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WL * u a y I Sprachen mächtig, so beginnt sie, Lola für diese Künste zu
«Wen ich fürchte, Du erträgst es nicht. Ach, Lola, was I interessiren.
wir^ k h r.. , . Es ist nicht leicht. Lola ist zu sehr einer jeden Leitung
„Nichts, Mama. Ich werde geduldig warten, was der I entwöhnt. Doch nach und nach findet sie Geschmack an den
5 mmesm2in „nu, rxr x .. Spaziergängen, welche die Baronin stets dorthin unternimmt,
»Mein Kind I Mem geliebtes, schönes Kind!" schluchzt dis wo das Auge durch Farbencontraste, durch besonders malerische fann ÖOn Deinem fürchterlichen Vorwürfe gefesselt wird. Die alte Dame fängt an, kleine Schicksal befreien? | Skizzen aufzunehmen. Es dauert nicht lange, so erklärt
Unt) Lola antwortet, wie schon so ost vorher, düster: I Lola, es auch versuchen zu wollen-
rha Mfs , Wenn sie auch nicht gerade viel Talent und Verständniß
aÄ o„ät bte^e au^ | zeigt, so werden ihre Gedanken doch von ihren Sorgen ab-
"Weffen Tod, Lola?" gelenkt, und der Zweck ist erfüllt.
„Meiner ober Jener - es ist gleich." Auch für Musik sucht die Baronin die junge Freundin
m Lola, Dein Ton ist so eigentümlich. Was hast zu begeistern. Das ist freilich schon schwerer, da Letztere Du vor? Bist Du hier zufrieden?" gänzlich unmusikalisch ist. Doch nachdem die alte Dame ein*
Ein schmerzliches Lächeln umspielt die feinen Lippen. mal zufällig erwähnte, ihr Sohn liebe bie Musik, giebt Lola „Ich muß wohl, Mama. Ich habe meine Strafe ver* I sich die größte Mühe bei ihren Hebungen.
d^ut. m I Gerald ist schon mehrere Mal in Castelamare gewesen.
Ein tiefer Seufzer hebt die gequälte Brust der Mutter. Er wohnt stets im Dorf und nimmt nur die Mahlzeiten in
Hat sts eine so harte Strafe verdient? der Villa Flora aus Besorgniß für den Ruf der geliebten
„Und dann, Mama,' fährt Lola mit sanfter Stimme Frau. Jetzt, da sie unter dem Schutz seiner Mutter steht, ist
ort, „weißt Du, was ich thue, wenn es mir manchmal allzu sie ihm doppelt heilig. Niemals fordert er sie zu einem
schwer wird, zufrieden zu sein?" | Spaziergang mit ihm auf oder zu einer Segelfahrt die felsigen
j Ufer entlang. Niemals steht er mit ihr im Mondenschein
„Ich bete. Ich glaube, wenn ich früher mehr gebetet, allein auf der Terrasse. Weil er sie liebt, sie liebt mit allen wenn ich mehr an Gott als an die Menschen gedacht hätte, I Fasern seines Herzens, vermeidet er jede Versuchung. Er ver* wäre Alles anders gekommen." gißt nie, daß sie die Gattin eines Anderen ist - gleichviel
Die Pastorswittwe faltet die Hände und blickt stumm voll I unter welch' traurigen Umständen.
inniger Dankbarkeit gen Himmel. Ihre Furcht, Lola könnte Lola vermeidet fast jedes Zusammensein mit ihm. Sie einst einen verzweifelten Schritt unternehmen, schwindet. I spricht wenig in seiner Gegenwart und zeigt eine Schüchtern- Eine erlösende Ruhe kommt über die arme, schwergeprüfte heit und Zurückhaltung im Verkehr mit ihm, die merkwürdig Frau. Sie weiß, daß ihr Leiden langsam, aber unheilbar gegen ihre frühere Vertraulichkeit absticht.
forschreitet. Still und gottergeben steht sie ihrem Ende ent» | Soeben hat die Baronin sie bitten lassen, herunter auf gegen. Jeden Tag fragt sie ihre Tochter: „Was wirst Du die Terrasse zu kommen. Ihr Sohn sei unerwartet ein* anfangen, Lola?" und nickt befriedigt, wenn diese mit einem | getroffen.
freundlichen Lächeln antwortet: „Ich werde geduldig warten, Schüchtern betritt Lola den Salon. Helle Röths steigt was der Himmel mir schickt, Mama." j in ihre Wangen bis zu den goldigschimmernden Stirnlöckchen,
An einem milden Novsmberabend, zur Zeit des Sonnen* I als Gerald ihr freudig erregt die Hand reicht.
