der geringeren Anspannung de« Zwerchfell« und au« anderen Ursachen bei der Mundathmung zum Theil gehindert. Der Culturmensch schläft meist in geschloffenen Räumen, er athmet häufig vorgeathmete, verdorbene, oft thörichterweise auch noch künstlich erhitzte Luft; er schnappt also im Schlafe nach Luft, weil er derselben im Schlafe am meisten bedarf und öffnet zu diesem Behufs unwillkürlich den Mund. Eins greift dabei in'» Andere und es ist daher kaum verwunderlich, wenn das Mund-Schlaf-Athmen", wie wir weniger euphonisch als kurz sagen wollen, zahllosen Menschen zur Gewohnheit wird, wäh­rend der Naturmensch, der gleichsam mit dem Kopfe zum Fen« ster hinausschläst, von der frischen Luft seiner uneingeengten Wildniß vollauf genug durch die engeren Nasenluftwege in sich aufzunehmen vermag.

Der große Königsberger Philosoph Kant besaß eine in Gewissenhaftigkeit geschulte Willenskraft. Er zwang sich, selbst beim ärgsten Schnupfen, durch die Nase zu athmen. Will man einem Säugling das Mundathmen erschweren, so muß man ihm das Nasenathmen dadurch erleichtern, daß man ihm die beste Luft zusührt, die zu haben ist, und das ist immer die freie Luft, wie sie unter'm Himmelsgewölbe dahinweht. Auch um sich als älterer Mensch das Mundathmen im Schlafe ab­zugewöhnen, ist eine gleiche Versorgung mit frischer Luft er­forderlich. Am schädlichsten dürfte auf alle Fälle gelten, wenn Ammen, Mütter, Eheleute und Zimmergenoffen einander die schon entsauerstoffte Luft aus den Lungen gegenseitig zu athmen. Also wohl ventllirte, ungeheizte und sehr geräumige Schlaf­zimmer sind zweifellos die erste Bedingung, um das Mund- Schlaf-Athmen zu vermeiden. Und gerade gegen die Haupt­forderung aller Hygieine wird am gründlichsten in cultivirten Ländern gesündigt, denn ganz unendlich selten haben wir in Privathäusern Ventilationsvorrichtungen in den Fenstern vor­gefunden.

Die frische Athmungsluft ist für unsere Zwecke jedenfalls wichtiger, als die Kopfunterlage, welche das OeffnM des Mun­des verhindern soll. Diese dürfte erst in zweiter Linie erfor­derlich sein. Man ist im Schlafe keineswegs völlig willenlos, wie Jeder weiß, der rechtzeitig aufwacht, wie er stch's beim Zubettgehen vornahm. Wer sich gewöhnt hat, auch im wachen Zustande seine Gesichtsmuskeln ein wenig straff zu halten, d. h. nicht mit offenem Munde dazusitzen, nicht laut zu lachen und zu röcheln, weder in der Bewegung noch in der Ruhe, wer sich gewöhnt hat, Treppen und Berge mit fcstgeschloffenem Munde zu erklimmen und stets Luftvorrath in der Lunge zu behalten dies hauptsächlich auch beim Sprechen, Singen u- s. w. der wird auch wohl im Schlafe dieser Gewohnheit treu bleiben. Daß diese Gewohnheit, abgesehen von sonstigen lobenswerthen, eine im höchsten Grade gesund­heitlich wichtige ist, erscheint zweifellos. Der Mundathmer ist immer heiser, der Nasenathmer behält noch nach stundenlangem Reden das Metall seiner Stimme. Wir gehen nicht bis an's Ende mit Mr. Catltn, der alle und jede akute und chronische Krankheit auf die nämliche Quelle zurückführt. Er behauptet sogar, das Athmen mit geschloffenem Munde sei die einzig sichere Vorkehrung gegen epidemische, durch die Luft sich ver­breitende Krankheiten, wie Cholera, gelbes Fieber und Diph- theritis, und will hierin aus Erfahrung sprechen. Wohl aber verdient seine Annahme, daß die Zahnleiden der Europäer und die Verwachsenheit der Zähne der angewöhnten Offenmündig­keit zuzuschreiben wären, einige Beachtung. Der Zahn hält sich entschieden nicht so lange in dem offenen, ausgetrockneten Munde, wie im geschloffenen, Beweis, daß gerade die der Luft am meisten ausgesetzten oberen Schneidezähne am frühesten der Carie« zum Opfer fallen.

