Ausgabe 
17.7.1894
 
Einzelbild herunterladen

Anterchaltrrngsblatt jum Giehenev Anzeigen (Genevnl-Anzeigev)

^WUl

Dienstag, dm 17. Juli.

Das Geheimmß der Droschke.

Von F. Hume.

(Fortsetzung.)

Jvanyi hatte unterdeß in der Zeitung eine Notiz entdeckt, welche ihn veranlaßte, wieder an den Mann zu denken, der ihm so beharrlich nachgegangen war. Die Nachricht, ziemlich geheimnißvoll abgefaßt, besagte, daß es der Polizei gelungen sei, einige Anhaltspunkte zu finden, welche die Ausforschung der Verbrechens wesentlich erleichterten. Einen Augenblick lang dachte Jvanyi daran, von Wien abzureisen, dann aber überlegte er, daß durch seine Abreise dem einmal gefaßten Ver­dachte neue Nahrung zugesührt werde und er entschloß sich, zu bleiben, mochte kommen, was da wolle. Er fühlte kein feiges Mitleid mit sich selbst nur mit jenem zarten, herrlichen Wesen, das er mehr liebte als sein Leben, in dessen Dasein e» keine Kümmerniß, keine Sorge, kein Leid, keine Thräne geben sollte. Das, was er wußte, was er zutiefst in seiner Brust als strenges Geheimniß hütete, das sollte Margarethe, die arme Margarethe niemals erfahren lieber wollte er daran selbst zu Grunde gehen!

Er läutete seiner Wirtschafterin und machte ihr die Mit­theilung, daß er jetzt ausgehe, um erst des Abends nach Hause zu kommen.

Ah," sagte sie versöhnt,das wird Ihnen gut thun. Gehen Sie fleißig spazieren. Wie ich gesehen, haben Herr von Jvanyi das Frühstück gar nicht berührt. Und die Be­wegung in freier Luft wird Ihnen Appetit machen. Ein Bruder meiner Mutter ist Omnibus-Conducteur der hat mmer einen rechtschaffenen Hunger"

So, so," unterbrach Jvanyi lächelnd den Redestrom der Frau Kroll.

Freilich," fuhr sie dadurch ermuntert fort,freilich und ein Neffe meiner seligen Schwester war Briefträger, der war auch bekannt wegen seines guten Appetits."

Richtig," fiel Jvanyi ihr in's Wort,beinahe hätte ich vergessen, Ihnen zu sagen, daß ich schon Nachmittags heim- wmme, und zwar mit Herrn Weber und Fräulein Margarethe. Sie wünscht schon längst zu sehen, wie ein Junggeselle wohnt, und ob sie viel an mir zu bessern haben werde, um einen häuslichen Eheherrn aus mir zu machen. Nehmen Sie sich also zusammen, Frau Kroll, Ihnen wird es nicht schwer fallen, Kaffee und Gebäck vorzubereiten, die sich sehen lassen können."

Ah," meinte Frau Kroll geschmeichelt und vor Freude erglühend.Ich werde mich mit meinem Kaffee auszeichnen.

Solche junge Damen meinen gewiß, ein Herr sei schlecht auf­gehoben bei einer Haushälterin. Freilich kennt sie mich nicht und meinen Kaffee auch nicht. Eine Tante meiner Mutter, die bei einer Gräfin aus- und eingegangen ist, hat immer gesagt: Bei der Mizzi (das bin ich) trinkt man den besten Kaffee. Und einen Guglhupf will ich Ihnen backen na, ich sage gar nichts aber mein seliger Vater, der gewiß wählerisch war"

Ich weiß, Sie werden es gut machen, Frau Kroll," entgegnete Jvanyi belustigt und entfernte sich schnell.

Eine Weile darauf läutete es an der Wohnungsthüre und Frau Kroll beeilte sich, zu öffnen.

Vor ihr stand Herr Wendelin Adamek, der vor Ungeduld brannte, etwas über Jvanyi zu erfahren.

Ist Herr Desider Jvanyi zu Haufe?" fragte er.

Nein, er kommt erst Nachmittag wieder. Wenn Sie etwas zu bestellen haben, dann bitte es mir zu sagen. Herr Jvanyi wünscht es so, weil er weiß, daß es pünktlich aus­gerichtet wird."

Es ist keine Bestellung," antwortete Adamek langsam, ich habe vielmehr mit Ihnen selbst zu reden aber ich bitte, mich in's Zimmer zu führen."

Frau Kroll blickte den Fremden scharf an; nachdem sie sich aber überzeugt, daß der Mann ganz reputirlich aussah, sührte sie ihn in Jvrnyis Salon; sie bot ihm einen Sitz an und nahm dann selbst umständlich in einem Fauteuil Platz.

Er hat keine Schulden," begann die Frau in ihrer würdevollen Art.Wenn Sie vielleicht eine Rechnung sür ihn haben, dann hat er nur daran zu denken vergessen."

Ich habe," scherzte Adamek,leider keine Rechnung, die unter diesen Verhältnissen wahrhaftig nicht von Hebet wäre. Ich wollte Sie nur bitten, mir Einiges über die Gewohn­heiten Ihres Herrn mitzutheilen."

Frau Kroll sah ihn sehr unfreundlich an.

Ich bin nämlich" er freute sich über diesen guten Einfallich bin nämlich ein Versicherungsagent hm"

Oh, dann gebe ich Ihnen gerne jede Auskunft," beeilte sich die Haushälterin, ihm in's Wort zu fallen,denn ich weiß, welche Wohlthat es für die Familie ist, wenn das Ober­haupt derselben versichert war. Herr Jvanyi wird ja bald heirathen, und ich wünsche ihm das Beste, trotzdem ich eine gute Stelle verliere aber ich habe mir Manches erspart"

Wann kommt Herr Jvanyi gewöhnlich nach Hause?" begann Adamek, das Notizbuch herausziehend, sein Verhör.

Vor zwölf Uhr Nachts."

So immer?"

Frau Kroll blinzelte den Deteetiv mit einem Lächeln an.