ihr schönes, von der Natur reich begünstigtes Töchterchen nur vorzüglich gestalten würde.

Am Morgen nach der Reunion erhob sich die Räthin schon um sechs Uhr von ihrem Lager, um zum Brunnen zu gehen. Annie schlief noch und sie wollte sie auch nicht stören. Er war schon am Abend vorher verabredet worden, daß sie später nachkommen sollte. An der Mühlbrunnen-Colonnade wollten sich Beide treffen, um dann in irgend einem Restaurant das Frühstück zu nehmen.

Die alte Dame fand am Brunnen bereits einen starken Besuch vor. Die Kurgäste bewegten sich in der Reihe, wie sie gekommen, zu der Heilquelle, um sich von den Brunnen­mädchen die Becher füllen zu lasten. Niemand wagte es, die vorgeschriebene Ordnung zu unterbrechen: Vornehm oder Ge­ring, Reich oder Arm wanderte unter den Klängen der Orchester-Musik im langsamen Gänsemarsch dem Ziele entgegen.

Die Stadtuhr verkündete die achte Morgenstunde, die Räthin hatte schon drei Becher getrunken, da kam Annie den Quai an der Tafel entlang. Sie trug ein weißes Kleid von leichtem wollenen Stoff und einen kleinen Strohhut mit schwar­zem Band. Am Gürtel hatte sie einen Strauß frischer Mai­blumen befestigt; über dem rosigen Gesicht lag es wie goldiger Sonnenglanz.

Sie lief der Mutter fröhlich entgegen und reichte ihr die Hand.

Guten Morgen, Mamachen!" rief sie.Hast Du gut geschlafen?"

So ziemlich," nickte diese.Ich war schon zeitig auf und bin jetzt fertig mit Brunnentrinken. Wir wollen zum Kaffee gehen."

Dann schritten Beide plaudernd weiter, die Mühlbadgaffe hinab und über den Marktplatz, wo es sehr lebendig war und von Kurfremden wimmelte, nach der alten Wiese, dem belieb­testen Promenadenplatz Karlsbads, um durch die herrliche Kastanienallee zu den Pupp'schen Anlagen zu gelangen und dort das Frühstück einzunehmen.

Zweimal täglich war das Pupp'sche Etablistement der Ver­sammlungsort der vornehmen Badewelt. Das erste Mal, wenn die Arbeit frühmorgens am Brunnen verrichtet worden das zweite Mal am Nachmittag und gegen Abend, wo entweder im Freien unter den schattigen Bäumen oder in den eleganten Glasveranden mit einer nur hier heimischen Ungenirtheit Kaffee und Thee getrunken und in den großartigen Speisesalons dinirt oder soupirt wurde.

Heute bei dem schönen Wetter schienen sich die ganzen

Karlsbader Kurgäste bei Pupp ein Stelldichein gegeben zu haben, denn jeder Platz war besetzt. Strahlendes Sonnenlicht umfing Alles. Die Wipfel der Bäume schimmerten im smaragde­nen Licht, die Vögel sangen und im Hintergründe grüßte der frische grüne Wald herüber.

Ach, wie schön, Mama, wie schön!" rief Annie begei­stert aus.

Ja, in der That, es ist wunderschön hier und wenn wir erst einen hübschen Platz zum Kaffeetrinken gefunden haben, wird es noch angenehmer sein," erwiderte die Räthin, indem sie nach allen Seiten scharfen Ausguck hielt-

Dem Musikpavillon gegenüber, in einer stillen Ecke, war noch ein Tisch fast frei. Nur ein Herr saß daran und las Zeitungen.

Die Räthin schritt ungenirt darauf los, verneigte sich und fragte, ob sie hier Platz nehmen dürfte.

Der Herr blickte flüchtig auf, lüstete seinen Hut und rückte bereitwillig zur Seite, um den Damen Raum zu geben, dann vertiefte er sich wieder in seine Zeitung.

So saßen denn die drei Personen ruhig beisammen, ohne miteinander zu sprechen. Die beiden Damen beobachteten mit lebhaftem Interests die fremde Badegesellschaft, musterten die geputzten Damen und athmeten mit Behagen den frischen Dust des Waldes ein, der sich bald mit dem feinen Aroma des Kaffees mischte, welchen Pepi, dis saubere Kaffesmamsell, zier­lich servirte.

Ihr Tischnachbar blickte kaum von seiner Zeitung auf und nahm keine Notiz von ihnen. Er schien ein stiller, in sich gekehrter Mann zu sein und war längst über die erste Jugend hinaus. Er war groß und schmächtig, hatte feine, durch­geistigte Züge, welche ein starker Vollbart halb verdeckte, und tiefe ernste Augen. Ein Heller, ärmelloser Mantel hing von seinen Schultern herab, sein grauer Anzug und der um einen Schatten dunklere Filzhut waren von modernem Schnitt.

Die Räthin brannte vor Neugier, zu erfahren, wer wohl der Fremde sei; seinem Aussehen nach konnte er nur ein feiner Mann sein vielleicht auch ein Baron oder ein Graf. Aber er hüllte sich beharrlich in Schweigen und Unnahbarkeit.

Annie kümmerte sich nicht um ihn, sie schlürfte ihren Kaffee, ließ die blauen, sonnigen Augen munter in die Runde schweifen und benahm sich so, wie es jedes andere wohlerzogene Mädchen gethan haben würde, unbefangen, harmlos imb zurück­haltend.

Plötzlich stieg glühende Röths in ihr Gesicht, ihre Blicke spannten sich und richteten sich fest auf einen Punkt. In der Thür des Speisesalons erschien die stolze, reckenhafte Gestalt des Oberlieutenants Bernthal, der die meisten seiner Kamera­den um eines Hauptes Länge überragte. Er blieb wie ab­wartend einen Augenblick auf der Schwelle stehen, spähte eifrig umher und schritt dann langsam zu einem Tisch, an welchem ganz allein eine junge Dame saß, die er sehr freundlich be­grüßte-

Sie war eine blendend schöne Erscheinung mit kohlschwarzen Augen und prachtvollem rothblonden Haar, sah aber sehr kokett und auffallend aus. Sie nahm mit zierlich spitzen Fingern einen seidenen Shawl vom nächsten Seffel und bedeutete den jungen Offizier, sich an ihrer Seite niederzulassen. Er that es nach einigem Zögern und nun lehnte sie sich in ihrem Sessel zurück und begann angelegentlich auf ihn einzusprechen und mit ihm zu kokettiren, wobei sie ihm zuweilen einen leichten Schlag mit ihrem Fächer auf den Arm versetzte. In der eigenartig pikanten Schönheit dieses jungen Weibes lag ein wahrhaft sinnverwirrender, fast dämonischer Zauber.

Annie ließ ihre Augen nicht von dem jungen Paar, wenn sie auch nicht hören konnte, was sie miteinander sprachen, so entging ihr doch keine Miene, keine Bewegung.

Steh' nur, Mama!" rief sie nach einer Weile.Dort drüben ist ja mein Tänzer von gestern, der österreichische

Räthin räusperte sich verlegen, denn ihr Tischnachbar blickte soeben von seiner Zeitung auf.

Aber entzückend war's doch gestern, Mama ich träumte