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Zärtlich schlang sie die Arme um den Geliebten. „O, Kurt, ich bin unsäglich glücklich," flüsterte sie.
„Meine holde, liebliche Haideblume, ich bin auch glücklich in Deinem Besitz," sagte Born voll tiefer Bewegung und küßte Dora herzlich.
Die Sonne war untergegangen und der Mond stieg langsam herauf, es war, als lächele der alte Freund aller Liebenden still in sich hinein, als fein bleiches Licht die beiden einsamen Gestalten umwob. Eben solche glückliche selige Menschenkinder hatte er schon vor Jahrhunderten geschaut. — Das Hohelied der Liebe war noch nicht verklungen auf der Erde, auch Dora, das kecke, übermüthige Kind seiner Zeit, hat seinen Klang vernommen und sich belehren lasien, daß Zeit und Menschen nicht flach, wie sie einst voll Uebermuth behauptet, — sie hat erkannt, daß nur in ihren Augen sich einst Alles klein und flach gespiegelt, weil ihr das höchste Glück des Weibes, wahres, tiefes Lieben, noch nicht aufgegangen war-
Die Kunst, gesundheitsgemätz zu schlafen.
Von Ottomar Beta.
------- (Nachdruck verboten.)
Vor mir liegt eine kleine Abhandlung aus dem Jahre 1862 von dem bekannten Reisenden George Catlin, welcher sich jahrelang unter den Indianern Nord- und Südamerikas bewegt und viele Stämme derselben im Ur- und Naturzustande kennen gelernt hat, noch ehe der Rowdy mit dem Feuerwasser und der Feuerwaffe ihnen nahe kam. Eines Tages, so erzählt Mister Catlin, hatte ich einen Streit mit einem solchen Sohne der Prairie; es gelang mir indessen, mich wieder mit ihm auszusöhnen, die Streitaxt wurde begraben, der Zorn verrauchte und im Laufe weiterer Bekanntschaft eröffnete mir mein Gegner, daß ich, Catlin, wenn es zu einem Kampfe zwischen uns gekommen wäre, jedenfalls unterlegen fein würde. Der Grund zu dieser Annahme? „Nun," sagte der Indianer, „ich habe noch nie einen Menschen siegen sehen, der nicht einmal im Stande war, seinen Mund geschloffen zu halten. Bei uns heißt es: Erst öffne die Augen, ehe Du die Ohren leihest und knöpfe die Ohren auf, ehe Du den Mund öffnest. Ihr aber redet in's Gelag hinein, geht wie ein Stück Krummholz und schlaft mit offenem Munde."
Durch diese Bemerkungen angeregt, begab sich George Gattin an das Studium dieser Sache. Er fand nach umfassenden und genauen Erkundigungen, daß die Indianer in ihrem Urzustände gar keine Kindersterblichkeit aus Krankheitsursachen kennen, während in Europa gegen 50 Procent aller Geborenen vor dem fünften Lebensjahre während des Zahnens eingehen. Er fand, daß die Indianer-Mutter mit großer Sorgfalt den Schlaf ihres Kindes überwacht und ihm nie gestattet, schlafend' mit offenem Munde zu athmen und endlich fand er, daß die eigenthümliche „Windel", auf welcher der Indianer den Säugling befestigt, ganz besonders dazu eingerichtet erschien, das Krummliegen des Säuglings und das Athmen durch den Mund zu verhindern.
Die Indianer-Windel ist kein so complizirtes Möbel. Sie besteht aus einem einfachen Brette mit einem Auerholze am Fußende. Auf dieses wird der Säugling in gerader Stellung festgeschnürt, natürlich so, daß seine jungen zarten Gliedmaßen noch einigen Spielraum haben. Ein halbmondförmiges Holzstück, unter dem Hinterkopfe angebracht, gibt dem Kinde eine Steigung nach vorn, so daß das Kinn von der Windel gegen den Oberkiefer gedrückt wird und der Mund sich nicht von selbst im Schlafe öffnen kann. Das Kind erhält die Rückenlage und wird an diese von früh an gewöhnt. Es lernt, ehe es denken kann, in der That die Augen eher öffnen, als den Mund. Mr. Catlin knüpft an diese Vorkehrung des Naturmenschen, die ausgesprochenermaßen dazu dienen soll, das Kind gesund zu erhalten und wie ein Bäumchen in gerader Richtung wachsen zu lassen, eine sehr weitgehende Betrachtung. Uns selbst fällt ein, daß man schon in den Pfahlbauten mondsichelförmige
Thongeräthe gefunden hat, welche nach Karl Vogt ausschließlich den Zweck haben können, dem Kopfe des Schlafenden eine Unterlage zu geben; und uns fällt ferner ein, daß das höchst- stehende Culturvolk Ostastens, die Japaner, noch heute sich solcher Unterlagen bedienen und sie mit Seidenpapiere stets reinlich auskletden. Und zwar gaben die jungen Japaner, die wir über dieses Geräth befragten, übereinstimmend an, daß dasselbe aus sanitären Rücksichten seit Urzeiten in Gebrauch wäre. Diese harte und kühle Unterlage halte den Kopf hoch und verhindere böse oder schädliche Träume. Wir sehen also, daß der Urmensch der Pfahlbauten, der Naturmensch der Prairie (auch der Südsee-Jnsulaner) und der Culturmensch Ostasiens übereinstimmend ein und dasselbe Geräihe aus hygieinischen Rücksichten benutzen.
