herab, daß die heiteren Klänge verlockend durch die Reihen der glänzenden Gesellschaftssäle hallten und es wurde viel und im lebhaftesten Tempo getanzt. Die älteren Damen hatten auf den Sammtdivans Platz genommen und schauten dem jungen tanzlustigen Volke mit Vergnügen zu. Größere und kleinere Gruppen stauden plaudernd und lachend im Prunksaal umher oder promenirten in den feenhaft erleuchteten Nebenräumen.
Ganz allein saßen in einer Ecke des Ballsaales zwei Damen. Die rothe Sammetdraperie der Wand bildete gleichsam einen Rahmen um beide. Die eine derselben war ein schönes junges Mädchen mit zartrostgem Gesicht, tiefen blauen Augen und kirfchrothen Lippen. Das hellblaue Crepekleid, deffen Taille ein goldener Gürtel umschloß, floß in duftigen Falten an der schlanken Gestalt hinab. Das Haar war braun, mit goldigem Schimmer und wallte in natürlichen Locken über Nacken und Schultern.
Das junge Mädchen nahm an dem fremdartigen farbenprächtigen Treiben rings umher mit offenbarer Begeisterung Thetl, während ihre bedeutend ältere Begleiterin, eine kleine, corpulente Dame mit gütigem Ausdruck in den Zügen und in altmodische Seide gekleidet, etwas gelangweilt vor sich hinblickte.
„Wollen wir nicht auch nach Hause gehen?" fragte letztere während einer Tanzpause.
„O nein, Mama, noch lange nicht. — Ich finde es reizend hier und möchte auch gern tanzen!" entgegnete das junge Mädchen lebhaft.
„Du willst tanzen, Amalie?" frug erstaunt die gutmüthige Mutter.
„Gewiß, Mama!"
„Aber Du kennst ja hier noch Niemanden, da wir gestern erst angekommen sind l"
„Schadet nicht! — Hier kennt überhaupt keiner den Andern! Ich hoffe aber trotzdem bestimmt, noch einen Tänzer zu bekommen. Ich bin nun immer solch' ein tanzlustiges Wesen, wie Du weißt, Mama, und kann dieser bezaubernden Ballmusik kaum widerstehen. Hör' nur den reizenden Walzer! „Rosen aus dem Süden" heißt er. Ach, wie schön!"
Und sie wiegte den schlanken Körper nach dem Takte der berauschenden Musik hin und her.
„Aber Annie!" mahnte die alte Dame und musterte ängst- lich ihre Umgebung. „Sich' nur, man wird schon aufmerksam aus Dich!"
Und in der That: mehrere Herren kreisten in ihrer Nähe herum und betrachteten verstohlen das reizende Mädchen — scheinbar überlegend, ob sie sich vorstellen und um einen Tanz bitten sollten.
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Samstag, dm 18. August.
Geläuterte Herzen.
Novelle von Johanna Berger.
------- ^Nachdruck verboten.)
Der Maimonat des Jahres 1883 hatte fröhlichen Einzug in's Land gehalten und die Frühlingssonne leuchtete warm und goldig über die schöne Kurstadt Karlsbad in Böhmen. Im romantischen Teplthal, wo Karlsbad liegt, grünte und blühte Wald und Flur zur rechten Herzensfreude der Bewohner nach langer und schwerer Wintersnoth.
Im Mai ist Karlsbad verhältnißmäßig nur eine stille Stadt und noch ziemlich frei von dem geräuschvollen Treiben des modernen Badelebens, da der große internationale Strom der Kurgäste sich erst im Juni einfindet, wo das Gewühl und Gedränge namentlich des Morgens bei den verschiedenen Heilquellen gewaltig ist und fast sinnverwirrend auf den Fremden wirkt.
Heute, am ersten Mai, brachte das Fest der Brunnenweihe eine heitere und glanzvolle Abwechselung in das bis dahin stille Badeleben. Schon am frühen Morgen bot die mit Fahnen, Guirlanden und Kränzen geschmückte Stadt einen prächtigen Anblick dar. Da fand sich kein Haus ohne den Ausputz grüner Tannengewinde, nicht ein Giebel, von dem nicht ein Fähnlein herabflatterte. Die Brunnen-Colonnaden hatten auch ein Festgewand angelegt und begrüßten die Kurgäste mit zahllosen Fahnen und Wimpeln in österreichischen und deutschen Farben, mit Blumen und Festons, und die goldene Morgensonne that das ihrige, um die Scenerie noch zu verschönern. Die Kurcapelle spielte ihre lieblichsten Weisen und leitete damit das Fest ein. Darauf fand Gottesdienst in der Stadtkirche statt, dem die Repräsentation sammt bett Honoratioren de» Ortes, wie auch dis Mehrzahl der Kurfremden beiwohnte. Von dort begab sich der Festzug mit Musik zu den verschiedenen Heilquellen, um bei jeder einzelnen die Einweihung vorzunehmen. Glockengeläute und die vom Schützencorps abgegebenen Salven trugen noch zur Erhöhung der Feier bei. Am Nachmittag war Concert in verschiedenen Musikpavillons und zum Schluß Tanz-Reunion im großen Kursaale, welche durch die Verschiedenartigkeit^der Nationen, die dort vertreten waren, viel Interessantes bot.
Die Betheiligung an der Tanz-Reunion war ziemlich bedeutend, da auch nicht der geringste Zwang dabei herrschte. Jeder kam, wann und wie er wollte, selbst in einfacher Promenadentoilette. Die prachtvollen Kronleuchter verbreiteten im Saale ein Meer von Licht, die Musiker schmetterten ihre Wiener Walzer, Franeaisen und Quadrillen von der Empore


