Ausgabe 
17.7.1894
 
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Nun," sagte sie,nicht immer Sie wissen ja, junge

.Sie schlafen wohl schon um diese Zeit?" forschte Adamek.

Gewöhnlich aber manchesmal erwach' ich doch, wie zum Beispiel das letzte Mal."

Wann war das?"

Warten Sie es war ein Donnerstag Donners­tag vor acht Tagen."

Adamek wäre fast aufgesprungen vor Erregung, aber er bezwang sich.

Wie kam das?" fragte er leichthin.

Ich habe damals meine Migräne gehabt und ging in die Küche, mir ein Senfpflaster zu holen, das ich immer zu Hause habe. Gerade in diesem Moment ist Herr von Jvanyi nach Hause gekommen."

Wie spät war es damals?"

Warten Sie," sie dachte eine Weile nach,ich habe die Gewohnheit, noch von damals her, da mein Seliger nach Hause gekommen ist, auf die Uhr zu schauen"

Wie spät war es?" wiederholte der Detectiv ungeduldig.

Zehn Minuten vor zwei Uhr."

Adamek begann zu rechnen:Der erste Fiaker war um 1 Uhr angerufen worden, nach 6 bis 7 Minuten setzte er sich in Bewegung. Um 1 Uhr 25 Minuten mag er in der Liechtensteinstraße gewesen sein, 5 Minuten hat Jvanyi mit dem Kutscher gesprochen macht 1 Uhr 30. Ich nehme an, er hat dann noch weitere 10 Minuten auf den zweiten Fiaker gewartet macht 1 Uhr 40. 25 Minuten braucht er, um in die Heugasse, weitere 5, um zu Fuß in die Alleegasse zu kommen macht 10 Minuten nach zwei Uhr anstatt vor dieser Stunde."

Hm," sprach er laut,ist die Küchenuhr richtig gegangen?"

Nun, ich glaube schon," antwortete Frau Kroll.Manch­mal geht sie zu langsam, wenn sie längere Zeit nicht gereinigt worden ist, aber da schicke ich sie zu meinem Neffen, der ist Uhrmacher und reparirt sie mir umsonst."

Damals ist sie zu langsam gegangen," rief Adamek lebhaft.Er muß zehn Minuten nach zwei Uhr heimgekehrt sein dann stimmt's."

Was stimmt?" fragte Frau Kroll mißtrauisch.Und woher wissen Sie, daß meine Uhr zu langsam gegangen ist?"

Also war sie um 20 Minuten zurück?"

Ich kann es nicht bestimmt sagen," erwiderte die Haus­hälterin pikirt.Man kann sich auf Uhren ost nicht besser verlassen, als auf Menschen, aber deshalb kann man ihn doch versichern, denn für gewöhnlich ist er vor Mitternacht zu Hause," schloß sie mit einem strafenden Blick auf den vermeint­lichen Agenten.

Wir werden ihn schon versichern," versetzte er plötzlich in ausgezeichneter Laune.

In diesem Augenblicke läutete es abermals an der Wohnungsthüre und Frau Kroll ließ den Detectiv allein. Es war keine Zeit zu verlieren, da sie jeden Augenblick wieder eintreten konnte. Adamek lief in's Schlafzimmer und bemerkte sofort auf dem Kleiderstock einen Hellen Ueberzieher.

Aha," dachte er, indem er zu vemselben hineilte und die Taschen durchsuchte.Das ist derselbe Rock, den er damals an hatte!" Er hörte Schritte und eilte in das erste Zimmer zurück.

Wünschen Sie noch eine Auskunft?" fragte Frau Kroll, die eben zurückkam- .

Sagten Sie nicht," entgegnete Adamek,daß Herr Jvanyi heute Nachmittag zu Hause sein werde?"

Jawohl; seine Braut und Herr Weber kommen zum Kaffee."

Ich danke Ihnen, im Uebrigen sehe ich Sie wieder." Auf der Zeugenbank im Landesgericht," brummte er ver­gnügt, während er von Frau Kroll mit höflicher Verbeugung Abschied nahm-

IX.