Der mit offenem Munde Schlafende schnarcht überdies leicht, weil das Gaumensegel, welches Nasen- und Mundhöhle trennt, beim offenen Munde leichter in Schwingungen geräth, und ich bin geneigt, in diesem Umstande sogar eine Warnung»- signal-Vorkehrung der gütigen Natur gegen den gerügten Fehler zu erblicken.

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I Mr. George Catlin behauptet, daß da« Zahnen den Kin­dern der Wilden niemals größere Schmerzen verursache. Wer die Heilkraft der Mundwärme ermißt, dem kann die von ihm gegebene Erklärung nur glaubhaft erscheinen. Die Sorgfalt der Judianermutter, ihrem Kinde das Schlafen mit offenem Munde zu verwehren, ist nach Mr. Catlin die Hauptsache dieser Befreiung des Naturkindes von heillosem Zahnweh, insbeson­dere von den tödtlichen Zufällen des Zahndurchbruchs. Das von der kalten Zugluft des Einathmungsprozefles fortwährend bestrichene Zahnfleisch muß naturgemäß empsindlicher und ent­zündlicher sein, dem Durchbrechen des Zahnes mehr Widerstand entgegensetzen, als der stets feucht und warm erhaltene Gau­men des geschloffen gehaltenen Mundes.

Ob wir rathen können, die Indianer-Windel selbst ein­zuführen? Nun, neinl Gewiß scheint, daß die Methode, den Kopf hoch gegen die Brust geneigt zu halten, das Wesentliche an dieser Windel ist. Und, wie ich schon hervorhob, gerade dieser wesentlichste Zweck des Apparates läßt sich durch etwas festen Willen, durch Beobachtung des Schläfers ersetzen. Wenn Jemand sehr laut schnarcht und mit offenem Munde athmet, wecke man ihn wieder und wieder. Der Organismus ist so anpaffungsfähig, daß er endlich eine Lage findet, in welcher er ungestört und ohne zu stören der Ruhe zu genießen vermag. Ich selbst helfe mir mit etwas Phantaste über manche Mängel des Willens hinweg. Im Theater bemerke ich, daß die von der Gallerie Herablickenden stets den Mund geschloffen haben; ste beugen aber den Kopf gegen die Brust. Mit diesem Ge­danken einschlafend ich blicke in der Phantaste vom Schiffs­bord in das wogende Meer, oder vom Berg hinab in ein wogendes Kornfeld bin ich sicher, den Mund geschloffen zu halten und bald einzuschlafen. Ich hoffe auch ohne Hilfe der Maschine das ersehnte Ziel hygieinischen Schlafes zu erreichen.

Vermischtes.

Hohe Jagd. Fürst:Nun, Herr Förster, ist das Wild schon in Sicht?" Försier:Unterthänigst aufzuwarten,

Durchlaucht, es macht sich eben schußfertig."

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Lange Trennung.Also, liebes Weibchen, Du gehst nun in den Modebazar? Dann gib mir vorher noch einen

recht schönen Kuß!"Was fällt Dir ein, aus offener

Straße!"Aber, Elise, vor einer Reise oder vor einer sonstigen längeren Trennung nimmt man doch mit größerer Zärtlichkeit Abschied!"

Befolgter Rath. Bettler (in einen Schlächterladen tretend):Können Se nich eenen armen Mann en bisken helfen?" Schlächter (mürrisch):Ach was, helfen Sie sich doch selbst!" Bettler:Wenn Se gesiatten, bin ick so frei!" Nimmt zwei Würste und verschwindet damit.

*

Veränderte Situation.Ihr Portrait, Herr Bankier, werde ich in einigen Tagen fertig haben!"Wer­fen Se's weg und machen Se e' neu's! Ich bin heute gewor­den Baron!"

Recht tröstlich. Student:Sie sind heute gerade der dreizehnte Gläubiger, der mich besucht! Das bedeutet nichts Gutes für Sie!" Schneider:Da gibt'« wohl wieder kein Geld?" Student:Allerdings nicht; aber Ste können sich beruhigen, die anderen zwölf haben nämlich auch nichts gekriegt!" *

Mißverstanden. Lehrerin (dictirend):Die Erde bedeckt sich wieder mit frischem Grün untermischt mit lieb­lich duftenden Blumen!" Schülerin (die Tochter eines Guts­besitzer») schreibt:Die Erde bedeckt sich wieder mit frischem Grün und der Mist mit lieblich duftenden Blumen!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der ^ hl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.