Folgen wir nun in Einigem den Ausführungen des Mr- George Catlin, der in seiner 75 Seiten starken Abhandlung „The Breath of Life“ (London 1861, Trübener & Co.) enthalten sind. Er sagt, der Mensch, das vollkommenste, zäheste, weitestwandernde Geschöpf, sei dennoch relativ weniger langlebig, als der Naturmensch — soweit letztere noch nicht von der „Pest der Civilisation" befallen wäre. Es sei nur anzunehmen, daß üble Gewohnheiten und Fahrlässigkeiten, wie die sogenannte Cultur sie mit sich brächte, unsere Gesundheit frühzeitig untergraben und die Mortalitätsziffer Europas zu jener schaudererregenden Höhe emporschraubten, daß von je vier Geborenen nur durchschnittlich einer ein Alter von 25 Jahren erlebte. Der Naturmensch wie sein stummes Mitgeschöpf, das Thier, sind frei von chronischen Leiden der Lunge, des Magens und der Sinneswerkzeuge, frei von jener jetzt in Europa verheerend um sich greifenden Selbstmordmanie; er behält seine Zähne bis an das Lebensende, und diese Zähne sind mit wunderbarer Regelmäßigkeit gewachsen. Auch Krüppel und Bucklige kommen bei den Indianern nicht vor. Und alles dies ist nach Mr. Catlins Annahme die Folge der größeren Sorgfalt, die der Naturmensch seinem Sprößling in der Windel angedeihen lasse, während die Uebel der Cultur ebenfalls durch Verweichlichung und Vernachlässigung in der ersten Kindheit entständen, hauptsächlich aber dem Athmen durch den offenen Mund zuzuschreiben sei.
Nun ist nicht zu leugnen, daß, wie schon die Bibel lehrt, der Mensch den Odem Gottes durch die Nase empfangen hat, daß also die Nase als der richtige Weg erscheint, um die fernere Aufnahme der himmlischen Luft zu vermitteln. Auch das Thier athmet nur durch die Nüstern. Beim Schlafen liegt es auf dem Kinn — wie dies auch die Naturmenschen im höheren Alter an sich haben. Es legt den Unterkiefer auf den Unterschenkel eines der Vorderbeine und kann also ausschließlich durch die Nüstern athmen. Zweifellos ist die Gesundheit des Luftmagens, wie Dr. Mertens die Lunge nennt, mit der richtigen Luftzuführung verknüpft, und es ist zweifellos, daß eine Reihe von Uebeln mit Vorliebe ihren Einzug in den Organismus durch das geöffnete Portal des Mundes nehmen.
Gerade im Schlafe erneuert und verjüngt sich unser Blut; gerade im Schlafe ist der Athmungsprozeß am lebhaftesten und während der Kräfteverbrauch sehr gering ist, sinkt auch die Ausathmung von Kohlensäure aus der Lunge auf ein Mindestmaß, dagegen steigert sich im schlafenden Organismus die Aufnahme an Sauerstoff; kurz, der Schlaf ist so recht eigentlich der Athmung gewidmet. Daraus folgt, daß eine falsche Athmungsweise gerade während des Schlafs, wo der Körper außerdem am unbefangensten sich verhält, auch am ehesten und nachhaltigsten schädlich wirken müsse.
Nun spielt, wie leicht ersichtlich ist, die Nase bei der Ath- mung eine naturgemäße Hauptrolle. Sie dient der Lunge und den Schleimhäuten der Kehle und des Rachens als Luftwärmer. Die Luft wird auf dem verhältnißmäßig engen Nasendurchgang filtrirt und temperirt. Wenn nun während des Schlafes eine gewohnheitsgemäße Außerdienstsetzung der Nase stattstndet, wenn die Luft überreichlich und kalt durch das weitgeöffnete Mundthor einströmt, so müssen nothwendigerweise Rachenhöhle, Kehlkopf und die Luftwege der Lunge darunter leiden; vielleicht wird sogar die gehörige Resorption in der Lunge selbst infolge