Die Wiener Ringstraße bietet, zumal an sonnenhellen Frühlingstagen, ein ungemein freundliches, schönes Bild. Von

,en Gartenanlagen her weht ein süßer Wohlgeruch über die »reite Straße und dringt in die engen, uralten Gäßchen der nneren Stadt, und wie in Duft getaucht ist Alles: die präch­tigen Paläste, die herrlichen Monumentalbauten und die früh- iche Menschenmenge, welche, gleichsam feiertäglich gekleidet, von der Oper bis zur Wollzeile lustwandelt. Elegante Wagen rollen unablässig vorüber, dazwischen die Pferdebahn, in deren Coupes die Leute dichtgedrängt stehen, um in den Prater zu kommen. Zwischen den zumeist hellgekleideten Damen steht man die Uniformen der österreichischen Offiziere; zumeist herrscht aber die bürgerliche Tracht vor.

Auch Margarethe machte hier am Arme ihres Bräuti­gams einen Spaziergang; sie lachte und scherzte und brachte es durch ihre köstliche Laune dahin, auch Jvanyi heiter zu iimmen. Diesen berauschten die bewundernden Blicke, welche alle Welt für seine schöne Braut hatte, aber er sehnte sich doch jinweg; es schien ihm, als wäre er auch hier von einem charfen Auge beobachtet, als forschte der Unbekannte von zestern in seinen Gesichtszügen. . . -

So freute er sich fast darüber, als Margarethe endlich erklärte, daß sie müde sei und ihren Landauer herbeiwinkte, der dem Brautpaare im Schritt nachgefahren war. Sie gab dem Kutscher den Auftrag, in die Universitätsstraße zu fahren, wo Herr Weber ein Kaffeehaus zu besuchen pflegte.

Wir holen Papa," sagte sie zu Jvanyi,und fahren dann zu Dir. Weißt Du, Liebster, ich freue mich herzlich da­rauf, zu sehen, wie Du es verstanden hast, Dir Dein Heim behaglich zu machen . . und ich werde dann darüber ent­scheiden, ob Du zum Ehemann taugst."

Sie plauderte in dieser heiteren Weise fort, während Desider sich in die seidenen Kissen des Wagens zurücklehnte und das schöne Mädchen mit freundlichem Lächeln ansah. Vielleicht hörte er gar nicht, was sie sprach vielleicht lauschte er nur dem Wohlklang ihrer feinen Stimme, ihres Lachens, das sich von ihren feinen Lippen loslöste wie Perlen von einer gerissenen Schnur. Es war die Musik ihrer Rede, welche ihn entzückte, und das Gefühl, von einem Wesen geliebt zu werden, das so schön war und so gar nicht berührt von dem Schmutz dieses Lebens.

Armes Ding, armes Ding," murmelte er wieder.

Jndeß waren sie vor dem Kaffeehause in der Universitäts­straße angekommen, Jvanyi verließ rasch den Wagen und trat ein, um Weber abzuholen.

Als die kleine^Gescllschaft in die Alleegaffe kam, war Frau Kroll in heller Verzweiflung.

Ach, entschuldigen Sie tausendmal der Kaffee ist noch nicht fertig, aber es war heute so heiß, daß ich Nachmittag ein wenig ausruhen mußte. Um diese Zeit eine solche Hitze! Meine selige Schwester hat zwar erzählt, daß es einmal im Juni so heiß war, daß das Wasser"

Ich hoffe, sie wird mit dem Kaffee srüher fertig, als mit ihren Erzählungen," flüsterte Margarethe ihrem Bräutigam zu, während die Haushälterin in die Küche ging.

Nach einer Weile kam die Frau mit dem Kaffee und einer neuen Entschuldigung.

Ach, der Guglhupf ist nicht fertig," seufzte sie,Herr von Jvanyi hat mir nicht gesagt, daß die Herrschaften so zeitig kommen, und wenn der Guglhups nicht seine Zeit hat, ist er verdorben, und nichts ist so gefährlich für den Magen, hat meine selige Tante gesagt, die mehr verstanden hat, als mancher Arzt--" ,

Damit verließ sie das Zimmer und Margarethe goß den Kaffee in die Tassen; ihre Hände bewegten sich dabei so ge­schickt, daß nicht nur Jvanyi, sondern auch Herr Weber mit Interesse der eifrigen Geschäftigkeit des Mädchens zusahen.

Nun," sagte sie, indem sie den Herren den Kaffee reichte, Ihr seid ja heute recht unterhaltend."

Besser gar nicht reden, als dummes Zeug," antwortete Weber. ,

Das Gespräch wurde erst lebhafter, als die Frage auf­geworfen wurde, was man am Abend unternehmen wolle. Aber ehe dies noch entschieden war, hörte man die Glocke