Unterganges, den sie so oft mit Wehmuth betrachtet, löscht I „Wir wollen vom Strand aus den Sonnenuntergang be» das matte Lebenslicht endlich ganz aus. Frau March stirbt obachten," sagt die Baronin freundlich. „Wollen Sie uns ruhig, bei vollem Bewußtsein. Bis zuletzt beschäftigt sie der I begleiten?"
Gedanke, ob ihr guter Pastor auf sie böse sei, weil sie ihr I Lola nickt schweigend. Geralds unerwartete Ankunft hat Kind nicht besser gehütet habe. Schließlich findet sie Trost I sie erregt.
in dem Bewußtsein, ihr Bestes gethan zu haben. Sie faltet l So wandern alle Drei am Seeufer auf und ab, im An* die Hände Über der Brust und murmelt immer wieder: „Ja, I blick des wunderbaren Naturschauspiels versunken. Lichte,
ich habe mein Bestes gethan." I rosenfarbene Wolken hängen lose über den Bergen. Die
Die Worte werden leiser, unverständlicher. Dann hören l Sonne gleicht einem glühenden Riesenball und scheint den
sie ganz auf. Wasserspiegel zu berühren, dessen tiefe Bläue sich dunkelroth
Frau March hat ausgelitten. ! färbt-
--------- -- ---------| Die Baronin Hastings fühlt sich ein wenig ermüdet. Doch Auf dem kleinen Kirchhof von Castelamare ruht die gute | will sie das Seeufer nicht verlassen, bevor sie nicht die
Pastorswittwe von all' ihren Leiden, ihren Sorgen aus. Ein I glühende Scheibe der Sonne in den Wassern hat versinken
einfaches Marmorkreuz schmückt den myrthenumwachsen Hügel. I sehen. Sie setzt sich auf das Wrack eines kleinen Fischer-
Liebevoll hatte Lola die Mutter kurz vor ihrem Tode | bootes, während die beiden Anderen in ihrer Nähe weiter
gefragt, ob sie an ihres Pastors Seite zur ewigen Ruhe gs* | promeniren.
bettet sein wolle. Einige Minuten lang hatte bie Sterbende $ Sie sind zum ersten Mal allein seit jenem schreckens* ste mit großen, sehnsüchtigen Augen schweigend angeblickt. I schweren Tage.
Es war stets ihr Wunsch gewesen, an der Seite ihres Gatten | Ein eigentümliches Gefühl beschleicht Lola, halb Freude,
in Clifdale beerdigt zu sein. Dann hatte sie die Augen ge* I halb Verlegenheit.
Massen und leise gemurmelt: „Nein, mein Kind. Ich möchte i „Haben Sie etwas erfahren, Baron Gerald?" fragt sts
hier unter den Myrthen und Cypressen schlafen." | hastig.
Es war das größte und letzte Opfer, das sie ihrem i Er blickt sie ernst an. „Ja, Lola."
Kinde brachte .... I „Was? Was?" Ihrs Wangen glühen; ihre Augen
Der Verlust der geliebten Mutter führt Lola erst so i leuchten. Jeder Zug ihres lieblichen Antlitzes verräth ihre recht zum Bewußtsein, was dis Verstorbene ihr gewesen. | tödtliche Spannung-
Erst jetzt erkennt sie ganz den selbstlosen, aufopfernden Cha« | „Lord Rawdon hat sich einer Nordpol-Expedition an-
raeter derselben. i geschlossen und wird sobald wohl nicht nach-England zurück*
Sie ist die ersten Tage nach dem Begräbniß fast apathisch, j kehren."
Kaum, daß sie ißt und trinkt. Da verfällt die Baronin j Lola zieht ein wenig die Oberlippe in die Höhe. „Das
Hastings auf eins neue Ides. Da sie selber eine hochge* | intereffirt mich wenig."
bildete Dame ist mit musikalischem Talent begabt, als Ma* I „Ich habe auch etwas über Orlowsky erfahren," fährt
«rin weit über die Mittelmäßigkeit hinausragend und mehrerer ’ et mit gedämpfter Stimme fort.


